Zwei Heiligenhafener auf großer Tour: Vater und Sohn segeln mit ihrem Schiff in die Karibik

Warderstädter Weltenbummler

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as 9,50 Meter lange Schiff der Weltenbummler ankert vor Los Christianos.

HEILIGENHAFEN - Von Peter Foth - Mit ihrem Segelboot „Low Budget” brachen Rüdiger Jedowski (59) und sein Sohn Samuel (23) am 22. August 2014 in Heiligenhafen auf, um sich eine einjährige Auszeit zu nehmen und in die Karibik zu segeln. Im Internet verfolgt SVH-Sportwart Henry Baßmann seitdem die Reise, die mit circa 12 000 Seemeilen bis in die Karibik und zurück gehen soll. Sein Bericht auf dem Fahrtenseglerabend der Segler-Vereinigung-Heiligenhafen (SVH) ließ selbst alte erfahrene „Seebären“ staunen.

Wie Henry Baßmann (24) berichtete, waren Vater und Sohn im August 2014 zu dieser einmaligen Reise in Heiligenhafen aufgebrochen. „Falls wir es bis Januar 2015 ohne Zwischenfälle dahin schaffen, wollen wir nach Lust und Laune die Vielfalt der Karibischen See kennenlernen und machen uns um den Monat Mai wieder zurück auf den Heimweg“, hatten Rüdiger und Samuel Jedowski seinerzeit erklärt.

Seitdem verfolgen die daheimgebliebenen Freunde der beiden Weltenbummler gespannt die Erlebnisse im Internet, wo Samuel die Erfahrungen dieser ungewöhnlichen Reise in seinem Blog „Minimalistisch Segeln – Ein Jahr unter Segel , Palmen und Geldmangel“ aufzeichnet.

Am Morgen des 22. August des vergangenen Jahres war es soweit: Von Heiligenhafen ging es durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Brunsbüttel und von dort aus auf die Nordsee Richtung Ärmelkanal.

Diese Route gehört zu den ersten Eintragungen im Blog, den Henry Baßmann den Heiligenhafener Fahrtenseglern kürzlich vorgestellt hat. Am 31. August hat die „Low Budget ” Dover an der Südküste Englands erreicht. In seinem Blog berichtet Samuel: „Am ersten Abend nach der Schleusung in die Elbe hat unser ‚Flautenschieber‘ den Geist aufgegeben, und wir waren bis halb drei morgens dabei, den alten Dreizylinder wieder in Gang zu bekommen. Der Motor hatte Nebenluft gezogen und ist dabei ständig ausgefallen.“

Doch danach ging es wieder bergauf: „Die nächsten zwei Tage hatten wir bestes Wetter und gute Fahrt voraus. Danach war es leider etwas ungemütlicher, sodass wir nach einer zerrissenen Fock, zwei Meter hohen Wellen und einem kritischen Strom aufgaben und 22 Meilen zurück in den schützenden Hafen von Dover segeln mussten. Wir haben den Strom der Gezeiten dabei unterschätzt, was uns eine Lehre war“, berichteten die SVH-Segler in ihrem Blog.

Freundlicher Empfang in La Coruña

Wenige Tage später, so erfuhren die SVH-Fahrtensegler von Henry Baßmann daheim im Klubhaus, hat sich die Wetterprognose erfüllt und die „Low Budget” konnte mit achterlichem Wind  den Englischen Kanal Richtung Biskaya verlassen. Seitdem Rüdiger und Samuel Jedowski England verlassen haben, sind sie rund 520 Meilen nach La Coruña gesegelt. La Coruña ist eine typisch spanische Stadt mit vielen Cafés, Bars und Restaurants. Freundlich wurden die Heiligenhafener von den Einheimischen empfangen und durften auch in der Marina duschen. „Heute Abend geht es weiter zu den ‚Rias‘, einer Reihe von Fjorden und Flüssen, circa 90 Meilen entfernt.“  Das nächste Mal, so die damalige Botschaft, wolle sich die zweiköpfige Mannschaft aus Portugal melden.

Die nächste Meldung erreichte die Freunde in der Warderstadt am 16. September vergangenen Jahres. „Moin, wir sind in Portonovo in der Ria de Ponteverda, dem vorletzten Fjord an der spanischen Nordwest-Küste. Nachdem wir La Coruña verlassen hatten, war unser nächstes Ziel Finisterre, eine kleine Hafenstadt und gleichzeitig eine Pilgerstätte des Jakobswegs.“ Ria de Arosa wurde anschließend als nächstes Ziel ausgegeben. In der Folgezeit hatte die Crew häufig mit Flaute und Winddrehern zu kämpfen, bis sie sich schließlich nach Cabo de Sao Vincente (Südwest-Spitze Portugals) durchgeschlagen hat und letztendlich Sagres erreichte.

Die Kanaren lassen grüßen

Am 26.November erreichte die „Low Budget” San Sebastián de La Gomera, wo es vor Anker ging. Für Samuel ein kleines Highlight, denn er wurde hier geboren. Geschichtlich hat diese Kleinstadt auch viel zu bieten, denn 1492 ist Columbus von hier aus mit der „Santa Maria“ in See gestochen, um die „Neue Welt“ zu entdecken.

Mittlerweile hatten Rüdiger und Samuel Jedowski so gut wie alle Arbeiten an der „Low“, wie sie liebevoll ihr Schiff, eine „Maxi 95“ mit 9,50 Meter Länge nennen, erledigt. Die Windsteueranlage wurde verlängert sowie am Heck verstärkt.

Wie Henry Baßmann berichtete, ist den Jedowskis im Englischen Kanal das Vorsegel zerrissen. Wie gut, dass Samuel das Segelmacherhandwerk bei Jan-Segel in Großenbrode erlernt hat. In mühseliger Handarbeit gelang es, aus der kaputten Genua noch eine Fock zu schneidern.

Weihnachtsgrüße von Bord der „Low Budget“ von Rüdiger (l.) und Samuel Jedowski.

Auf der Leinwand im SVH-Klubhaus war während des kurzweiligen Vortrages von Henry Baßmann ein Bild von Rüdiger und Samuel mit Weihnachtsmütze an Bord der Yacht zu sehen. Die Weihnachtsgrüße kamen von Bord, als dieses gerade vor Teneriffa lag. Auf den Kanaren versammeln sich viele Segler, um den warmen Passatwind abzuwarten und dann in die Karibik zu starten. Beim Fahrtenseglerabend wartete man noch ungeduldig auf die Nachricht von einer geglückten Überfahrt über den großen Teich, die kurz darauf folgen sollte.

„Ich habe mich gefreut, als sich am 18. Januar die Jungs wieder im Internet meldeten“, sagte Henry Baßmann. „Gestern, circa 12 Uhr Ortszeit, sind wir in St. Georg`s, Grenada gelandet“, heißt es im Internetblog. Die Überfahrt von den Kapverdischen Inseln in die Karibik hatte exakt 17,5 Tage gedauert. „Die Fahrt von den Kanaren zu den Kapverdischen Inseln dauerte vorher eine Woche. Von den Kanaren ging die Fahrt recht zügig voran, bis am vierten Tag der Schaft von der Windsteuerung zerbrach. Eine alte Schweißnaht war aufgegangen“, so steht es im Blog. Nach drei Tagen Aufenthalt auf den Kapverdischen Inseln war der Schaden schließlich behoben.

Kampf mit Seekrautfeldern

Henry Baßmann hält Kontakt zu Rüdiger und Samuel Jedowski. Demnächst will er sie in der Karibik besuchen.

Im Blog schreibt Samuel weiter: „2 246 Seemeilen bis Grenada (Karibik) – ohne ein einziges Boot zu sehen. Ich würde euch gerne berichten, dass alles schön und toll war, war es aber leider nicht. Wir hatten meistens unschönes Wetter und mit Kreuzseen zu kämpfen. Das Boot wurde tagelang durchgeschüttelt. Macht nichts, man gewöhnt sich dran. Routine ist alles, wäre da nicht dieses verdammte Kraut gewesen. Überall, auf dem ganzen Atlantik, waren riesige Seekrautfelder.“

Das Kraut hatte sich am Ruder des Windpiloten verheddert und ihn mal wieder unbrauchbar gemacht. „Wir mussten ständig mit dem Bootsmannshaken das Kraut entfernen. Dennoch sind uns mehrere Bolzen mit der Zeit abgebrochen. Das Kraut hat den Windpiloten stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass Edelstahlschrauben einfach abrissen. Ich hab die Anlage provisorisch mit ordentlich Tauwerk und Taljen fixiert. Zum Glück hielt diese Konstruktion bis nach Grenada. Im Endeffekt sollten wir aber bescheiden bleiben. Immerhin sind wir gut angekommen, ohne Sturm oder Kollision mit einem Wal.“

Echter Luxus in der heutigen Zeit

Doch es gab auch viele äußerst schöne Erlebnisse, die für die beiden Weltenbummler unvergesslich bleiben werden. „Wir hatten auch krautfreie, sonnige Tage. Und dann macht es richtig Spaß. Im warmen Passat zu Segeln, ist eine Sache für sich. Hunderte Meilen entfernt von allem, auf einem kleinen Segelboot. Nur die Verantwortung für sich selbst und seinen Gefährten. Minimalistischer Alltag, aber dennoch ein Luxus in heutigen Tagen“, schreiben Rüdiger und Samuel, die Segler aus Heiligenhafen. Henry Baßmann wartet schon gespannt auf die nächste Nachricht von Bord der „Low Budget“.

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