Kuno Brandt und Marcus Schmidt in der Weidestraße in Heiligenhafen.
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Bürgermeister Kuno Brandt (l.) und Stadtbautechniker Marcus Schmidt am fertiggestellten Straßenabschnitt in der Weidestraße.

Stadtverwaltung sieht Abwassersystem auf dem richtigen Weg

Heiligenhafen ist gegen Hochwasser gut gewappnet

  • Peter Foth
    VonPeter Foth
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Die Nachrichten aus den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ließen viele mit Entsetzen zurück. Auch die Stadtverwaltung Heiligenhafen macht sich Gedanken, wie mit künftigen Extremwetterereignissen umzugehen ist.

  • Das Regenwassernetz wird in Heiligenhafen zurzeit ausgebaut.
  • Heiligenhafen habe laut Bürgermeister Kuno Brandt einen sehr guten Hochwasserschutz zur Ostsee hin.
  • Im Hafenbereich ist das Niederschlagswassersystem grundlegend erneuert worden.

Heiligenhafen – Die schrecklichen Bilder von der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal sind allgegenwärtig. Doch könnte so ein Szenario wie in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auch Heiligenhafen treffen? Das fragte die HP nun Bauamtsleiter Roland Pfündl und Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos). Viele Heiligenhafener erinnern sich noch an die Bilder, als der Wilhelmsplatz knietief unter Wasser stand. Bei einem Starkregenereignis wie an der Ahr könnte die Straße Am Wachtelberg auch zu einem Flüsschen anschwellen und die Wassermassen abwärts zum Hafen transportieren.

Der Hochwasserschutz in Heiligenhafen sei gewährleistet, und das Regenwassernetz werde zurzeit ausgebaut, sodass die Warderstadt auch bei Starkregen nicht gefährdet sei, sagte Bauamtsleiter Roland Pfündl. Die Ereignisse, wie sie an der Ahr auftraten, hätten mit der Aufgabenstellung, die man in Heiligenhafen lösen müsse, nichts zu tun. Das seien Gewässer, die in ihrem Bereich ein riesengroßes Einzugsgebiet haben und die einem langanhaltenden Starkregen ausgesetzt waren. Dazu kämen die Tallagen, die dem Wasser keine Abflussmöglichkeiten bieten, erklärte Roland Pfündl.

Bürgermeister Kuno Brandt bestätigte auf die Nachfrage unserer Zeitung, dass die Warderstadt einen sehr guten Hochwasserschutz zur Ostsee hin habe. In Heiligenhafen könnten die Fluttore zum Binnensee geschlossen werden, so bleibe die Altstadt trocken. Hinzu kämen mobile Schutzwände, die teilweise schon rechtzeitig vor der Sturmsaison eingesetzt werden, so Brandt weiter. Bei Hochwasser aus Richtung Ostsee sei Heiligenhafen gut gerüstet.

Wassersystem am Hafen grundlegend erneuert

Wie Roland Pfündl ausführt, sei im Hafenbereich das Niederschlagswassersystem grundlegend erneuert worden. Kleinere Rohre seien hier durch größere mit mehr Leistungsfähigkeit ersetzt worden, die alle gebündelt im Hafenbereich in große Sammelschächte münden, sodass bei normalem Wasserstand der Ostsee das Regenwasser ins Hafenbecken laufen würde. Bei einem Ostseehochwasser würden die Sammelschächte geschlossen, dann sorge eine Hochleistungspumpe, die auf dem Bauhof gelagert ist, dafür, dass die Wassermassen über den Hochwasserschutz im Hafen in die Ostsee gepumpt werden, beschrieb der Baumamtsleiter die Situation.

In der Straße Am Wachtelberg hat der erste Bauabschnitt begonnen. Architekt Stephan Müller (v.l.), Bauamtsleiter Roland Pfündl und Praktikant Jonas Genz begutachten den Baufortschritt.

Wie Roland Pfündl zudem deutlich machte, würden auch beim Zusammentreffen einer Sturmflut und einem massiven Niederschlagereignis der Wilhelmsplatz und die Altstadt trocken bleiben. Zurzeit laufen Bauarbeiten in der Straße Am Wachtelberg, wo neue und größere Rohre für das Regenwassersystem verlegt werden. In der Schulstraße und Weidestraße seien die Arbeiten schon abgeschlossen, hier wurden die vorhandenen kleineren Rohre durch erheblich größere Rohre ersetzt. So werde die Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches ertüchtigt. Insgesamt müssten 16 Kilometer Regenwasserkanal in den nächsten zehn Jahren erneuert werden, sagte Bauamtsleiter Roland Pfündl.

Heiligenhafen hat neun Rückhaltebecken

Ein zweiter wichtiger Faktor sei die Pflege der neun Regenrückhaltebecken im Stadtgebiet, die es in den oberen Bereichen ermöglichen, bei Starkregen Wasser aufzunehmen und zeitversetzt wieder abzugeben. Um das Volumen zu erhalten, müssten viele Regenrückhaltebecken entschlammt werden. Das allein werde zwischen 500000 Euro und 600000 Euro kosten. Auch der Stadtteich sei ein Rückhaltebecken, und auch am Neuratjensdorfer Weg sowie in den Neubaugebieten seien Rückhaltebecken vorhanden. Auch in Ortmühle gäbe es am Ortseingang so ein Becken, das dringend entschlammt werden müsse, sagte Pfündl. Zudem müssten alle zukünftigen Neubauvorhaben wie am Höhenweg Regenrückhaltebecken berücksichtigen. Allein die Maßnahme Am Wachtelberg werde rund 1,2 Millionen Euro kosten, so der Bauamtsleiter.

Pfündl: „Wir als Stadt lassen es nicht zu, Flächen zu versiegeln, ohne ein Rückhaltesystem zu schaffen.“ Auch private Bauherren wie bei der Wohnanlage am Lütjenburger Weg müssten dafür Sorge tragen, dass das Oberflächenwasser ungehindert abfließen könne, fuhr Pfündl fort. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er, machte aber gleichzeitig deutlich, dass so ein Jahrhundertereignis wie es in den Hochwassergebieten geschehen ist, nicht vorhersehbar sei. Auf diese extremen Belastungen könne das Kanalsystem einer Kommune nicht ausgelegt werden. Für die Kommunen gäbe es Verpflichtungsdimensionen, und die würden in Heiligenhafen umgesetzt, so der Bauamtsleiter gegenüber unserer Zeitung.

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