Dr. Schwarzer: Kein Bauwerk ist in der Lage, Strand zu produzieren – Stadtvertreter entscheiden

Strand nur durch Rücklagen

Einen hervorragenden Vortrag hielt Dr. Klaus Schwarzer von der Christian-Albrecht Universität (stehend) beim Fachgespräch Buhnenbau am Donnerstag im Gillhus. Zur Expertenrunde gehörten auch Michael Heinrichs und Hans-Otto Boysen (ALR), Dipl. Ing. Pülsch vom Planungsbüro Wald und Kunath sowie Bauamtleiter Jürgen Bahr (v.l.).

Von Peter Foth HEILIGENHAFEN • Für viele Entscheidungsträger in Heiligenhafen hat das „Fachgespräch Buhnenbau“, zum dem Bürgermeister Heiko Müller am Donnerstag Wasserbauer, Geologen, Küstenschützer und Fachleute aus dem Amt für ländliche Räume (ALR) ins Gillhus eingeladen hatte, wahrscheinlich nicht das gebracht, was sich die Zuhörer versprochen hatten.

Noch immer ist die Frage offen, ob die vorhandenen Steinbuhnen den Strand besser schützen können als durchlässige Holzpfahlbuhnen. Nach dem hervorragenden Einführungsvortrag von Dr. Klaus Schwarzer vom „Geologischen Paläontologischen Institut“ der Christian-Albrecht-Universität in Kiel muss jedoch jedem der Gäste im Saal klar geworden sein, dass „kein Bauwerk in der Lage ist, Sand zu produzieren“.

Bürgermeister Heiko Müller dankte in seinen einleitenden Worten den Experten, die zum Fachgespräch nach Heiligenhafen gekommen waren. Heiko Müller: „Wir wollen verhindern, dass sich Schäden, wie beim November-Hochwasser 2006 wiederholen.“ Damals hatte das Wasser eine Höhe von ca. 1,6 Meter über NN erreicht und weite Teile des Gras- und Steinwaders überflutet. Die Stadt hatte darauf hin 608 000 Euro ausgegeben um in Dänemark 500 000 Kubikmeter Sand zu kaufen.

Sehr anschauend machte Dr. Klaus Schwarzer deutlich, dass die Erde noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Wo heute Heiligenhafen liegt, befand sich noch vor 18 000 Jahren ein dicker Eispanzer. Wenn heute zu beobachten sei, wie sich Skandinavien anhebe, müsse man auch zur Kenntnis nehmen, dass sich der südliche Festlandsockel und damit die südliche Ostseeküste pro Jahrhundert um 20 Zentimeter senke. Sandaufspülungen könnten diesen Prozess nur hinauszögern. Steige der Meeresspiegel dazu um einen Zentimeter, so bedeute das einen Küstenrückgang von einem Meter. Beste Zeitzeugen für die Veränderung der Küste vor Heiligenhafen seien die Warder.

"Hensen-Buhne behindert Sedimenttransport"

Um 1450 entstanden, seien der Stein- und der Graswarder erst 1950 zusammengewachsen. Den Kliffrückgang an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste habe man geologisch seit 1847 erfasst.

Neu für die Stadtvertreter und geladenen Gäste war sicher auch die wissenschaftlich belegte Tatsache, dass der Sedimenttransport nicht nur von der Steilküste ausgehe, sondern zu 50 Prozent auch den Strömungsverhältnissen in der Ostsee zuzuordnen sei. Durch die „Hensen-Buhne“ vor dem Seepark, die weit in die See hinausrage, werde der Sedimenttransport von der Küste des Steinwarder abgedrängt und treffe vereint mit Sandmaterial vom Meeresboden auf den Graswarder, dessen Spitze immer länger werde.

Wenn man hört, dass die Naturgewalten die Küste vor Heiligenhafen abbauen und Strandaufspülung diesen Prozess verlangsamen, könnte man doch annehmen, dass es doch Küstenschutzmaßnahmen sind, die Heiligenhafen mit der Sandaufspülung vorgenommen hat. Das sahen die Vertreter des ALR aber anders, indem sie erklärten, Sandaufspülungen, die für eine Verbesserung des Badestrandes sorgen, fallen nicht in den Küstenschutz und werden nicht bezuschusst. Buhnen werden vom Land nur finanziert, wenn sie 100 Prozent dem Küstenschutz dienen, sagte Hans-Otto Boysen vom ALR.

Während die Wasserbauer Pülsch und Wald vom Ingenieurbüro Wald und Kunath, die Steinbuhnen vor dem Graswarder als optimale Lösung zur Strandsicherung ansahen, die 15 Jahre lang mit Erfolg den Strand gehalten haben, zeigte der Wasserbauer Bernd Opfermann aus Hamburg Erfolge auf, die mit durchlässigen Holzbuhnen erreicht wurden. Überhaupt war Dipl.- Ing. Bernd Opfermann die Überraschung bei diesem Fachgespräch, nachdem Dr. Jürgen Neve einen sehr „dünnen“ Vortrag gehalten hatte. Opfermann tendierte zur Holzpfahlbuhne, weil diese sich besser steuern lasse. Leeerosionen, wie sie bei Steinbuhnen zu beobachten seien, würden hier nicht auftreten. Alle Experten waren sich jedoch einig, dass der Strand vom Sedimenttransport vor der Küste nicht profitieren könne.

Über Landzuwächse kann sich das Naturschutzgebiet Graswarder freuen. Die Sandmassen, die hier angespült werden, fallen dem Naturschutzgebiet zu, erklärte der Sprecher des ALR. Bei ca. acht Meter pro Jahr eine rasende Entwicklung.

In der anschließenden Diskussion machte Olaf Eggers deutlich, dass man flach auslaufende Unterwasserterrassen brauche, damit die Welle sich frühzeitig breche und nicht mit voller Kraft auf die Düne treffe. Durchlässige Buhnen schaffen einen flachen Strand und eben diese Unterwasserterrassen an dem sich die Welle brechen könne. Darüber hinaus werde der Sägezahneffekt der Steinbuhne verhindert. Auch Jan Rohde sah Vorteile in der durchlässigen Buhne, machte aber nach den gehörten Ausführungen der Expertenrunde die Feststellung, dass Heiligenhafen mit Strandaufspülungen leben müsse. Der Vorschlag von Bernd Opfermann, ein Rücklagekonto zu bilden, weil Strandaufspülungen vor dem Steinwarder weiter notwendig sein werden, haben die Heiligenhafener registriert.

Die Frage von Jan Rohde, ob ein Rückbau der Nase am Seepark den Sedimenttransport wieder in Küstennähe bringen könnte, sah Dr. Klaus Schwarzer positiv. Ein Zurückspülen des Sandes von der Graswarderspitze zum Strand, wie es Helga Wiedersich anregte, werde wegen des Naturschutzes auf Schwierigkeiten stoßen.

Wie der Wasserbauer Bernd Opfermann betonte, habe das Oberbergamt nur wenige Sandentnahmestellen in der Ostsee zugelassen. Auch das ALR bezeichnete es als ein schwieriges Exempel in der deutschen Ostsee noch Sand zu entnehmen. Wenn der Sand dann auch nicht mehr aus Dänemark kommen kann, wo soll Heiligenhafen dann in Zukunft noch seinen Strand herbekommen ?

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