Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten: Kuno Brandt will aus dem Schatten treten

Von der zweiten in die erste Reihe

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Mit Amtsrat Kuno Brandt kandidiert ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann am 8. März als Bürgermeister.

Heiligenhafen –Von Patrick Rahlf– Am 8. März wird in der Warderstadt ein neuer Bürgermeister gewählt. Die HP stellt die drei Bewerber in der Reihenfolge ihrer Kandidaturbekanntgabe vor. Außerdem haben alle Anwärter auf den Rathaus-Chefsessel zehn Fragen beantwortet.

Mit Kuno Brandt kandidiert der Leiter der Ordnungs- und Bauverwaltung der Stadt Heiligenhafen bei der Bürgermeisterwahl. „Die Überlegung, von der zweiten in die erste Reihe zu treten, reifte schon länger in mir“, sagt Brandt, der ursprünglich 2022 mit einer Kandidatur geliebäugelt hatte. „Dass es jetzt so schnell geht, damit war nicht zu rechnen. Dennoch habe ich mich Anfang Dezember für eine Bewerbung entschieden“, so der 56-jährige Amtsrat, der bei der Stadt Heiligenhafen schon seine Verwaltungsausbildung absolviert hat.

Er wolle ein diplomatischer, nicht polarisierender, aber dennoch durchsetzungsstarker Bürgermeister sein, der Politik, städtische Gesellschaften und die Verwaltung wieder an einen Tisch bringen möchte. „Mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, der Innenstadtentwicklung, dem Ärztehaus sowie der Entwicklung am Höhenweg stehen uns sehr viele spannende Projekte ins Haus, die wir zusammen realisieren wollen“, sagt Kuno Brandt. Auch die Straßensanierungen müssten weitergehen, zudem sei ein Verkehrskonzept bereits in Auftrag gegeben. „Heiligenhafen ist eine aufstrebende Stadt, davon müssen auch die Bürger profitieren.“ Als Leiter der Ordnungs- und Bauverwaltung sei er die vergangenen zehn Jahre eng in alle wichtigen Prozesse eingebunden gewesen, von dem Know-how werde er als Bürgermeister profitieren. „Eines meiner größeren Projekte in dieser Zeit war der Rückbau der alten Schlichtwohnungen sowie die Umsiedlung der vielen Menschen, die dort unter menschenunwürdigen Bedingungen gelebt haben“, so der dreifache Vater, der bald zum ersten Mal Opa wird. In Kuno Brandts Freizeit steht der Sport hoch im Kurs. Mehr als 25 Jahre hat er Badminton gespielt, mittlerweile geht er joggen oder besucht Fitnesskurse.

Die HP hat den drei Bürgermeisterkandidaten zehn Fragen gestellt.

1. Wie bewerten Sie Heiligenhafens Entwicklung der vergangenen zehn Jahre?

Brandt: Auch neben dem Tourismus durchaus positiv. In 2016 wurden die Grundlagen erarbeitet, um die städtische Infrastruktur zu entwickeln. Wichtige Meilensteine sind die Projekte Kanal- und Straßensanierung (seit 2017 jährlich 2,8 Millionen Euro für Investition und Unterhaltung), Feuerwehrgerätehaus, Sanierung der TSS Heiligenhafen, Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, energetische Sanierung Kindergarten und Jugendzentrum, Sanierung der Laufbahnen, Straße und Kanal in Strandhusen und Am Wachtelberg.

2. Die Zahl der Urlauber ist deutlich angestiegen, Heiligenhafens Infrastruktur werden mitunter die Grenzen aufgezeigt. Wie viel Tourismus verträgt die Stadt noch?

Brandt: Mit den vorliegenden Ergebnissen für das integrierte Entwicklungskonzept liegen konkrete Antworten hinsichtlich der verkehrlichen, infrastrukturellen und städtebaulichen Aufgabenstellungen vor. Mit diesen werden auch die im Zusammenhang mit der touristischen Entwicklung stehenden Aufgaben in den nächsten Jahren zu lösen sein. Der Tourismus hat ein hohes Level erreicht. Die Quantität sollte nicht weiter ausgebaut werden. Im Sinne der Attraktivität muss nicht alles zugebaut werden.

3. Auf dem Steinwarder könnte, in Verbindung mit einem Schwimmbad, ein weiteres Hotel gebaut werden. Ein sinnvolles Vorhaben?

Brandt: Wetterunabhängiges Angebot für Gäste und Einheimische sowie Schwimmunterricht für unsere Kinder. Klingt gut. Die ersten Beschlüsse wurden am 1. August 2019 gefasst. Ist es aber sinnvoll, in diesem Bereich eine weitere Verdichtung hinzunehmen, ohne alle Eckdaten zur Finanzierung der Investition (Schwimmbad und Parkplatz) und vor allem der Folge- und Instandsetzungskosten zu kennen? Die eigenen Erfahrungen mit dem Betrieb eines Schwimmbades dürfen nicht vergessen werden.

4. Stichwort Innenstadt: Welche Maßnahmen streben Sie an?

Brandt: Zum Sommer dieses Jahres wird aus der im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes durchgeführten vorbereitenden Untersuchung ein Sanierungsgebiet mit den städtebaulichen Aufgaben festgelegt. Für mich an vorderster Stelle stehen folgende Maßnahmen: Entwicklung der Grundstücke Thulboden bis Wendstraße (Ärztehaus?), bauliche Umgestaltung Marktplatz und Umgestaltung der Kreuzung Am Strande/Steinwarder zu einem leistungsfähigen und städtebaulich attraktiven Knotenpunkt.

5. Heiligenhafens Schuldenberg ist hoch. Wie wollen Sie die Finanzen langfristig in den Griff bekommen, obwohl Investitionen in Millionenhöhe für Straßen und die Regenwasserkanalsanierung getätigt werden müssen?

Brandt: Die Investitionen von heute stellen die Entlastung für die Haushalte in der Zukunft dar. Die Instandsetzung und Unterhaltung der städtischen Infrastruktur jetzt und in den kommenden Jahren wird uns vor nicht leistbaren finanziellen Belastungen in der Zukunft bewahren. Darüber hinaus ist eine strenge Ausgabendisziplin angesagt. Investitionen in Projekte wie ein Aussichtsturm an der Ostmole sollten auf den Prüfstand kommen.

6. Welchen Stellenwert messen Sie den Themen Verkehrsführung und Fahrradfreundlichkeit bei?

Brandt: Beide Themen sind immens wichtig und sind bereits Gegenstand der Machbarkeitsstudie „Verkehrsführung und Organisation des ruhenden Verkehrs“, die als vorgezogenes Projekt Bestandteil der Städtebauförderung ist und mit insgesamt 2/3 durch Bund und Land gefördert wird. Die Ergebnisse hieraus werden in Kürze vorgestellt.

7. Wie wird sich der Kommunalhafen in den nächsten zehn Jahren verändern? Werden alte Silos und Speicher weichen müssen?

Brandt: Für die Weiterentwicklung des Hafens gibt es bereits das Konzept „Entwicklung Hafenkante“. Das Konzept sieht vor, dass die Silos bleiben aber einen anderen Standort erhalten, um Platz zu machen für eine durchmischte Nutzung (beispielhaft sind genannt Bürgerhaus, Fischereimuseum, Bücherei, Parkhaus, Jugendzentrum, Gastronomie und Einzelhandel). Der Fischereihafen soll erhalten bleiben und sowohl gewerblich als auch touristisch genutzt werden.

8. Heiko Müller ging keiner Konfrontation aus dem Weg, war gleichzeitig aber auch sehr bürgernah. Was für ein Bürgermeister-Typ wären Sie?

Brandt: Auf jeden Fall sehr bürgernah. Jeder Bürger kann sich jederzeit mit seinem Anliegen an mich wenden. Der Bürgermeister hat unter anderem die Aufgabe zu informieren und Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Meinen Standpunkt werde ich auch bei Konfrontationen argumentativ vertreten. Dies immer und nur an der Sache orientiert. Persönliche Anfeindungen wird es von mir nicht geben. Hart in der Sache, fair im Umgang miteinander.

9. Welche Wünsche haben Bürger im Wahlkampf bislang an Sie herangetragen?

Brandt: Viele Bürger haben einerseits das Angebot auf meiner Website kuno-brandt.de wahrgenommen, mich zu kontaktieren und andererseits die persönliche Ansprache bevorzugt. In den Fragen ging es um die Themen Klimaschutz/Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Eingrenzung von Ferienwohnungen und Zweitwohnungen, Mobilität und verkehrliche Anbindung im Allgemeinen und Stadtverkehr sowie Fahrradfreundlichkeit im Besonderen.

10. Wie sieht Ihr weiteres Vorgehen bis zum Wahlsonntag am 8. März aus?

Brandt: Ich werde alle Möglichkeiten nutzen, den Bürgern einen Einblick zu geben, wie ich Heiligenhafen in den kommenden sechs Jahren positiv weiterentwickeln möchte.

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