Altbischof Kohlwage auf Frühjahrssynode: Qualität erforderlich, um gegen Trend zu wachsen

Schlüsselrolle für pastorales Amt

Altbischof Karl Ludwig Kohlwage referierte zum Thema „Kirche im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch“.

Von Andreas HöppnerHEILIGENHAFEN • Nachdem die Synoden des Kirchenkreises Oldenburg sich in den vergangenen zwei Jahren in erster Linie durch Struktur- und Reformdebatten auszeichneten, war die Frühjahrssynode in Heiligenhafen der Zukunftsfähigkeit der evangelisch-lutherischen Kirche gewidmet.

Im Mittelpunkt stand dabei das Grundsatzreferat „Kirche im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch“ von Altbischof Karl Ludwig Kohlwage, das die 60 anwesenden Synodalen und die Gäste wie   Kreispräsident Richard Henneberg sowie Heiligenhafens stellvertretender Bürgervorsteher Nicolaj Nieden gespannt verfolgten.

Reformatorische Botschaft soll neu erstrahlen

Der 74-Jährige zeigte sich zuversichtlich, dass auf Grundlage des auf dem Zukunftskongress in Wittenberg vom 25. bis 27. Januar 2007 diskutierten  Impulspapiers „Kirche der Freiheit – Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ die „reformatorische Botschaft neu erstrahlt“. Doch wie soll vor dem Hintergrund des demografischen Wandels oder einer rückläufigen finanziellen Ausstattung auf die Sorge um die Zukunft reagiert werden?“, fragte Kohlwage, um einen Atemzug später die Antwort zu präsentieren. Um den Menschen auch in Zukunft eine geistliche Heimat bieten zu können, müssten sie in allen Lebenslagen das Angebot einer zuverlässigen Begleitung erfahren. Hierbei komme es auf „Qualität und Niveau“ an. Nur dann könne das im Impulspapier formulierte Ziel, „gegen den Trend wachsen“ zu wollen, auch erreicht werden.

Eine zentrale Rolle fällt hierbei laut Kohlwage dem geführten Gottesdienst zu. Doch nicht nur hier komme es auf geistliche Qualität an, auch bei den sonstigen Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation, Trauung oder Beerdigung. Um seine Intention plakativ zu machen, wählte er das Beispiel der Bahn. So würde über einen einzigen verspäteten Zug geredet, über 50 pünktlich verkehrende Züge aber nicht.

„Das pastorale Amt“ erhalte in dem Positionspapier demnach eine „Schlüsselposition“, so Kohlwage, doch man müsse auch die „Gewinnung, Begleitung und Qualifizierung der Ehrenamtlichen stärken“, forderte er. Mit dieser „neuen Freiwilligenkultur“ könne dann ein Netzwerk zur Stärkung der kirchlichen Arbeit in ihren vielschichtigen Betätigungsfeldern geschaffen werden.

Einem Teil dieser Aufgabenbereiche widmeten sich anschließend unter dem Motto „Kirche im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch“ die 60 Synodalen in verschiedenen Arbeitsgruppen, um Erfahrungen auszutauschen. So ging es beispielsweise um Gottesdienstformen,  christliche Jugendarbeit, Kirchenmusik, diakonische Arbeit oder Veränderungen in der Bestattungskultur.

In der abschließenden Aussprache wurde dann aber doch noch einmal der Bogen gespannt zur Strukturreform. Und der Altbischof hielt sich in seiner persönlichen Meinung nicht zurück. So hielt er die Schaffung von Großgebilden als ein „zu hinterfragendes Unternehmen“. In diesen sei es seiner Ansicht nach auch sehr viel schwieriger, die im Positionspapier angestrebte Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit durchzusetzen. Die Nordelbische Kirche habe sich bislang dadurch ausgezeichnet, dass sie den Kirchenkreis gestärkt habe, so Kohlwage. Eine Reduktion spreche eigentlich dagegen.

Parallel geführte Gespräche über eine Fusion der Landeskirchen Pommern, Mecklenburg und Nordelbien betrachtet Kohlwage ebenfalls skeptisch. Das sei ein „hoch kompliziertes Geschäft“, man könne nicht zwei wichtige Themen synchronisieren.

Trotz der schwierigen Strukturdiskussion sieht Kohlwage die evangelisch-lutherische  Kirche auf einem guten Weg, aus der Reformdekade bis zum Jahr 2017, in dem der 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers  begangen werden kann, gestärkt und erfolgreich erneuert hervorzugehen.

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