Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten: Niclas Boldt will es am 8. März noch einmal wissen

Der dritte Anlauf

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Niclas Boldt will es wieder wissen: Am 8. März kandidiert er erneut für das Amt des Bürgermeisters

Heiligenhafen –Von Patrick Rahlf– Am 8. März wird in der Warderstadt ein neuer Bürgermeister gewählt. Die HP stellt die drei Bewerber in der Reihenfolge ihrer Kandidaturbekanntgabe vor. Außerdem haben alle Anwärter auf den Rathaus-Chefsessel zehn Fragen beantwortet.

Niclas Boldt will es zum dritten Mal wissen: Nach 1998 und 2016 kandidiert der 58-Jährige erneut. „Es ist ein demokratisches Angebot an den Wähler. Eine Auswahl zu haben, das kann doch nie schaden“, sagt Boldt, stellt aber gleichzeitig klar, dass er auf seine mittlerweile dritte Kandidatur verzichtet hätte, hätte es einen Kandidaten gegeben, dem er den Job als Bürgermeister uneingeschränkt zutrauen würde. „Im Vergleich zu 2016 haben sich die Voraussetzungen vollkommen verändert. Damals ging es sehr vielen Menschen nur darum, für oder gegen Heiko Müller zu sein. Jetzt werden die Karten komplett neu gemischt“, so der Ur-Heiligenhafener über seine Chancen.

„Der Bürgermeister soll nicht mit eigenen Projekten glänzen, sondern die Entscheidungen der Politik umsetzen. Erst wenn es bei Problemen keine Lösungsmöglichkeit gibt, ist der Bürgermeister gefordert“, beschreibt der gelernte Handelsfachwirt das Aufgabenfeld des Verwaltungschefs, der keinesfalls in Konkurrenz zur Stadtvertretung stehen sollte. Einsetzen will sich Niclas Boldt unterdessen für Transparenz und mehr Beteiligung, auch das Thema Strandsicherung würde er zur Chefsache erklären. Dass er keine Verwaltungsausbildung hat, erachtet er nicht als Nachteil. Ganz im Gegenteil. „Ein Bürgermeister sollte alles andere als ein reiner Verwaltungsmensch sein. Er muss das große Ganze im Blick haben und lokal zuarbeiten.“

Boldt wurde 1961 in Heiligenhafen als zweites von vier Kindern geboren, sein Vater war der Bauunternehmer Ernst-August Boldt. In dessen Firma arbeitete er viele Jahre mit, brach sogar das Bauingenieur-Studium ab, weil er in seiner Heimat gebraucht wurde. Später war der Heiligenhafener viele Jahre im IT-Bereich zu Hause.

Die HP hat den drei Bürgermeisterkandidaten zehn Fragen gestellt.

1. Wie bewerten Sie Heiligenhafens Entwicklung der vergangenen zehn Jahre?

Boldt: Ein Abbild der globalen Durchdringung aller Lebensbereiche durch Geld und Gier nach Wachstum. Ich bedauere den Verlust freier Naturräume, und bin zugleich halbwegs froh mit der Umsetzung dieses „Updates“ im Tourismus. Es hätte leicht schlimmer werden können. Kritisch sehe ich, dass zu viele Einwohner eher größere Belastungen und Unruhe spüren und selbst kaum profitieren, zumal anderes liegen geblieben ist.

2. Die Zahl der Urlauber ist deutlich angestiegen, Heiligenhafens Infrastruktur werden mitunter die Grenzen aufgezeigt. Wie viel Tourismus verträgt die Stadt noch?

Boldt: Die Gäste kommen hierher, weil sie in den Ballungsräumen vom goldenen Kalb „Auto“ längst die Nase voll haben. Sie suchen gute Luft, den Sonnenuntergang, innere Einkehr durch den freien Blick auf‘s Meer. Auch gutes Essen, vielleicht „Events“. Wenn Konkurrenz unter unseren Gästen allen das Gesuchte nimmt, werden sie nicht wiederkommen. Kein Parkplatz? Das war‘s dann.

3. Auf dem Steinwarder könnte, in Verbindung mit einem Schwimmbad, ein weiteres Hotel gebaut werden. Ein sinnvolles Vorhaben?

Boldt: Niemand wird sich gegen ein Schwimmbad stellen. Über den Standort wurde bereits gestritten. Frisch- oder Meerwasser? Bislang ungeklärt. Kommt nur ein weiteres Hotel? Ich befürchte anderes: Siehe TOP 3 „Bürgerfragen“ der Niederschrift zur Sitzung der Stadtvertretung vom 1. August 2019. Dazu eine Parkpalette? Auf dem Warder? Ein Hotel lädt sich zusätzliche Kosten über das Bad auf? Alles nicht stimmig.

4. Stichwort Innenstadt: Welche Maßnahmen streben Sie an?

Boldt: Was „ich“ anstrebe? Umsetzung der Beschlüsse, doch immer unter transparenter Bürgerbeteiligung. Da haben vor mir sehr viele andere Menschen gehört zu werden. Der Leiter der Verwaltung selbst hat sich dafür einzusetzen, überörtliche Gelder der Städtebauförderung einzuwerben. Persönlich wünsche ich allerdings, dass ein belebtes Zentrum Mittelpunkt einer Bevölkerung ist, die weiterhin gerne hier leben möchte.

5. Heiligenhafens Schuldenberg ist hoch. Wie wollen Sie die Finanzen langfristig in den Griff bekommen, obwohl Investitionen in Millionenhöhe für Straßen und die Regenwasserkanalsanierung getätigt werden müssen?

Boldt: Zuallererst müssen wir von strukturellen Defiziten herunter. Was das bedeutet, erläutere ich auf meinen Webseiten. Das wahre Ausmaß der Gesamtverschuldung der Kommune wird erst in der konsolidierten Gesamtbilanz zum Jahresbeginn 2022 sichtbar. Geld für Glanz und Traumprojekte gibt‘s nicht. Und nutzlos Gelder im Strandsand zu versenken, sollten wir auch endlich bleiben lassen. Was wird mit dem Aktiv-Hus?

6. Welchen Stellenwert messen Sie den Themen Verkehrsführung und Fahrradfreundlichkeit bei?

Boldt: Der Umstieg auf Elektromobilität ist ohne grundsätzliche Systemänderungen nicht zu machen. Das Auto hat den Zenit überschritten. Hier gehört es auf Parkplätze am Stadtrand. Das (Lasten-) Fahrrad wird im örtlichen Verkehr an Bedeutung gewinnen, auch Dank des E-Bikes. Und mitdenken: Mit richtigem Reifendruck macht ein kleiner Umweg Steigungen erträglich.

7. Wie wird sich der Kommunalhafen in den nächsten zehn Jahren verändern? Werden alte Silos und Speicher weichen müssen?

Boldt: Die Töne der HVB zum Thema „Hafenkante“ decken sich nicht mit im Verborgenen vorangetriebenen Plänen. Googlen Sie nach „Marina Aiya Napa“ auf Zypern, denken Sie an den bereits vorgestellten Aussichtsturm. Ich befürchte eine „Weiße-Motorjachten-vor-leerenLuxusappartements“-Küste bis Ortmühle, nicht ohne Grund. Wir haben unseren Kommunalhafen für zukünftige Anforderungen und neue Notwendigkeiten arbeitstauglich zu halten.

8. Heiko Müller ging keiner Konfrontation aus dem Weg, war gleichzeitig aber auch sehr bürgernah. Was für ein Bürgermeister-Typ wären Sie?

Boldt: Nachzulesen ist darüber in etlichen Texten seit der Bürgermeisterwahl 1998: Ich stehe als politischer, aber nicht parteilicher Mensch für Offenheit, Beteiligung und rechtskonformes Handeln im Sinne der Gemeindeordnung. Ganz sicher werde ich mich bei Anwürfen nicht wegducken, sondern die hauptamtliche Verwaltung stützen, deren Laufbahnbeamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes für die konkrete Verwaltungsarbeit ausgebildet und zuständig sind.

9. Welche Wünsche haben Bürger im Wahlkampf bislang an Sie herangetragen?

Boldt: Ganz klar einen Wunsch: „Herr Boldt, Sie müssen die Übernahme der Stadt Heiligenhafen durch die HVB verhindern!“

10. Wie sieht Ihr weiteres Vorgehen bis zum Wahlsonntag am 8. März aus?

Boldt: Ich werde mich weiterhin jedem aufkommenden Gespräch stellen, wie es sich zumeist spontan ergibt. Und in der Kandidatenvorstellung wie bereits 2016 im Kursaal am 19. Februar eine inhaltsreiche Rede halten – mit gewiss anderen Schwerpunkten. Und zudem noch reichlich Inhalt über meine Webseite nachlegen. Dann schaue ich mir an, wie die Wählerinnen und Wähler sich ihre weitere Zukunft hier gestalten.

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