Reederei Scandlines will Fährverkehr nicht einstellen / Tesch im Dialogforum: „Es wäre ein Frevel“

Weiterbetrieb trotz des Tunnels

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Dr. Gernot Tesch. ·

OLDENBURG · „Was wird aus dem Reich von Scandlines?“, fragte Dr. Christoph Jessen, Sprecher des Dialogforums zur Festen Fehmarnbeltquerung. Für Scandlines-Geschäftsführer Dr. Gernot Tesch war die Antwort im Rahmen der achten Sitzung des Dialogforums im Oldenburger Gewerbezentrum am Donnerstagabend (17. Januar) schnell gefunden: „Für uns wäre es ein Frevel, den Fährverkehr einzustellen.“

Um die Zukunft des Beltverkehrs und des Hafens in Puttgarden auf Fehmarn handelte der Vortrag von Tesch. Der Geschäftsführer stellte dar, dass die Reederei eine „Traffic Machine“ – also eine Fährgesellschaft, die einen reibungslosen Verkehr wie am Fließband verfolgt – sei, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr einen 30-Minuten-Takt anbietet. In den vergangenen Jahren musste das Unternehmen einen Rückgang der Nutzung verzeichnen. Besonders im Pkw-Bereich sank die Nachfrage. Im Lkw-Bereich hingegen konnte eine Zunahme registriert werden.

Die vorhandene Infrastruktur, die gute Anbindung an das öffentliche Straßen- und Schienennetz in Deutschland und Dänemark sowie die zwei Tiefwasserhäfen würden einen Fortbestand des Fährverkehrs rechtfertigen. „Die Feste Beltquerung wird einiges ändern, aber nicht alles. Für uns würde sich ein Weiterbetrieb der Fährlinien nach Dänemark parallel zum Tunnel und mit sinkenden Verkehrsaufkommen lohnen“, betonte Dr. Gernot Tesch ausdrücklich. Ein Vorteil der Fähren-Nutzung wären beispielsweise die Ruhezeiten, die die Lkw-Fahrer sich während der Überfahrt nehmen könnten. „Jeder Tunnelnutzer verharrt hingegen auf der Stelle“, machte Tesch deutlich, denn die Fahrer müssten ihre Ruhezeit zusätzlich einplanen. Jeder Fähren-Nutzer hätte dadurch einen Zeitvorteil gegenüber der Konkurrenz, so der Scandlines-Geschäftsführer.

Mit Blick auf die Deutsche Bahn AG bot Tesch eine Zusammenarbeit an, die vonseiten der Bahn befürwortet wurde. Am Ende seines Vortrages wies Tesch noch auf eine Sache hin: „Wir benötigen Planungssicherheit“, erklärte er mit Nachdruck. In der anschließenden Diskussion führte Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt das von Tesch angesprochene Potenzial des Fährhafens in Puttgarden als „riesig“ aus. Dadurch könnte der Wegfall von Arbeitsplätzen durch den Tunnel kompensiert werden, so Schmiedt weiter. Es sei erfreulich, dass Scandlines in jeden Fall weiterfahren möchte, meldete sich auch Landrat Reinhard Sager zu Wort. Die Allianz gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung stellte nach dem gescheiterten Versuch in der siebten Sitzung erneut den Antrag, Scandlines als Mitglied in das Dialogforum aufzunehmen. Dieses Vorhaben wurde wiederholt abgelehnt, da die Aufnahme neuer Mitglieder nicht auf der Tagesordnung stand.

Im weiteren Verlauf der achten Sitzung ging es gestern außerdem um den Tourismus und den Belastungstest der Fehmarnsundbrücke. · kn

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