Das Sonderprojekt der Bundesagentur für Arbeit ermöglicht Lyudmyla Omembrat die Ausbildung

Mit „WeGebAU“ zum Examen

Arn Grünberg, Geschäftsstellenleiter der BfA Oldenburg, freut sich über das Beispiel Lyudmyla Omembrat. Die Bewohnerinnen Gertrud Melzer(2. v. l.) und Gertrud Kamm (r.) sind mit der gebürtigen Ukrainerin sehr zufrieden.

GROSSENBRODE (st) • Lyudmyla Omembrat aus Heiligenhafen kam 1999 als studierte Ökonomin aus der Ukraine nach Deutschland. Hier allerdings galt sie als ungelernte Arbeitskraft und fand vor sieben Jahren eine Anstellung als Geringbeschäftigte im Seniorenpflegezentrum „Am Sund“ in Großenbrode.

Vor sechs Jahren stockte Heimleiterin Monika Wulf die Stelle der Pflegehilfe zu einer sozialversicherungspflichtigen auf. Eine Ausbildung zur staatlich geprüften Altenpflegerin jedoch schien aufgrund der hohen anfallenden Kosten und der Ausfallzeiten durch die Schule unmöglich.

Durch das „WeGebAU“-Projekt der Bundesagentur für Arbeit erhalten nun Arbeitnehmer wie Lyudmyla Omembrat die nötige Unterstützung, um sich den Traum einer Ausbildung doch noch erfüllen zu können und somit auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.

„Neu ist der präventive Ansatz. Wir wollen verhindern, dass die Menschen überhaupt arbeitslos werden. Bisher haben wir hauptsächlich bereits Arbeitslose gefördert“, erklärte Norbert Leder von der Bundesagentur.

„WeGebAU“ steht für Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen. Die gebürtige Ukrainerin Omembrat fällt mit ihren 46 Jahren und des in Deutschland nicht anerkannten Studiums genau in diese Problemkategorie. So trafen sich im März des letzten Jahres der Geschäftsstellenleiter der BfA in Oldenburg, Arn Grünberg, und Heimleiterin Monika Wulf, um die Bedingungen für eine Förderung abzuklären. Monika Wulf war von dem Projekt begeistert: „Ich bin glücklich darüber, weil ich Frau Omembrat kenne und sie auch bei uns weiterarbeiten will.“

„Nehme gern ältere qualifizierte Kräfte“

Die Vorteile für den Arbeitgeber liegen auf der Hand. Er kann auf bewährtes Personal zurückgreifen, dass zusätzlich – im Falle des Pflegeheimes – zur Erhaltung der Fachkraft-Quote beiträgt. 50 Prozent der Beschäftigten in der Pflege müssen examinierte Kräfte sein.

„Wir haben in diesem Jahr 800000 Euro für den Agenturbezirk Lübeck zur Verfügung“, erklärte Leder. Die Förderung von Lyudmyla Omembrat wird für die gesamte Zeit der dreijährigen Ausbildung zwischen 30000 und 40000 Euro kosten. Diese Summe setzt sich zusammen aus der Entschädigung der Ausfallzeit für den Arbeitgeber, den Fahrtkosten zur Schule – in diesem Fall zu Blockseminaren nach Stockelsdorf – und dem Schulgeld. Doch das Geld ist nach Meinung von Arn Grünberg gut angelegt: „Wir lösen damit zwei Probleme auf einmal. Erstens verhindern wir, dass Arbeitnehmer arbeitslos werden und zweitens tun wir etwas gegen den vorherrschenden Fachkräftemangel.“

Wenn man bedenkt, dass 40 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland über 45 sind und der Prozentsatz der Unqualifizierten ähnlich hoch ist, scheint das Programm am richtigen Hebel zu ziehen.

Parallel zu der Ausbildung von Lyudmylla Omembrat absolviert der Koch des Hauses, Fred Zinke, eine Weiterbildung zum Diätkoch, die ebenfalls von der Agentur gefördert wird. Diese Zusatzqualifikation wird in naher Zukunft zu den Anforderungen gehören und der über 50-jährige Zinke wäre wohl ohne die Unterstützung durch „WeGebAU“ ausgemustert worden und hätte nur sehr schwer eine neue Anstellung gefunden.

„Möchte noch 20 Jahre arbeiten bis zur Rente“

„Ich nehme gern ältere qualifizierte Kräfte“, sagte Monika Wulf, die mit der Arbeit ihrer „Auszubildenden“ sehr zufrieden ist. Auch Lyudmylla Omembrat ist überglücklich über die Chance, die ihr eröffnet wurde: „Ich möchte noch 20 Jahre arbeiten bis zur Rente.“ Als staatlich geprüfte Altenpflegerin – die Prüfungsergebnisse lassen bisher auf keinerlei Probleme schließen – stehen ihre Chancen dafür in Zukunft nicht schlecht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.