Archäologische Grabung ermöglicht Rückschlüsse auf das Leben am Warder vor 2 000 Jahren

„Ur-Heiligenhafenern“ auf der Spur

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Diese sogenannte Siedlungsgrube ist wie ein Geschenk für Eberhard Quellmann (vorn) und Marcus Kay – hier erwarten die Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes besonders viele Fundstücke aus der römischen Kaiserzeit.

HEILIGENHAFEN · Knochen, Scherben, die Überreste von Holzpfählen – bereits vor etwa 2 000 Jahren siedelten dort, wo sich heute Heiligenhafen befindet, Menschen. Das archäologische Landesamt führt derzeit am östlichen Stadtrand Ausgrabungen durch und ist den frühen Warderbewohnern auf der Spur. Die Zeit drängt: Bald entstehen hier Wohngebiete – und die Jahrtausende alten Spuren werden unwiderruflich zerstört.

Viel ist noch zu tun an der Ausgrabungsstelle, doch einige Erkenntnisse konnten die Archäologen bereits jetzt über die „Ur-Heiligenhafener“ gewinnen: „Das war ein hartes Leben hier“, ist sich Grabungsleiter Erich Halbwidl angesichts der Funde sicher. Allein, wie stark die Knochen der Nutztiere aufgebrochen wurde, mache deutlich, dass die Menschen, die um Christi Geburt hier siedelten, nichts zu verschenken hatten.

Die Nähe zur Ostsee erleichterte das Leben

„Es gab zwar die Nähe zum Wasser, das mag ein Zubrot gewesen sein“, so Halbwidl – doch viel Komfort waren die Siedler hier wohl nicht gewohnt. Muschelschalen und Fischgerippe deuten zumindest darauf hin, dass die Menschen die Nähe zur Ostsee durchaus zu ihrem Vorteil zu nutzen wussten. Auch einige Stücke aus Metall hat der Boden unter der heutigen Warderstadt schon preisgegeben – Fibeln aus Bronze oder Eisen, die die Kleidung zusammenhielten. Der Ausgrabungsleiter deutet auf eine Verfärbung im nordwestlichen Bereich, dort könnte sich ein Brunnen befinden. Dieser könnte weitere, wichtige Erkenntnisse liefern; „Es ist aber noch zu früh, um das genau zu sagen“, so Halbwidl.

Es hat etwas von Detektivarbeit, wie die Archäologen auch noch die kleinsten Fundstücke in ein zusammenhängendes Gesamtbild einzusetzen vermögen. So zeigt schon eine leichte Verfärbung des Bodens, an welcher Stelle vor 2 000 Jahren einmal hölzerne Pfeiler in die Erde getrieben wurden, etwa als Bestandteil eines Gebäudes. Eine weitere, diesmal großflächigere Verfärbung deutet auf eine sogenannte Siedlungsgrube hin. Hier wurde der für Bauarbeiten benötigte Lehm entnommen und die entstandene Senke mit Abfällen aller Art wieder aufgefüllt – für die Archäologen eine wahre Schatzkammer, denn hier finden sich Knochen, Scherben und weitere stumme Zeitzeugen zuhauf.

Lehmiger Boden kommt den Archäologen zugute

Zugute kommt den Mitarbeitern des Landesamtes die Bodenbeschaffenheit an der Grabungsstelle: Der lehmige Boden habe einen starken Anteil daran, wie gut die Qualität der Funde seien, erklärt Marcus Kay; „Für Archäologen ist das ein echter Glücksfall.“ Um das zu veranschaulichen, hält er einen spitzen Gegenstand hoch – ein Werkzeug, gefertigt aus einem Knochen. „Dass der bearbeitet ist, kann man deutlich an der glatten und abgerundeten Kante erkennen“, erklärt Kay. Wozu das Stück vor 2 000 Jahren tatsächlich verwendet wurde, könne er jedoch nicht mit Bestimmtheit sagen.

Zu diesem Zweck wird die Heiligenhafener Ausgrabungsstelle akribisch dokumentiert, um die Funde später von Experten aufgearbeiten zu lassen. Bis Ende Oktober haben die Mitarbeiter des archäologischen Landesamtes noch Zeit, dem baldigen Baugebiet seine Jahrtausende alten Geheimnisse zu entlocken – dann wird hier erneut gesiedelt. · wob

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