Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten: Manfred Wohnrade will Rathauschef werden

Zurück zu den Wurzeln

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Seit 2002 ist Manfred Wohnrade einer von zwei Geschäftsführern der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe.

Heiligenhafen – Am 8. März wird in der Warderstadt ein neuer Bürgermeister gewählt. Die HP stellt die drei Bewerber in der Reihenfolge ihrer Kandidaturbekanntgabe vor. Außerdem haben alle Anwärter auf den Rathaus-Chefsessel zehn Fragen beantwortet.

Manfred Wohnrade, seit 2002 Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB) und Touristikleiter der Warderstadt, will sich mit 54 Jahren noch einmal beruflich verändern. Zur Überraschung vieler Heiligenhafener kandidiert er für das Amt des Verwaltungschefs. „Die Entscheidung ist Mitte November gefallen. Hauptgrund war, dass jetzt die Gelegenheit da ist, anzupacken und etwas zu verändern“, sagt Manfred Wohnrade und ergänzt: „Es hat sich touristisch sehr viel getan in den vergangenen Jahren, doch jetzt muss der Fokus auf viele andere Bereiche gelegt werden.“ Heiligenhafen brauche einen Verwaltungsleiter, der auch in der Innenstadt, in den Wohngebieten sowie im Bereich der städtischen Infrastruktur Projekte gut vorbereitet und nach Beschlussfassung der Stadtvertretung zeitnah umsetzt. Das sei schließlich die Hauptaufgabe eines Bürgermeisters. „Das städtische Wohnungsbauprojekt hätte schon lange realisiert sein können, der politische Wille ist seit Jahren da“, sagt Manfred Wohnrade. Gleiches gelte für die Innenstadt und den Marktplatzbereich. „Gegenwärtig ist unser Markt noch ein Kind der 80er-Jahre. Es ist viel über eine Belebung der Innenstadt diskutiert und noch mehr Papier beschrieben worden. Nun muss endlich gehandelt werden.“

Manfred Wohnrade, der seit mehr als 40 Jahren Anhänger des HSV ist, ist ein Heiligenhafener Urgestein. 1982 hat er seine Ausbildung bei der Stadt begonnen und war später als Werkleiter des Hafenbetriebs sowie als stellvertretender Kämmerer aktiv. Vor mittlerweile 18 Jahren wurde Wohnrade von der damaligen Stadtvertretung zum HVB-Geschäftsführer bestellt. Privat hat er jahrzehntelang Fußball gespielt, mittlerweile beschränkt sich der zweifache Vater aufs Joggen.

Die HP hat den drei Bürgermeisterkandidaten zehn Fragen gestellt.

1. Wie bewerten Sie Heiligenhafens Entwicklung der vergangenen zehn Jahre?

Wohnrade: Die Entwicklung war von der touristischen Neuorientierung geprägt. Die war aus meiner Sicht dringend notwendig, weil Heiligenhafen den Anschluss verloren hatte. Mutige, meistens einstimmige Beschlüsse der Stadtvertretung haben die Projekte ermöglicht, die bestehende Arbeitsplätze gesichert und über 200 neue geschaffen haben. Die parallel dazu notwendige Entwicklung eines Verkehrskonzeptes, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und Entwicklung der Innenstadt hat leider nicht stattgefunden.

2. Die Zahl der Urlauber ist deutlich angestiegen, Heiligenhafens Infrastruktur werden mitunter die Grenzen aufgezeigt. Wie viel Tourismus verträgt die Stadt noch?

Wohnrade: Wie in der ersten Antwort schon aufgezeigt, fehlten notwendige, flankierende Maßnahmen. Das führt natürlich zu einem gewissen Unmut bei den Einheimischen. Diese Versäumnisse sollten nun zügig nachgeholt und umgesetzt werden. Das entlastet Einheimische und Gäste. Allerdings möchte ich auch daran erinnern, dass wir vom Tourismus leben. Dass kein Wohnraum geschaffen wurde oder ein Verkehrskonzept fehlt, dafür können die Gäste nichts.

3. Auf dem Steinwarder könnte, in Verbindung mit einem Schwimmbad, ein weiteres Hotel gebaut werden. Ein sinnvolles Vorhaben?

Wohnrade: Ja, denn das ist eine historische Chance für die Stadt, die durch den Hotelbetreiber finanziell möglich wird. Wir haben die Möglichkeit, in einem Becken mit 6 x 25 Meter Bahnen „reines“ Schwimmen, Schwimmunterricht und -ausbildung anzubieten. Diese Ausgangslage haben wir uns erarbeitet und können diese nun auf einer Fläche realisieren, die seit 2010 in einem rechtskräftigen Flächennutzungsplan als touristische Erweiterungsfläche festgesetzt wurde.

4. Stichwort Innenstadt: Welche Maßnahmen streben Sie an?

Wohnrade: Ebene Verkehrsflächen für Rollis und für Kinderwagen schaffen. Ein verträgliches Nebeneinander von Fußgängern, Radfahrern und Pkw ermöglichen. Ein „Leerstandsmanagement“ führen, um bedarfsgerecht bei der Neuvermietung zu helfen. Durch B-Pläne Rahmenbedingungen für private Investitionen schaffen. Mehr Dauerwohnungen – auch Seniorenwohnungen auf städtischen Grundstücken durch die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt errichten. Events ganzjährig durchführen, die unsere Innenstadt von anderen abhebt.

5. Heiligenhafens Schuldenberg ist hoch. Wie wollen Sie die Finanzen langfristig in den Griff bekommen, obwohl Investitionen in Millionenhöhe für Straßen und die Regenwasserkanalsanierung getätigt werden müssen?

Wohnrade: Vorweg zwei Fakten. Erstens: Alle Kreditaufnahmen sind durch die Kommunalaufsicht genehmigt und zweitens sind davon 20 Prozent, also rund fünf Millionen Euro, für touristische Projekte verwendet worden. Zukünftig wird die Finanzierung von Investitionen durch Einbindung von Zuschüssen, Fördermitteln etc. optimiert. Die Einnahmeentwicklung in den letzten Jahren erleichtert es uns, den Schuldendienst zu tragen. Trotzdem ist natürlich Aufgaben- und Ausgabenkritik gefragt.

6. Welchen Stellenwert messen Sie den Themen Verkehrsführung und Fahrradfreundlichkeit bei?

Wohnrade: Höchste Priorität, denn der Verkehr hat zugenommen und somit sind ganz andere Bedürfnisse da, als noch vor zehn Jahren. Das Organisieren von Mobilität einschließlich einer optimalen Infrastruktur ist kein Buch mit sieben Siegeln. Wir werden ein vernünftiges Radwegenetz in der Stadt und in die Wohngebiete erstellen. Eine „Ringlösung“ mit Einbahnstraße um den Stadtkern herum könnte zum Beispiel Platz für Radfahrer schaffen.

7. Wie wird sich der Kommunalhafen in den nächsten zehn Jahren verändern? Werden alte Silos und Speicher weichen müssen?

Wohnrade: Die LEV muss ihre Betriebsabläufe verändern. Das ist bekannt. Der Großteil der Speicher wird dann so nicht mehr gebraucht. Sie stehen entweder leer und entwickeln sich über die Jahre zu einem Problem oder wir nutzen die Möglichkeiten der „Hafenkante“. Das werde ich tun und sage zu, dass die Öffentlichkeit selbstverständlich wie bisher eng in die weiteren Entscheidungen eingebunden werden wird.

8. Heiko Müller ging keiner Konfrontation aus dem Weg, war gleichzeitig aber auch sehr bürgernah. Was für ein Bürgermeister-Typ wären Sie?

Wohnrade: Die Zeit in der Verwaltung und bei den HVB hat mich geprägt. Die Mitbürger möchten ihre Anliegen vortragen. Sie möchten aber nicht nur gehört, sondern berechtigte Wünsche müssen auch umgesetzt werden. Dafür stehe ich. Die gewählten Bürger sitzen in den Ausschüssen und in der Stadtvertretung. Es ergibt sich also von selbst, dass ich mit der Selbstverwaltung vertrauensvoll zusammenarbeiten werde.

9. Welche Wünsche haben Bürger im Wahlkampf bislang an Sie herangetragen?

Wohnrade: Generell wünschen sich die Bürger eine schnellere Umsetzung von Maßnahmen. Wenn gewisse Dinge sich verzögern, wünschen sich viele eine bessere Kommunikation. Das gilt auch und insbesondere bei Baumaßnahmen. Die meistgeäußerten Wünsche: bezahlbarer Wohnraum, ÖPNV, Straßensanierung, neue Radwege, bedarfsgerechte Kita-Plätze, Belebung der Innenstadt, mehr Beachtung und Würdigung des Ehrenamtes. Es waren keine „Luftschlösser“ dabei, die nicht anzupacken wären.

10. Wie sieht Ihr weiteres Vorgehen bis zum Wahlsonntag am 8. März aus?

Wohnrade: Ich werde weiterhin viele Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern führen. Das ist für mich das Wichtigste, denn nur so erfährt man, was die Menschen bewegt. Daneben gibt es Einladungen zu Versammlungen, auf die ich mich sehr freue. In den sozialen Medien werde ich zusätzlich zu aktuellen Themen Stellung beziehen. Reinschauen lohnt sich.

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