Experte für Buhnenbau auf Steinwarder

Unbegrenzter Schutz ist nicht möglich

In Höhe der „Blauen Villa“ ist die Düne auf der Nordseite des Graswarders abgetragen. Die Sturmflut am 2. November 2006 spülte den Sand bis auf die Südseite auf das NABU-Gelände.

Von Andreas HöppnerHEILIGENHAFEN • Zentrales Thema auf der Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses der Stadtvertretung Heiligenhafen war der Küstenschutz. Nach der Sturmflut in der Nacht zum 2.

November und den entstandenen Schäden ein sensibles Thema. Die Kernaussage von Dipl.-Ing. Wolfgang Wald, der den Ausschussmitgliedern eine erste Bestandsaufnahme präsentierte: „Für Heiligenhafen wird es keinen unbegrenzten Hochwasserschutz geben.“

Trotzdem könne einiges getan werden, erklärte der Experte. So habe sich die Küstenschutzanlage von der Eichholzniederung bis zum DLRG-Hauptgebäude bewährt. Anzustreben sei jetzt eine Verlängerung in östliche Richtung. Besonders gefährdet seien aber auch Ortmühle und Strandhusen. Ein Ortstermin mit Vertretern des Amtes für Ländliche Räume ist für Montag (4. Dezember)  vorgesehen.

Chance auf bis zu 90-prozentige Förderung

Wald prognostiziert für die Schadensbeseitigung und die Verlängerung der Dünenfußsicherung auf dem Steinwarder Kosten in Höhe von rund 600000 Euro, wobei er andeutete, dass eine 80- bis 90-prozentige Förderung möglich sei, wenn das Land die Dringlichkeit der Maßnahme sehe.

In Sachen Wiederherstellung des Strandes auf dem Steinwarder sei laut Wald eine Strandaufspülung nur in Verbindung mit dem Bau von Buhnen sinnvoll. Durch diese Bauwerke würde sich die Verweildauer das Sandes wesentlich verlängern. Wald verwies auf das Beispiel Sierksdorf/ Scharbeutz, wo nach einer   ersten Aufspülung und dem Bau von Buhnen neun Jahre nicht aufgespült werden muss-te. Das Material, so Wald, sei relativ kostengünstig (0,62 Euro/m3) in Dänemark zu beschaffen. 60000 m3 Sand wären für eine Wiederherstellung des Strandes aber schon erforderlich, erklärte der Wasserbauexperte.

Hält Wald bei den Maßnahmen auf dem Steinwarder eine Förderung durch das Land noch für möglich (nicht für die Strandaufspülung), liegen die Chancen für den Graswarder bei null. Bei den verantwortlichen Stellen habe er bislang immer die Auskunft erhalten, dass der Küstenschutz auf dem Graswarder „nicht im öffentlichen Interesse“ liege.

Rohde: Yachthafen durch Sand bedroht

Das sehen nicht nur die direkt betroffenen Hauseigentümer auf dem Graswarder anders, auch Jan Rohde (CDU) wies darauf hin, dass eine Dünenfußsicherung östlich des „Gill-Hus“ erforderlich sei. So bestehe die Gefahr, dass beim nächsten größeren Sturm und einem entsprechenden Hochwasser der Sand ungehindert in den „Fünf-Sterne-Yachthafen“  gespült und dieser an-schließend mit hohem finanziellen Aufwand wieder ausgebaggert werden müsste. Zudem sei auf dem Graswarder in Höhe der „Blauen Villa“ die Düne komplett weggespült, sodass bei einem kräftigen Nordweststurm möglicherweise die Wellen unge- bremst auf Ortmühle zulaufen könnten.

Den Graswarder sozusagen der Natur zu überlassen, den Steinwarder jedoch zu schützen, bewertet Klaus Hillgruber, Eigentümer von Graswarder 13, als „Enteignung der Anlieger durch die öffentliche Hand“, was er dem Bürgermeister auch in einem Schreiben an die Stadt Heiligenhafen mitgeteilt hat. Gegenüber der HP verdeutlichte Hillgruber seine Forderung nach einer Wiederherstellung der Düne auf dem Graswarder sowie eine anschließende Sicherung der Maßnahme durch Steinlagen und der Erneuerung der Buhnen. Hillgruber ist überzeugt, dass der durch die Strömung bedingte parallel zum Graswarder verlaufende Sandtransport vom Hohen Ufer zur Graswarderspitze durch Buhnen unterbrochen werden kann.

Wichtige Aufschlüsse über das weitere Vorgehen in Sachen Küstenschutz erhoffen sich Bürgermeister Heiko Müller sowie die Stadtvertreter vom Besuch der Vertreter des Landes am kommenden Montag. Die ersten Pläne des Ingenieurbüros Wald & Kunath liegen bereits in der Schublade, über eine Auftragserteilung entscheidet jedoch die Stadtvertretung.

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