Blizinski: „Man glaubt es kaum, wie viel Menschen mit Armut und Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben“

Sozialkaufhaus – eine Chance

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Stefan Tramborg (m.) hofft darauf, dass er durch seine Tätigkeit im Sozialkaufhaus, das von Vanessa Blizinski (r.) und Dietlinde Herrmann (l.) geleitet wird, wieder eine Chance auf einen festen Arbeitsplatz erhält.

HEILIGENHAFEN (hö) · „Man glaubt es kaum, wie viel Menschen mit Armut und Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben.“ Solch eine Feststellung kann nur von jemandem kommen, der tagein und tagaus mit dieser Problematik direkt konfrontiert wird. Es ist Vanessa Blizinski, die seit der Eröffnung vor fast zwei Jahren das Sozialkaufhaus in Heiligenhafen leitet.

Die allgemeine Öffentlichkeit nimmt eigentlich nur wenig Notiz von dieser Einrichtung, was wohl auch darin begründet ist, dass das Sozialkaufhaus in einer eher peripheren Lage der Stadt steht. Es ist im ehemaligen Betriebskindergarten der Ameos-Klinik gegenüber der Behindertenwerkstatt untergebracht. Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern werden hier vorwiegend Möbel, aber auch sonstige Artikel wie Textilien, Geschirr oder weitere Einrichtungsgegenstände kostengünstig angeboten.

Das Angebot sei natürlich für den Personenkreis gedacht, der es auch „wirklich braucht“, doch grundsätzlich könne jeder im Sozialkaufhaus einkaufen, so Blizinski gegenüber der HP. Allerdings hatte sie auch schon mal erlebt, dass Antiqutätenhändler sich im großen Stil im Sozialkaufhaus eindecken wollten. „Das geht natürlich nicht“, erklärte die Kaufhausleiterin.

▪ Zentraler Standort wäre optimal

Für ideal hält sie einen Kaufhausstandort im Zentrum der Stadt. Hier wäre man für die Kunden dann viel besser erreichbar. Die BQOH (Beschäftigung und Qualifizierung Ostholstein gGmbH) als Träger der Einrichtung habe schon nach größeren und zentral gelegenen Räumlichkeiten Ausschau gehalten, doch bislang nichts Geeignetes gefunden, bedauert Blizinski.

Weniger beengte Arbeitsverhältnisse würden auch Dirk Robien aus Oldenburg und Horst Andersen aus Sebent erfreuen. Sie arbeiten seit dem Frühjahr im Sozialkaufhaus und waren gestern Vormittag gerade damit beschäftigt, in einem schmalen Gang einen Schrank aufzubauen. Robien und Andersen stehen stellvertretend für die zweite große Zielsetzung, die mit dem Betrieb eines Sozialkaufhauses verfolgt wird: Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen.

15 Personen, die teilweise seit mehreren Jahren ohne festen Job sind, werden zurzeit durch Schulung, Qualifizierung und Beratung darauf vorbereitet, auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen zu können. In der Regel dauert solch eine Maßnahme etwa ein halbes Jahr. Hier stehe man mit der ARGE, mit der man gut zusammenarbeite, in engem Kontakt, erklärt Lizinski.

Der beste Fall sei natürlich, wenn ein „Teilnehmer“, wie Lizinski ihre Klienten bezeichnet, direkt vermittelt werden könne. Bei der jüngsten Maßnahme habe man etwa die Hälfte in Arbeit bringen können, freute sich die Leiterin des Kaufhauses. Für sie und auch den direkt Betroffenen, der wieder feste Arbeit gefunden hat, ein großes Erfolgserlebnis. So habe vor Kurzem einer ihrer „Teilnehmer“ erst einen Job als Paketfahrer erhalten.

Wieder eine Festanstellung wünscht sie sich beispielsweise auch für Stefan Tramborg. Der 38-jährige Einzelhandelskaufmann, seit 1999 ohne festen Job, ist im Sozialkaufhaus im Kassenbereich und für den Verkauf zuständig. Liebend gern würde er wieder eine feste Arbeit ausüben. Das Sozialkaufhaus ist für ihn möglicherweise das ideale Sprungbrett.

Geschult werden die „Teilnehmer“ in sämtlichen Bereichen, die für den Betrieb eines Kaufhauses erforderlich sind. Das reicht von der An- und Abfahrt sowie Aufbereitung und Verkauf der Möbel bis hin zur Vermittlung von PC- und Internet-Kenntnissen, denn selbstverständlich müssten die Teilnehmer solch einer Maßnahme in die Lage versetzt werden, selbst Bewerbungen zu schreiben oder auch im Internet nach Stellen zu suchen, verdeutlicht Lizinski.

Das Sozialkaufhaus in Heiligenhafen hat montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet und ist unter der Telefonnummer 04362/503250 zu erreichen.

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