Wie sich die Heiligenhafener Gastronomie auf das Shutdown-Ende vorbereitet hat

Seit Montag rollt die Gästewelle

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Anabell Ramm begrüßt das Ende des Shutdowns. Im Restaurant „Käppen Plambeck“ hat man die Hygiene- und Abstandsregeln umgesetzt und freut sich auf die Gäste.

Heiligenhafen –ft– Die Gastronomie und das Gastgebergewerbe bereiten sich auf den Gästeansturm zu Himmelfahrt und Pfingsten vor, denn seit Montag dürfen Touristen aus Deutschland wieder an die Ostsee kommen.

  • Strenge Maßnahmen für Restaurants in Heiligenhafen
  • Zahlreiche Buchungen für den Sommerurlaub
  • Abstands- und Hygieneregeln überall präsent 

Auch Heiligenhafens Tourismusleiter Manfred Wohnrade rechnet mit einem hohen Gästeaufkommen an den kommenden Feiertagen. „Unmittelbar nach Bekanntgabe der Wiedereröffnung des touristischen Geschehens sind die Buchungsanfragen in Heiligenhafen stark angestiegen. Dabei geht es aber nicht nur um das bevorstehende Wochenende mit den Feiertagen, sondern in erster Linie um den Sommerurlaub“, sagte Manfred Wohnrade.

Die beiden Tourist-Infos sind ebenfalls wieder geöffnet und unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln eingerichtet. „Für Vermieter, die noch ein wenig unsicher sind, wie sie richtig verfahren, haben wir auf unserer Homepage unter ‚Vermietungsinformationen‘ einige nützliche Punkte zusammengestellt“, ergänzte Wohnrade. Die Richtlinien des Deutschen Tourismusverbandes seien ebenfalls sehr hilfreich. Natürlich stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tourismus-Service auch gerne für telefonische Auskünfte zur Verfügung. „Hier bitten wir allerdings um etwas Geduld, da wir zurzeit sehr viele Anfragen haben“, sagte der Tourismuschef.

Und auch für die Restaurants geht es nach zweimonatiger Zwangspause seit Montag wieder los. Wie Stefan Würrer vom Restaurant „Nordpol“ im Gespräch mit der HP sagte, habe er in seinem Restaurant die Hygieneregeln und Abstandsvorgaben des Landes konsequent umgesetzt. Im Außenbereich trennen Glasscheiben die einzelnen Tische, die nur vier Plätze aufweisen. Überall ist der Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen den Tischgruppen gegeben. Dazu steht auf der Terrasse eine mobile Handwaschstation mit Seifen- und Desinfektionsspender. „So wird jedem Gast die Möglichkeit geboten, sich öfter die Hände waschen zu können“, so Würrer.

Ampelschaltung auf der Toilette

Von diesen mobilen Waschtischen stehen zwei weitere im Gästebereich des Restaurants. So werde die Toilette entlastet, sagte Würrer. Auf der Toilette stellt unterdessen ein Ampelsystem sicher, dass sich nur ein Gast im Toilettenraum befindet. Wenn das Licht auf grün schaltet, ist die Toilette frei.

Sicherheit zu Corona-Zeiten hat natürlich seinen Preis. Wie Stefan Würrer sagte, könne man den „Nordpol“ nur mit vorheriger Anmeldung betreten. Am Eingang stehe die Telefonnummer, die der Gast anrufen soll. Dann komme ein Mitarbeiter an die Tür und begleitet die Gäste ins Lokal, wo sie dann platziert werden. „Der Umbau des Restaurants ist so erfolgt, dass nur noch 50 Plätze angeboten werden. Früher fanden 150 Gäste hier Platz.“ Für Stefan Würrer bedeutet das natürlich weniger Umsatz. Dieser reiche nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken, so könne er auch nicht das gesamte Personal aus der Kurzarbeit zurückholen. Aus Sicherheitsgründen hat der Gastronom das verbleibende Personal gesplittet, um bei einer möglichen Corona-Infektion noch auf eine Schicht zurückgreifen zu können. Dasselbe gelte auch für das Küchenpersonal.

Erst Sonntagabend teilte das Kieler Wirtschaftsministerium mit, dass unter Einhaltung der strengen Hygiene- und Abstandsregelungen in Restaurants doch mehr als 50 Gäste gleichzeitig bewirtet werden dürfen.

Schmerzhaft bemerkbar mache sich laut Würrer derweil der Wegfall des Fischbuffets und der Ausfall des Saalbetriebes. Familienfeiern sind nicht möglich, Reisebusse können auch nicht angenommen werden.

Die Corona-Maßnahmen der Regierung fanden unterdessen Zuspruch bei Stefan Würrer. Nur die Komplettöffnungen zu Himmelfahrt und Pfingsten seien für ihn nicht so glücklich, weil jetzt alles auf einmal komme. Würrer: „Ich hätte die Gastronomie Himmelfahrt geöffnet und die Hotels Pfingsten dazu genommen.“ Vor allen Dingen sei es wichtig, die Tagesgäste noch draußen zu lassen, „denn jetzt kommen auch die Segler und die Leute von den Campingplätzen. Die Zweitwohnungsbesitzer sind auch schon hier. Dazu kommen einige Gastronomiebetriebe, die erst im Juni öffnen.“

Den Corona-Shutdown habe man im „Nordpol“ genutzt, um den Tresenbereich umzubauen. Diese Maßnahme war schon früher beschlossen. Hier wurden 25000 Euro investiert. Wie Würrer berichtete, hätte er die Soforthilfe des Bundes in Anspruch genommen, denn sie habe geholfen, die Zeit ohne Gäste zu überleben. Die Hoffnung liege jetzt auf dem Herbst und dass sich alles wieder normalisieren werde.

„Die acht Wochen waren hart“

Wie Anabell Ramm vom Restaurant „Käppen Plambeck“ unserer Zeitung sagte, wisse man auf der einen Seite nicht, was komme, auf der anderen Seite sei der Wunsch nach etwas Normalität sehr groß. „Die acht Wochen waren hart, teilweise auch emotional. Mein Bruder Andree Ramm und ich sind froh, dass wir wieder anfangen können“, so Anabell Ramm. Auch im „Käppen Plambeck“ ist die Gästezahl vorläufig auf 50 Personen begrenzt worden, vor Corona hatte das Restaurant Platz für 120 Gäste. Am Donnerstag lief der Umbau im Restaurant und auf der Außenterrasse noch auf Hochtouren. Überall nur maximal Vierer-Tische mit dem gebührenden Abstand und dazu zwischen den Sitzgruppen Raumteiler mit Glastrennscheiben. Vor dem Restaurant gebe es einen Wartebereich für Gäste, die dürfen aber auch ohne Anmeldung ins Lokal kommen und werden im Eingangsbereich empfangen und dann vom Personal platziert. Reservierungen seien von Vorteil und für das Personal einfacher, die Zeiten zu takten. „Wir haben den Vorteil, dass wir viel Platz haben und deshalb auch großzügig die Plätze variierten können. Wir haben alle Mitarbeiter mit Mundschutz ausgestattet und haben am Sonnabend ein Team-Gespräch, um die Mitarbeiter über alle Hygienemaßnahmen zu informieren. Wir werden erst einmal starten und danach entscheiden, wie es weitergeht“, so Anabell Ramm.

Hygiene heißt im „Käppen Plambeck“ auch Verzicht auf die üblichen Speisekarten, die jetzt durch Einmal-Tischsets ersetzt wurden. Auch die Toiletten wurden umfunktioniert und ausgeschildert. Spender für Handdesinfektion gibt es auf den Toiletten, aber auch am Eingang zum Restaurant, wie auch den Hinweis, Abstand zu halten. Anabell Ramm: „Wir freuen uns alle auf den Neustart, natürlich auch unsere Mitarbeiter, die nun wieder etwas zu tun haben.“

Die Hotelappartements im „Käppen Plambeck“ sind auch ab Himmelfahrt belegt. „Jetzt hatten wir verstärkt viele Anfragen, denn die Leute freuen sich auf die Ostsee. Die Menschen verfolgen natürlich die Coronazahlen im Internet, und hier ist Ostholstein eine weiße Zone mit keinen Neuinfektionen mehr. Wenn sich alle Gäste an die Hygienemaßnamen halten, haben wir in Ostholstein gute Chancen, Corona im Griff zu behalten“, ist Anabell Ramm abschließend überzeugt.

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