Wie der „falsche“ Bürgermeister ins Fernsehen kam / Dennoch positives Fazit zu Ramsauer-Besuch

Der Stachel sitzt tief

GROSSENBRODE · Wer am 25. Juni die 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ verfolgte, dürfte nicht schlecht gestaunt haben: Großenbrode zur besten Sendezeit im Fernsehen – und dann das: „Hans-Heinrich Schröder, Bürgermeister Großenbrode“ war da während eines Beitrags zum Besuch von Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) zu lesen. Dem eigentlichen Inhaber dieses Titels, Klaus Reise (BfG), sagte das augenscheinlich nicht zu.

„Der Stachel scheint ziemlich tief zu sitzen“, konstatierte Jens Reise (CDU) das angespannte Verhältnis zwischen dem Großenbroder Bürgermeister und seinem Stellvertreter auf der Sitzung der Gemeindevertretung am Mittwoch. Denn der TV-Beitrag war wohl nur der Aufhänger, an dem sich dieser schon lange währende Zwist erneut entfacht hat.

Während Klaus Reise keinen Hehl über seinen Unmut über diesen Auftritt machte, sah Schröder die Sache freilich etwas anders: Er habe sich für nichts zu entschuldigen; das Fernseh-Team vom NDR sei auf ihn zugekommen und er habe lediglich seinen Standpunkt vor der Kamera vertreten. Den Vorwurf der bewussten Täuschung wies Schröder entschieden zurück – der ihm irrtümlich zugeschriebene Titel sei auf mangelhafte Recherche seitens des NDR zurückzuführen, er habe sich nie als Bürgermeister ausgegeben.

Ministerbesuch positiv, Auswirkungen unklar

Abgesehen von diesem medialen Ausrutscher zeigte sich der „echte“ Bürgermeister jedoch zufrieden mit dem Besuch Ramsauers: Als erster Verkehrsminister sei er tatsächlich vor Ort gewesen, um sich ein Bild von der Situation und den Problemen der Gemeinde zu machen, so Reise anerkennend. Auf die Frage, was das Treffen denn nun konkret für Großenbrode bewirkt hätte, blieb er jedoch vage: „Es ist schwer absehbar, was dabei herauskommt“, aber immerhin habe der Besuch die Bevölkerung auf die Nachteile aufmerksam gemacht, die durch die Feste Beltquerung auf das Ostseeheilbad zukämen. Auch die Tatsache, dass Großenbrode nun einen Fledermausschutzzaun erhalte und damit auch seinen Ostseeblick bewahre – was beispielsweise Heiligenhafen nicht gelungen sei – verzeichnete Klaus Reise als Erfolg für die Gemeinde.

Doch der Ärger über Schröders „Tagesschau“-Auftritt war noch nicht verraucht. Hier sei noch eine Entschuldigung fällig, so der Bürgermeister. Zwar habe auch die CDU nun endlich den Ernst der Lage erkannt, stichelte Reise, dennoch sei es an ihm gewesen, den Standpunkt Großenbrodes im Fernsehen darzulegen. Für den derart gescholtenen Kurbetriebsleiter brachen dann neben Parteikollege Jens Reise auch die FDP-Vertreter Klaus Jäcker und Dr. Karl-Uwe Baecker eine Lanze: Schröder habe einen äußerst souveränen Fernsehauftritt abgeliefert, zudem sei es letztendlich nebensächlich, wer die Aussage Großenbrodes an die Öffentlichkeit trüge. Diese Einschätzung fand auch bei den zahlreichen anwesenden Bürgern Zustimmung; anheben konnte das die sichtlich angeknackste Laune des Bürgermeisters jedoch keineswegs.

Fortschritte konnten die Gemeindevertreter bei touristischen Themen verzeichnen: Die bereits seit Langem geplante Gründung einer Lokalen Tourismusorganisation (LTO) nimmt allmählich konkrete Formen an, an diesem Abend ging es um die Kostenteilung. Der vorgelegte Finanzierungsschlüssel sieht für Großenbrode eine 20-prozentige Beteiligung am Marketingbudget der LTO vor, was einer Summe von 40 000 Euro entspricht.

Prinzipiell erklärten sich die Gemeindevertreter mit dieser Aufteilung einverstanden, Bedenken wurden jedoch gegenüber der Rolle Heiligenhafens geäußert. Da die Warderstadt aufgrund ihrer Größe und touristischer Kapazitäten über die Hälfte (55 Prozent) der LTO-Kosten trägt, fürchten die Großenbroder um ihre Souveränität. Es sei unabdingbar, eine Minoritätenregelung einzufordern, damit auch die minderheitlich beteiligten Gemeinden (neben Großenbrode die Gemeinden Gremersdorf, Neukirchen, Heringsdorf, Wangels sowie die Stadt Oldenburg) ein ausreichendes Mitspracherecht bekämen, so Schröder. „Was hat es für einen Sinn, einer solchen Gesellschaft beizutreten, wenn man da nichts zu sagen hat?“, brachte es der Christdemokrat auf den Punkt, woraufhin ein entsprechender Zusatz eingefügt wurde.

Auch mit der Umwandlung des Kurbetriebes in eine Tourismus-GmbH schlagen sich die Großenbroder schon eine ganze Weile herum – doch auch hier ist allmählich ein Ende in Sicht. Mit einem Beschluss, den Jens Reise als „historische Chance“ bezeichnete, sollte der Wandel nun endlich perfekt gemacht werden. Doch auch hier stolperte man über Formulierungen: Eine rückwirkende Gründung zum 1. Januar 2011 sei – entgegen der Textvorlage – rechtlich nicht möglich. Nach einigem Hin und Her einigte man sich auf einen Grundsatzbeschluss ohne Datumsangabe, um den gesetzlichen Rahmen in jedem Fall einzuhalten. Wichtiger als das eigentliche Datum, warf Jäcker ein, sei es ohnehin, den richtigen Mann für die Leitung dieser GmbH zu finden. · wob

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.