Betrügerbanden setzen Senioren am Telefon unter Druck und nehmen dabei keinerlei Rücksicht.
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Betrügerbanden setzen Senioren am Telefon unter Druck und nehmen dabei keinerlei Rücksicht.

Fünfstellige Summe: 83 Jahre alte Großenbroderin wurde von einem Schockanrufer überrumpelt

  • Patrick Rahlf
    VonPatrick Rahlf
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Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag (23. und 24. Februar) kam es insbesondere im nördlichen Ostholstein wiederholt zu sogenannten Schockanrufen.

Großenbrode – „Die Anrufer kontaktierten in den bekannt gewordenen Fällen ältere Personen über ihre Festnetzanschlüsse und gaben sich als Polizeibeamte oder Staatsanwälte aus. Im Gespräch täuschten diese falschen Amtsträger vor, dass ein naher Angehöriger oder Bekannter einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hätte und in Untersuchungshaft sitze. Eine Kaution könne die Freilassung bewirken“, teilte die Polizeidirektion Lübeck am Freitag mit. 

Mindestens sieben Fälle derartiger Schockanrufe sind am Donnerstag bei der Polizei angezeigt worden. Die Angerufenen reagierten vornehmlich richtig, indem sie sich skeptisch zeigten, das Telefonat beendeten und sich an ihre Polizeidienststelle wandten. „In einem Fall konnten die unbekannten Täter jedoch eine fünfstellige Bargeldsumme erbeuten“, erklärten die Beamten. 

Am frühen Mittwochnachmittag nahm eine 83-jährige Frau aus Großenbrode einen Telefonanruf entgegen. Eine männliche Stimme stellte sich als Polizeibeamter aus Lübeck vor und gab der Geschädigten bekannt, dass ihre Freundin eine rote Ampel missachtet und eine Frau angefahren hätte. Diese sei dadurch tödlich verletzt worden. Die Unfallfahrerin hätte die 83-Jährige namentlich benannt, um ihr in Form einer Kautionszahlung zu helfen.

Nachdem die Geschädigte dem Anrufer ihre Hilfe zusicherte, legte der Mann, der sich nun als Oberstaatsanwalt ausgab, den Kautionsbetrag fest. Bis zur Abholung der Summe sollte die Geschädigte niemanden über das Gespräch informieren. Am Morgen des Folgetages wurde die Seniorin erneut telefonisch kontaktiert und eine Abholung an der Wohnanschrift des Opfers vereinbart, wo das Geld schließlich an einen jungen Mann ausgehändigt wurde. „Dieser war etwa 25 Jahre alt, hatte dunkles Haar, einen ungepflegten Bart und trug dunkle Kleidung. Auffällig sei ein Handy gewesen, das er durchweg am Ohr hielt“, heißt es von der Polizei. 

Die Kriminalpolizeistelle Oldenburg ermittelt nun wegen des Verdachts des Betruges und sucht in diesem Zusammenhang Zeugen, die am 24. Februar in der Zeit zwischen 10.45 Uhr und 11.15 Uhr in der Straße Am Süderfeld verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Hinweise werden unter der Rufnummer 0436110550 oder per E-Mail an Oldenburg.KPSt@polizei.landsh.de entgegengenommen.

Die Polizei gibt wiederholt folgende Verhaltenshinweise:

– Seien Sie grundsätzlich skeptisch gegenüber fremden Personen am Telefon. 

– Lassen Sie sich den vollständigen Namen des anrufenden Polizisten oder Staatsanwaltes sowie dessen Dienstort und Rückrufnummer geben und legen dann auf. Im Zweifel kontaktieren Sie die Polizei über 110 oder die nächstgelegene Dienststelle und hinterfragen dort den Anruf.

– Geben Sie am Telefon keine Auskünfte über persönliche Lebensverhältnisse, persönliche Daten oder Ihre finanzielle Situation.

– Die Polizei verlangt am Telefon niemals Überweisungen auf ein Konto oder die Übergabe von Bargeld.

Weitere Informationen gibt es auch unter www.polizei-beratung.de.   

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