Der Hauptstrand von Heiligenhafen im Sommer 2020
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Der Hauptstrand von Heiligenhafen war auch im Corona-Sommer 2020 beliebt wie eh und je.

Branche bleibt in Schockstarre

Tourismus: Heiligenhafen konnte zweifachen Lockdown nicht vollständig ausgleichen

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Die Tourismussaison 2020 war für Heiligenhafen ein Auf und Ab. Doch der zweite Corona-Lockdown sorgte dafür, dass die wirtschaftlichen Zahlen aus 2019 nicht mehr erreicht wurden.

  • Gästezahlen sanken mit erstem Corona-Lockdown im März 2020 stark ab.
  • Ende Juni bis Anfang Oktober 2020 war für den Tourismus die beste Phase.
  • Mit einem normalen Reisegeschäft wird dieses Jahr frühestens ab September gerechnet.

Heiligenhafen – 2020 war für den Tourismus eine Achterbahnfahrt. Deuteten die Zeichen Anfang des vergangenen Jahres klar auf ein weiteres Rekordjahr für Heiligenhafen und die schleswig-holsteinische Ostseeküste, stufte am 11. März die Weltgesundheitsorganisation die Covid-19-Erkrankung als Pandemie ein. Keine Woche später wurde der Tourismus komplett runtergefahren. Zwei Monate später wurde wieder geöffnet – Himmelfahrt und Pfingsten folgten und mit den Feiertagen ein Boom, der sich über den Sommer fortsetzte, und den sich die Touristiker für 2020 gar nicht mehr vorzustellen vermochten.

Ein Jahr mit vielen Tiefen und ein paar Höhen

„Ein Jahr mit vielen Tiefen und ein paar Höhen“, das bestimmt gewesen sei von Verordnungen aus Kiel, die teilweise im Zwei-Tage-Rhythmus umzusetzen waren, fasst es Heiligenhafens Tourismuschef Manfred Wohnrade zusammen. Nachdem Anreisen und Übernachtungen in den ersten zwei Monaten des Jahres deutlich über zehn Prozent gegenüber 2019 angestiegen waren, sackten die Gästezahlen mit dem Lockdown ab März rapide ab. Reisten 2019 im April 18116 Personen an und buchten 73625 Übernachtungen, waren es ein Jahr später 19 Anreisen. Im Mai erfolgte eine langsame Erholung – aber immer noch rund ein Drittel unterhalb der Zahlen aus 2019.

Ab Juni bis in den Oktober hinein machte Heiligenhafen verlorenen Boden gut – überflügelte sogar (bis auf Juni) das Vorjahr zum Teil deutlich. Ende Oktober wurden touristische Übernachtungen wieder verboten. Buchungen habe man wieder absagen müssen – wie schon im März, erinnert sich Wohnrade. „Die Leute waren geduldig.“ Tritt der Tourismus-Service Heiligenhafen doch auch als Vermittler von Unterkünften auf.

Auf Fehmarn retteten die Campingplätze die Tourismusbilanz

Seither verharrt ein ganze Branche wieder in Schockstarre. Ende noch offen. „Leider haben wir es durch den erneuten Lockdown nicht geschafft, die Zahlen aus 2019 noch zu erreichen“, kommentiert Wohnrade. Das Ergebnis sei aber trotzdem zufriedenstellend. Auf Fehmarn retteten übrigens die Campingplätze die Tourismus-Bilanz, die allein zwölf Prozent mehr Übernachtungen über das gesamte Jahr verzeichnen konnten als in 2019.

Auf knapp 160000 Anreisen brachte es Heiligenhafen im ersten Corona-Jahr. 2019 waren es über 190000. Bei den Übernachtungen ist der Unterschied nicht so deutlich: 2019 fast 885000, im letzten Jahr immerhin über 800000. Klar wird: Die Urlauber sind länger geblieben als noch 2019.

Gästeboom wegen eingeschränkter Reisemöglichkeiten ins Ausland

Der Gästeboom in den Sommermonaten habe natürlich mit den eingeschränkten Reisemöglichkeiten zu tun gehabt, so Wohnrade. „Viele Menschen haben uns besucht, die sonst in südliche Gefilde gereist wären“, vermutet der Heiligenhafener und ist sich sicher: „Das wird sich 2022 wieder stabilisieren.“

Der Boom begeisterte – wie sollte es als Touristiker auch anders sein. Dennoch hätten Vermieter, Gastronomen, Einzelhändler und auch der Tourismus-Service Heiligenhafen alle Hände voll zu tun gehabt, auf Abstandsregeln und die Umsetzung der Vorschriften zu achten. „Es ist nicht so, dass wir vorher keine Hygiene kannten – aber da waren schon spannende Dinge dabei“, sagt der Tourismuschef.

Große Events wird es auch in Zukunft geben

Ein richtungsweisendes Datum ist für Wohnrade der morgige Dienstag (19. Januar), wenn die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin wieder zusammenkommen, um für das weitere Vorgehen in der Pandemie einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das Treffen wurde um eine Woche vorgezogen. Die Hoffnung, dass ab Februar im Tourismus wieder gelockert werde, habe er nicht mehr. „Danach sieht es einfach nicht aus, und damit müssen wir umgehen.“

„Große Events werden auch zukünftig einen Platz bei uns haben.“

Heiligenhafens Tourismuschef Manfred Wohnrade

Von einem normalen Reisegeschäft geht der oberste Touristiker der Warderstadt erst frühstens ab September aus. Großveranstaltungen seien bis dahin kaum vorstellbar. Generell aufs Abstellgleis sollen sie aber nicht: „Wir sind diesbezüglich sensibler geworden, aber große Events werden auch zukünftig einen Platz bei uns haben – immer angepasst an unsere Zielgruppen.“ 

Weiter in die Zukunft geblickt, sieht Wohnrade Heiligenhafen gut aufgestellt. „Wir sind in aller Munde und werden uns auch zukünftig größter Beliebtheit erfreuen“, zeichnet der Touristiker ein zuversichtliches Bild für die Zeit nach der Pandemie.

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