Lohnt sich das frühe Aufstehen und der aufwendige Standaufbau in den Wintermonaten?

„Saure Gurken-Zeit“ auf dem Wochenmarkt

Elfriede Schilling ist seit Jahrzehnten Stammkundin am gemüsestand von Rainer Liebe, dessen Eltern bereits einen stand auf dem Heiligenhafener Wochenmarkt betrieben.

Von Sebastian StübenHEILIGENHAFEN • Der Wochenmarkt ist ein Stück heile Welt. Das Gemüse kommt vom Bauern nebenan, der Verkäufer kennt seine Kunden beim Vornamen, und die Kunden treffen sich zum „Klönschnack“ beim „Käsemann“, der „Eierfrau“ oder im Gemüsezelt.

Im Winter allerdings ist der Markt für die Verkäufer kein leichtes Brot. Stammkundensicherung und die Liebe zu ihrer Tätigkeit lassen sie auch in der kalten Jahreszeit zweimal in der Woche auf dem Heiligenhafener Marktplatz stehen, um ihre Waren anzubieten. Ein lohnendes Geschäft ist es nicht für alle, aber Wegbleiben ist undenkbar.

Kunden wie Elfriede Schilling helfen Rainer Liebe aus Techelwitz, jeden Morgen in aller Frühe aus dem Bett zu steigen, um auf dem Hamburger Großmarkt Waren für seinen Gemüsestand auf dem Wochenmarkt einzukaufen. „Viele lassen sich ja mittleweile ihre Ware liefern, ich fahre immer noch selbst zum Großmarkt“, erzählt das Urgestein des Marktes. Schon seine Eltern hatten einen Gemüsestand in Heiligenhafen, und die Eltern von Elfriede Schilling waren dort bereits Stammkunden. Sie selbst kauft jetzt regelmäßig ihr Gemüse bei Rainer Liebe. „Hier gibt es frische Sachen“, weiß die zufriedene Rentnerin.

Dass die Laufkundschaft im Winter fehle, beklagt der Standbetreiber. Auf der anderen Seite ist er froh, wenn es auch mal etwas ruhiger zugeht: „Man kann nicht immer 100 Prozent fahren, im Sommer ist es dafür oft sehr chaotisch.“

Wochenmarkt könnte attraktiver gemacht werden

Die mangelnde Laufkundschaft vermisst auch der Schlachter Martin Kinder, der seit Jahren seinen Wagen auf dem Heiligenhafener Wochenmarkt aufstellt. „Die Stadt könnte den Wochenmarkt etwas attraktiver machen“, findet Kinder. Trotzdem käme es für ihn nicht in Frage, über Winter sein Geschäft ruhen zu lassen: „Ob Sommer, ob Winter, es ist eine schöne Sache wegen der zufriedenen Kunden.“ Hans Schwarz ist Stammkunde am Fleischwarenwagen, weil er findet: „Ich kaufe am liebsten auf dem Wochenmarkt. Hier gibt es frische Ware, und die schmeckt am besten.“

Die Kälte, die in diesem Jahr noch gnädig mit den Standbetreibern war, ist kein so großes Problem. Die Stände und Zelte sind heutzutage alle beheizt. Außerdem hat Esther Begier vom Stand des Spargelhofes Hay festgestellt: „Man gewöhnt sich dran.“ Auch der Haysche Gemüsestand kommt im Winter durch seine Stammkunden „über die Runden.“ Die Frische der Waren, die die Wochenmarktkunden so schätzen, ist im Winter nicht in dem Maße gegeben wie im Sommer. „im Sommer haben wir mehr eigene Ware und viel von Fehmarn und aus der Heide“, erklärt Esther Begier, die trotzdem ihre Ware für besser als die aus dem Supermarkt hält.

"Ist doch nix los hier"

Die „Eierfrau“ Ingrid Evert kann dem Winter auf dem Wochenmarkt wenig gute Seiten abgewinnen: „Ist doch nix los hier.“ In der lauen Zeit sei sie nur wegen der Kunden da, die immer die Eier an ihrem Stand kaufen. Für den „Käsemann“ Norbert Hensel aus Lübeck lohnt sich der Markt im Winter ebensowenig. „Aber ich bin nordisch by nature. Die Temperaturen stören mich nicht. Also kann ich auch den Service für die Stammkunden leisten“, so Hensel. Außerdem nutzt er die Ausflüge an die Ostsee, um seinem Hobby nachzugehen: „Ich bin im Winter froh, wenn es nicht so stressig ist, dann kann ich danach gemütlich zum Meerforellenangeln gehen.“

Der direkte Kontakt mit den Kunden, das teilweise freundschaftliche Verhältnis, zieht die Standbetreiber also auch in der kalten Jahreszeit auf den Marktplatz. Es scheint für viele der Marktleute mehr Berufung als Beruf zu sein. Denn der Job ist nicht immer leicht. Aber die Wochenmarktverkäufer schaffen es, ihn leicht zu nehmen.

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