Dr. Gunhild Gille spricht über die Ausrichtung ihrer Praxis in Corona-Zeiten

Schwere Zeiten für Hausärzte in Heiligenhafen

Ganz auf Corona-Zeiten eingestellt sind Dr. Gunhild Gille (v.l.) und die medizinischen Fachangestellten Katharina Janke und Lisa Frey.
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Ganz auf Corona-Zeiten eingestellt sind Dr. Gunhild Gille (v.l.) und die medizinischen Fachangestellten Katharina Janke und Lisa Frey.

Heiligenhafen – „Rufen Sie an, wenn Sie ärztliche Hilfe brauchen, damit wir Ihnen sagen können, wann Sie in die Praxis kommen können und wann es für Sie ungefährlich ist.“ Diese Worte von der Allgemeinmedizinerin Dr. Gunhild Gille machen den Ernst der Lage in Zeiten von Corona deutlich.

  • Heiligenhafener Ärztin hat nicht notwendige Vorsorgeuntersuchungen abgesagt
  • Kopfschmerzen, Fieber und Luftnot sind typische Corona-Symtome
  • Schutzmasken-Markt ist leer

„Mir ist es wichtig, den Menschen in Heiligenhafen klarzumachen, Arztbesuche sollen stattfinden, wenn sie wirklich wichtig sind. Alles andere versuchen wir in unserer Praxis so zu organisieren, dass wir eine Vielzahl von Kontakten vermeiden“, sagte die Hausärztin. Das heißt, man versuche den Praxisbetrieb auszudünnen und auf das Nötigste zu beschränken. Über Telefonate versucht Gunhild Gille rauszukriegen, wer angeschaut werden muss und wo ein Arztbesuch verschoben werden kann. Auch Besuche in Altenheimen versucht Dr. Gille extrem zu reduzieren, ebenso Hausbesuche. So könne man sich auf die Patienten konzentrieren, die wirklich Hilfe brauchen, sagte die Allgemeinmedizinerin unserer Zeitung.

Kassen bleiben leer, trotzdem keine finanziellen Probleme für Arztpraxen

Die Hausarztpraxis hat in diesem Zuge sämtliche Vorsorgeuntersuchungen, die nicht dringend notwendig sind, abgesagt. Das alles sei notwendig, um die Praxisräume leer zu bekommen. Das bedeute auf der anderen Seite für sie und alle Kollegen auch, dass die Kassen leer bleiben. Zu großen finanziellen Problemen soll es für die Arztpraxen aber nicht kommen, denn von der Kassenärztlichen Vereinigung wurde zugesichert, dass keine der Praxen finanzielle Schäden haben werde.

Patienten, die einen hochgradigen Verdacht auf Corona haben, versuche man gar nicht erst in die Praxis zu bestellen, das soll, wenn möglich, über die Corona-Ambulanzen laufen. „Wenn es einem Patienten besonders schlecht geht, überweisen wir ihn direkt ins Krankenhaus“, sagte Dr. Gunhild Gille. Menschen, die mit Infekten in die Praxis kommen, würden in einem besonderen Bereich behandelt, um den Kontakt mit anderen Menschen zu vermeiden. So versuche man, die Praxis coronafrei zu halten.

Viele Infizierte mit Grippe-Symptomen

Welche Vorzeichen hat eine Coronaerkrankung? „Wir wissen, dass diese Leute Kopfschmerzen haben, dass sie sehr schnell hohes Fieber bekommen und es drei bis vier Tagen nach der Erkrankung zu Luftnot kommen kann. Es gibt aber tatsächlich viele Menschen, die infiziert sind und die lediglich die Symptome einer normalen Grippe haben“, sagte Gunhild Gille. In Deutschland versuche man, Infektionsketten nachzuverfolgen, um festzustellen, wer noch infiziert sein könnte. Bei diesen Erkrankten und Menschen, die aus Risikogebieten kommen, werde großzügig getestet. Sollte jemand Kontakt zu einem Corona-Infizierten gehabt haben, aber vorerst keine Symptome zeigen, gehörte er 14 Tage in häusliche Quarantäne. Wenn dann keine Symptome mehr vorhanden sind, gelte der Patient als geheilt.

Auf den Tourismus und die Wirtschaft angesprochen, sagte Dr. Gunhild Gille: „Ich glaube, dass unser Ministerpräsident mit der Sperrung des Landes für Touristen absolut richtig gehandelt hat und möglicherweise vielen Schleswig-Holsteinern das Leben retten konnte. Wir sind noch nicht über den Berg und müssen damit rechnen, dass die Infektionszahlen noch ansteigen werden.“ Umso wichtiger ist es daher, dass Heiligenhafen auch weiterhin zusammenhält.

"Als Schutz gegen Corona nicht geeignet"

Eine Maskenpflicht auch in Schleswig-Holstein einzuführen, hält die Hausärztin für noch nicht erforderlich. Dann könnte es passieren, dass Ärzte, Krankenhäuser, das Personal in Altenheimen, aber auch die Polizei nicht mehr ausreichend mit Schutzmasken versorgt werden können, denn der Markt sei leer. Zurzeit verfüge ihre Praxis noch über 30 Schutzkittel und rund 100 Masken, wobei das nicht alles FFP2 Masken seien, die ausreichend vor dem Coronavirus schützen. Nachbestellungen seien schwierig. Die Kassenärztliche Vereinigung habe die Praxis am Mittwoch noch einmal mit acht Mundschutzmasken und acht FFP2 Masken bestückt, damit könne sie jeden in ihrem Praxisteam gerade mal eine Maske geben, die, um wiederverwendet zu werden, einmal gereinigt werden könne. Dr. Gille hofft darauf, dass der Engpass an Masken in zwei bis drei Wochen in Deutschland überwunden sei. Selbstgenähte Gesichtsmasken seien unterdessen eine gute Sache. „Wir wissen, dass diese Baumwollmasken, die mit 60 Grad waschbar sind, einen gewissen Schutz bieten. Doch als Schutz gegen Coronaviren seien sie nicht geeignet. „Aber alles ist besser als gar nichts.“ 

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