Kollision eines Pkw mit einem Lkw auf der B207
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Im November verunglückten Beifahrer und Fahrer eines Pkw tödlich beim Überholen auf der B207 zwischen Burg und Puttgarden, als sie mit einem Lkw kollidierten.

Verkehrssicherheitsbericht 2020 veröffentlicht

Weniger Verkehrsunfälle im Kreis Ostholstein

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Der Verkehrssicherheitsbericht der Polizeidirektion Lübeck ist 2020 von der Corona-Pandemie geprägt. Die Statistik wurde auch durch die zunehmende Nutzung von Pedelecs beeinflusst.

  • 2020 ereigneten sich in Ostholstein 12,3 Prozent weniger Verkehrsunfälle als in 2019.
  • Mehr Homeoffice und weniger Tourismus sorgten für ein geringeres Verkehrsaufkommen.
  • Die Zahlen für Pedelecs (E-Bikes) haben sich um 81,9 Prozent erhöht

Ostholstein – Die Polizeidirektion Lübeck hat Freitag ihren alljährlichen Verkehrssicherheitsbericht veröffentlicht. Insgesamt wurden 2020 in Ostholstein 6014 Verkehrsunfälle von der Polizei registriert. Das sind 12,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Verkehrstoten ist indes von sieben auf zehn angestiegen. Zwei der neun Unfälle mit drei Toten ereigneten sich auf Fehmarn, bei Gremersdorf kam im Juni vergangenen Jahres eine Fahrradfahrerin ums Leben. 

Der Verkehrssicherheitsbericht ist 2020 größtenteils geprägt von der Pandemie: Mehr Homeoffice und weniger Tourismus übers Jahr betrachtet sorgten insgesamt für eine geringeres Verkehrsaufkommen. Dass die Unfälle aufgrund der Pandemie zurückgegangen seien, will der verantwortliche Sachbearbeiter des Berichts, Polizeihauptkommissar Rainer Dürkop, so nicht unterschreiben.

In den letzten Jahren bei erfreulicherem Niveau angelangt

Zwar werde anhand der Zahlen deutlich, dass während des Lockdowns die Zahl der polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle in Ostholstein um 65 Prozent zurückgegangen sei. Außerhalb dieser Zeit schrumpfte der Rückgang aber auf knapp drei Prozent zusammen. Dürkop erinnerte gegenüber der HP daran, dass es in den letzten Jahren immer wieder Schwankungen gegeben habe.

2016 gab es beispielsweise 1190 verunglückte Verkehrsteilnehmer, 2017 waren es 1143, 2018 wiederum 1213 betroffene Personen, im Jahr 2019 1192 und im letzten Jahr 1026. „Wir sind in den letzten Jahren bei einem insgesamt erfreulicheren Niveau angelangt“, so Dürkop, wenngleich jeder Personenschaden natürlich einer zu viel sei.

Unfälle mit Pedelecs um 81,9 Prozent angestiegen

Die große Beliebtheit des Fahrrads als Fortbewegungsmittel spiegelt sich auch in den Unfallstatistiken wider, wobei Pedelecs, die im allgemeinen Sprachgebrauch gern als E-Bikes bezeichnet werden, die Zahlen mittlerweile bedeutend beeinflussen – und zwar negativ.

2020 wurden mit 388 Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Fahrrädern und Pedelecs 19,8 Prozent mehr Vorfälle aufgenommen als 2019. Die Zahlen für Pedelecs haben sich um 81,9 Prozent auf 131 erhöht, während Vorfälle mit Fahrrädern nur gering angestiegen sind. Erstmals sind in Ostholstein auch zwei Pedelecfahrer tödlich verunglückt. Eine Fahrerin starb im Juni 2020, als sie in Gremersdorf die Vorfahrt eines Pkw missachte und mit diesem zusammenstieß. Die Zahl der schwerverletzten Pedelecfahrer hat sich zudem mit 25 mehr als verdoppelt.

Motorisierte Fahrräder sieht Polizeihauptkommissar als neues Verkehrsmittel

Aufgrund der höheren Geschwindigkeiten spricht Dürkop von einem „neuen Verkehrsmittel“ und in der Verbreitung von einer „neuen Dimension“. Der Polizeihauptkommissar machte gestern eine Rechnung auf, die seine Einschätzung deutlich untermauert. Zwischen 2009 und 2016 seien rund drei Millionen Fahrräder mit Motorunterstützung verkauft worden. 2017 bis 2019 waren es ebenfalls drei Millionen, aber in weniger als der Hälfte der Jahre. 2019 war fast jedes dritte verkaufte Fahrrad mit einem Motor ausgestattet. Das Online-Portal Statista gibt für 2020 1,95 Millionen verkaufte Pedelecs in Deutschland an.

Das E-Bike ist eigentlich ein Pedelec

Im allgemeinen Sprachgebrauch findet die Bezeichnung Pedelec kaum statt. Dabei fahren immer mehr Pedelecs auf deutschen Straßen, werden aber fälschlicherweise als E-Bikes bezeichnet. Die korrekte Unterscheidung der Begriffe lautet: Pedelecs bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, E-Bikes fahren auf Knopfdruck auch ohne Pedalunterstützung. Sie sind ab sechs km/h zulassungspflichtig.

Zurückgegangen sind in 2020 die Zahlen der Motorrad- und Motorrollerunfälle (-9,0 Prozent), der Lkw- und Busunfälle (-12,7 Prozent) sowie der Fußgängerunfälle (-18,9 Prozent) und auch der Unfälle unter Alkoholeinfluss (-10,0 Prozent). Gestiegen ist laut Bericht allerdings die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss von fünf auf zehn.

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