Noch immer sieht das Gerätehaus in der Ringstraße wie nach dem Brand im September 2021 aus.
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Noch immer sieht das Oldenburger Gerätehaus in der Ringstraße wie nach dem Brand im September vergangenen Jahres aus.

Stimmung kippt langsam: Oldenburgs Feuerwehr braucht weiter viel Geduld

  • Arne Jappe
    VonArne Jappe
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Bis das Oldenburger Gerätehaus nach dem Großfeuer wieder aufgebaut ist, vergehen noch mehrere Monate. Jüngst zeigte sich die Stadt Oldenburg erfreut, dass der Fertigstellungstermin nun nicht mehr im August 2023 sein wird, sondern schon im Mai 2023. Doch Wehrführer Hasselmann glaubt nicht an diesen Termin.

  • Aktuell muss sich die Oldenburger Feuerwehr auf zwei Standorte aufteilen, was Herausforderungen verursacht.
  • Neue Technik soll den Zustand ab sofort erträglicher machen.
  • Langes Warten auf den Neubau: Kameradinnen und Kameraden fühlen sich nicht wertgeschätzt

Oldenburg – Einen kleinen Lichtblick gab es aber am Mittwoch: Christian Hagen und Tjark Süchting von der Firma Sinus Nachrichtentechnik haben zwei Kommunikationseinheiten an die Feuerwehr übergeben. Die Anlage im Wert von 20000 Euro wird den Einsatzkräften für unbestimmte Zeit zur Verfügung stehen. Wehrführer André Hasselmann zeigte sich überglücklich, da bei Großschadenslagen diese Technik den Einsatzablauf erleichtert. Durch den verheerenden Großbrand im September 2021 bei der Feuerwehr Oldenburg sind die Einsatzkräfte nun seit mehr als sechs Monaten an zwei Standorte gebunden. Bei einem Besuch nach dem Brand durch den Mitarbeiter

Christian Hagen (l.) und Tjark Süchting (r.) übergeben im Beisein von Bürgervorsteherin Susanne Knees (2.v.r.) die neue Technik an Wehrführer André Hasselmann.

Tjark Süchting von der Firma Sinus Nachrichtentechnik war ihm sofort klar, irgendwie helfen zu müssen. „Wir pflegen eine jahrelange Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Oldenburg, und dieses Schicksal macht sehr betroffen“, sagte Süchting. Zusammen mit seinem Arbeitgeber überlegte er, wie man die Feuerwehr unterstützen könne. Durch Gespräche mit dem Wehrführer André Hasselmann und Funkwart Ingo Peters zeigte sich schnell, was am besten helfen kann. „Bei Großschadenslagen und die besondere Situation durch aktuell zwei Feuerwehr-Standorte ist die Kommunikation absolut kontraproduktiv“, erklärte Hasselmann. So hätten sie bei den letzten beiden großen Stürmen erlebt, dass die Einsatzkräfte teilweise mit Privathandys angerufen werden mussten, um den nächsten Einsatz abzuarbeiten, so Hasselmann.

In nur drei Stunden baute Techniker Christian Hagen die beiden digitalen Kommunikationseinheiten ein. Nun können die Einsatzkräfte mehrere Funkgeräte gleichzeitig ansprechen, was vorher nicht der Fall war. „Durch das Feuer im September sind die meisten Einsatzkräfte und Fahrzeuge in den Räumen der Kommunalen Dienste Oldenburg untergebracht“, erklärte André Hasselmann, der sich erleichtert und glücklich über diese Spende zeigte. „Wir stellen der Feuerwehr die beiden Geräte auf unbestimmte Zeit zur Verfügung“, fügte Tjark Süchting hinzu.

Wiederaufbau erst nächstes Jahr fertig

Bis das Gerätehaus in der Ringstraße wieder komplett aufgebaut wird, vergehen noch mehrere Monate. Jüngst zeigte sich die Stadt Oldenburg erfreut, dass der Fertigstellungstermin nun nicht mehr im August 2023 sein wird, sondern schon im Mai 2023. Doch Wehrführer Hasselmann glaubt nicht an diesen Termin angesichts der aktuellen Rohstofflage am Weltmarkt und den Krieg in der Ukraine. „Ich gehe nach dem heutigen Stand von einer Fertigstellung Ende nächsten Jahres aus“, sagte Hasselmann. 

Auch Bürgervorsteherin Susanne Knees (CDU), die bei dem Übergabetermin der Kommunikationstechnik im Gerätehaus Bürgermeister Jörg Saba vertrat, zeigte sich besorgt über die aktuelle Lage am Weltmarkt. Schon bestellte Fahrzeuge verspäten sich bereits bei der Feuerwehr Oldenburg, so Hasselmann, womit viele andere Feuerwehren im Kreis derzeit auch zu kämpfen hätten. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt Oldenburg, wie wir die Situation am Ausweichstandort verbessern können“, erklärte Hasselmann. Lange Laufwege zu den Fahrzeugen vom Parkplatz, keine Möglichkeit des Trocknens der nassen Einsatzschutzkleidung oder auch keine sanitären Anlagen stellen die Einsatzkräfte vor große Probleme. Laut Hasselmann werde aber bereits an Lösungen gearbeitet. „Natürlich sehnen wir uns nach unserem Gerätehaus in der Ringstraße und hoffen auf einen schnellen Baufortschritt“, so der Oldenburger Wehrführer. 

Stimmung ist nicht immer gut

Die Stimmung unter den Einsatzkräften war schon mal besser. Nach den jüngsten Hiobsbotschaften gab es viele kritische Stimmen. „Meine Kameradinnen und Kameraden fühlen sich einfach nicht wertgeschätzt“, gibt Hasselmann zu bedenken. Nach dem Brand im September 2021 waren die Brandschützer innerhalb von nur drei Tagen wieder voll einsatzbereit. Nur durch eine große Hilfswelle der umliegenden Feuerwehren war dies möglich. „Doch nun merkt man mittlerweile durch die Verzögerung vom Wiederaufbau, dass die Moral sinkt“, sagte der Wehrführer. Er könne das verstehen, weil sich am Gerätehaus seit September nicht viel getan hätte.

„Noch immer sieht man die geschmolzenen Tore und eine leere Halle. Teilweise gab es schon Personalmangel bei manchen Einsätzen. Ich habe Befürchtungen, dass meine Kameradinnen und Kameraden die Lust an ihrem Hobby verlieren“, zeigte sich Hasselmann nachdenklich. Die Feuerwehr wurde seit Jahresanfang bereits zu über 100 Einsätzen alarmiert. Und das alles unter diesen Umständen. 

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