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Tourismus, Bauen und Wohnraum: SPD diskutiert mit HVB-Chef Joachim Gabriel

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Von: Hans-Jörg Meckes

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HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel
HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel stand den SPD-Mitgliedern in Heiligenhafen als Gast der mitgliederoffenen Vorstandssitzung Rede und Antwort. © Hans-Jörg Meckes

Der SPD-Ortsverein in Heiligenhafen will das Vereinsleben unter den Mitgliedern wieder beleben und mehr über die kommunale Politik diskutieren. Mit dem HVB-Vorsitzenden Joachim Gabriel diskutierten die Mitglieder über Tourismus und Wohnraum.

Heiligenhafen – Der neue Vorstand des SPD-Ortsvereins in Heiligenhafen möchte die Diskussionskultur unter den Mitgliedern wieder beleben. Dazu hat Vereinsvorsitzende Monika Rübenkamp zu einer mitgliederoffenen Vorstandssitzung ins Restaurant „Nordpol“ eingeladen, um über aktuelle kommunalpolitische Themen zu diskutieren. Als Gast war der Vorsitzende der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB), Joachim Gabriel, eingeladen, der den SPD-Mitgliedern Rede und Antwort stand. „Als Motor der HVB setzt Herr Gabriel vieles in Heiligenhafen um“, sagte Rübenkamp. Deshalb wolle die SPD mit ihm über die Themen Bauen, Stadtwerke und Tourismus diskutieren, für die auch die HVB mit verantwortlich sind.

Mitgliederoffene Vorstandssitzung des SPD-Ortsvereins in Heiligenhafen
Der Vorstand des SPD-Ortsvereins in Heiligenhafen um die Vorsitzende Monika Rübenkamp lud zur mitgliederoffenen Vorstandssitzung in das Restaurant „Nordpol“ ein. © Hans-Jörg Meckes

So stieß Rübenkamp zunächst das Thema um den bezahlbaren Wohnraum an. Ein zentrales Problem von Heiligenhafen sei, dass viele Einheimische aus dem Ort verdrängt werden, weil sie sich den Wohnraum aufgrund hoher Preise nicht mehr leisten können, leitete Gabriel ein. „Es gibt einen hohen Bedarf an Wohnungen im unteren Preissegment.“ Der HVB-Geschäftsführer leitet auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft Heiligenhafen Wohnen GmbH & Co. KG, die gerade ihr erstes Projekt an der Ina-Seidel-Straße umsetzen will. Hier entstehen insgesamt 38 Wohnungen in zwei Gebäuden (die HP berichtete). Zwölf davon seien geförderte Wohnungen, die zu geringeren Preisen vermietet würden, so Gabriel weiter. Er geht bis jetzt davon aus, dass Ende des Jahres mit dem Bau begonnen wird. „Das Ziel muss sein, dass die, die in Heiligenhafen arbeiten, auch hier wohnen können.“ Der Vorteil bei diesem Projekt sei, dass diese 38 Wohnungen niemals Zweitwohnungen werden können, betonte der HVB-Geschäftsführer.

Nachhaltiges Heizen mit Holzpellets

Als weiteres Thema sprach Rübenkamp das nachhaltige Bauen an. Sie wollte wissen, was das konkret für Projekte wie dieses bedeute. „Dort werden künftig KfW-55-Häuser gebaut. Zum nachhaltigen Heizen sollen Holzpellets verbrannt werden, die in Tanks eingeblasen werden“, erklärte Gabriel. Auch eine Photovoltaikanlage sei vorgesehen. Mit der Nachfrage bei erneuerbaren Energien sei er als Leiter der Stadtwerke Heiligenhafen zurzeit sehr zufrieden, denn „die Zahl der Abnahmestellen steigt stetig weiter“. Als Entwicklungshelfer liefern die Stadtwerke Eutin den Stadtwerken Heiligenhafen Strom und Gas zu vorher vereinbarten Preisen. Deshalb gebe es auch unterschiedliche Preise für Bestandskunden und Neukunden, da alles, was kurzfristig eingekauft werden muss, teurer sei. Zudem verkaufen die Stadtwerke auch Öko-Gas, bei dem der CO2-Anteil durch Klimaschutzprojekte kompensiert werde, verdeutlichte der Geschäftsführer.

Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Was wollen wir? Wollen die Menschen überhaupt noch Tourismus?

HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel

Auch zum Tourismus und wie dieser künftig in Heiligenhafen geplant werden kann, stellte die SPD Fragen. Rübenkamp sprach dabei auch den Bürgerentscheid aus dem Februar 2021 an, bei dem sich die Mehrheit gegen ein neues Schwimmbad und Hotel auf dem Steinwarder entschieden hatte. „Es hat viele Stimmen gegen mehr Tourismus gegeben, viele haben sich dazu geäußert“, so die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins. Die Brüche in der Vergangenheit wie etwa der Abzug der Bundeswehr aus Großenbrode haben Heiligenhafen viele Einwohner gekostet, so Gabriel. Aktuell stehe die Warderstadt mit dem Einbruch der Fischerei vor der nächsten Herausforderung. „Heiligenhafen ist naturräumlich begünstigt“, betonte er und führte weiter aus, dass der Flächennutzungsplan zum damals geplanten Schwimmbad bereits vor zehn Jahren erschien. Viele der Gegner seien damals wahrscheinlich noch nicht in Heiligenhafen gewesen, vermutete er. Vieles, was im Tourismus geplant werde, werde getan, um Arbeitsplätze zu schaffen, um den Ort am Leben zu halten, so Gabriel weiter. Er habe selbst nicht den Eindruck, dass man bei Heiligenhafen von „Overtourism“ sprechen könne.

Wie viel Tourismus will Heiligenhafen?

Er erkenne es an, dass sich vor einem Jahr Zweidrittel eindeutig gegen eine weitere Bebauung des Steinwarders ausgesprochen haben. „Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Was wollen wir? Wollen die Menschen überhaupt noch Tourismus?“ Um das herauszufinden, brachte Gabriel ein Modell zu einer Zukunftswerkstatt ein, die von Moderatoren geleitet wird und in deren Rahmen 30 bis 80 Personen aus allen Gruppen der Warderstadt eingeladen werden. „Dabei kann jeder sagen, wo er den Tourismus sieht. Das wird alles ein offener Prozess und auch in der Öffentlichkeit kommuniziert.“ Am Ende gebe es ein Ergebnis, mit dem die Stadtverantwortlichen umgehen können, so der HVB-Geschäftsführer. „Die Politik muss daraus Maßnahmen ableiten.“

Die mitgliederoffene Vorstandssitzung der SPD

Der neue Vorstand des SPD-Ortsvereins in Heiligenhafen lädt ab jetzt wieder jeden dritten Dienstag im Monat zu einer mitgliederoffenen Vorstandssitzung ein. Dort soll – wenn möglich – auch immer ein Gast eingeladen werden, mit dem über aktuelle politische Themen in Heiligenhafen diskutiert wird. Für die Sitzungen wurde bis jetzt das Restaurant „Nordpol“ ausgesucht, in dem sich um 19 Uhr getroffen wird. Es müsse jedoch immer wieder neu abgestimmt werden, ob die Sitzungen dort stattfinden können. Über Treffpunkt und Uhrzeit informiert die SPD vorher. Die Termine werden auch in der Heiligenhafener Post angekündigt.

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