Steinwarder-Unfall mit Todesfolge: 21-Jährige wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Unfallfahrerin schuldig gesprochen

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Rund vier Stunden hat die gestrige Verhandlung in Oldenburg gedauert.

OLDENB./HEILIGENH. -ra- Im Prozess um den Tod der neunjährigen Leni aus Brandenburg ist die 21 Jahre alte Unfallfahrerin gestern Mittag wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Das Amtsgericht Oldenburg verhängte eine Verwarnung mit Strafvorbehalt (80 Tagessätze à 50 Euro), was einer Geldstrafe auf Bewährung entspricht. Zusätzlich muss die junge Frau 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung spenden. Das verunglückte Mädchen war am Himmelfahrtstag des vergangenen Jahres auf dem Heiligenhafener Steinwarder auf Höhe der neuen Parkplätze von einem Auto erfasst worden und gestorben.

Nach Auffassung von Jugendrichter Thore Böttger hätte die Unfallfahrerin aus Hamburg, die gemeinsam mit Freundinnen über Himmelfahrt ein paar unbeschwerte Tage in Heiligenhafen verbringen wollte, die Situation anders einschätzen müssen. „Sie hat eine Gruppe Menschen am Straßenrand erkannt und auch gesehen, dass Kinder darunter waren. Somit handelt es sich um eine unklare Verkehrslage, die erfordert, dass das erlaubte Tempo von 50 km/h gedrosselt werden muss“, sagte Böttger. Die 21-Jährige hätte nicht darauf vertrauen dürfen, „dass das Kind am Straßenrand stehenbleibt“. Das sei auch in der Straßenverkehrsordnung verankert, wo stehen würde, dass sich Fahrzeugführer – ungeachtet der eigentlichen Geschwindigkeitsvorschrift – besonderen Gegebenheiten anpassen müssten. „Es ist ein tragisches Unglück, aber eben auch eine Form der geringen Fahrlässigkeit“, erklärte der Jugendrichter in seiner Urteilsbegründung.

Zuvor hatte ein Dekra-Mitarbeiter der Unfallfahrerin attestiert, sich im Rahmen der erlaubten 50 Stundenkilometer mit hoher Wahrscheinlichkeit korrekt verhalten zu haben. „Die von uns errechnete Kollisionsgeschwindigkeit lag zwischen 40 und 55 Stundenkilometern“, sagte der Sachverständige Florian Müller. Nur bei einem Tempo von unter 31 km/h wäre der Unfall seiner Auffassung nach vermeidbar gewesen.

Im Laufe der Verhandlung wurde deutlich, dass sich die neunjährige Leni urplötzlich und für alle überraschend von ihrer Familie entfernt hatte und „wie aus dem Nichts“, so beschrieben es diverse Zeugen, über die Straße Richtung Binnensee-Nordufer rannte. „Das war für meine Mandantin absolut nicht vorhersehbar“, sagte Verteidiger Christian Müller, der einen Freispruch gefordert hatte.

Der 21-jährigen Finanzfachwirtin, die seit dem Unfall in psychologischer Behandlung ist, fiel der gestrige Tag erwartungsgemäß schwer. In ihrem Schlusswort kämpfte sie mit den Tränen und gab Einblicke in ihr Seelenleben. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Unfall denke. Ich wünsche mir immer, ich wäre damals nicht dort gewesen. Aber ich habe das Mädchen einfach nicht gesehen. Vor mir fuhr ein Auto, hinter mir auch. Ich habe mich im normalen Verkehrsfluss bewegt.“

Doch auch die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass sich die Unfallfahrerin anders hätte verhalten müssen. „Der Gesetzgeber sagt klar, dass Autofahrer auf Kinder aufpassen müssen. Die Frage, ob die Angeklagte zu schnell unterwegs war, lässt sich demnach mit einem Nein, gleichzeitig aber auch mit einem Ja beantworten“, so Staatsanwalt Philipp Marioth.

Mittlerweile wurde auf den Unfalltod bekanntlich reagiert: Ab dem 15. März herrscht auf der gesamten Steinwarderstraße eine durchgängige Tempo-30-Zone. Zudem sollen drei Zebrastreifen für mehr Sicherheit sorgen.

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