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19-Jähriger liefert sich auf 36 Kilometern wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei

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Von: Patrick Rahlf

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Ein Radfahrer stirbt nach einem Zusammenstoß mit einem Auto auf der B251 in Willingen (Kreis Waldeck-Frankenberg).
Ein 19-Jähriger lieferte sich am Freitag eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei. Dabei fuhr er auch mit 100 km/h durch die Heiligenhafener Innenstadt. (Symbolbild) © Jonas Walzberg/Imago

Am vergangenen Freitag hat sich ein 19-Jähriger eine filmreife Verfolgungsjagd mit der Polizei von der A1 durch Heiligenhafen bis nach Lütjenbrode geliefert. Er raste mit 100 km/h durch die Innenstadt.

Heiligenhafen – Am vergangenen Freitagabend (5. August) hat sich ein 19-Jähriger eine filmreife Verfolgungsfahrt mit der Polizei im nördlichen Ostholstein geliefert, wie die Beamten am heutigen Dienstag mitgeteilt haben. Die Verfolgung begann auf der A1 in Richtung Norden, nachdem sich ein Mercedes-Van einer Kontrolle entzogen hatte. Die Flucht endete schließlich nach circa 36 Kilometern in Lütjenbrode. „Der Fahrer war nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis, zudem ergaben sich Hinweise auf den Einfluss von Betäubungsmitteln“, erklärte Polizei-Pressesprecher Christoph Münzel. 

Gegen 22.50 Uhr befuhr eine Besatzung des Polizei- Autobahn- und Bezirksrevieres Scharbeutz die A1 in Richtung Fehmarn. Kurz vor der Anschlussstelle Neustadt-Pelzerhaken fiel den Beamten ein grauer Mercedes-Van mit auswärtigem Kennzeichen auf, der auffällig langsam fuhr. „Um eine Verkehrskontrolle auf dem nächsten Parkplatz durchführen zu können, setzte sich der Streifenwagen auf der rechten Fahrspur vor den Mercedes, und der Fahrer wurde mittels Leuchtschrift aufgefordert, zu folgen“, teilte Münzel weiter mit. Der Fahrer entschied sich jedoch dafür, den Streifenwagen links zu überholen und beschleunigte im Anschluss auf circa 160 km/h. Der Streifenwagen folgte dem Mercedes defensiv mit ausreichendem Abstand, um den Fahrer nicht zu gefährlichen Fahrmanövern zu verleiten. Im Laufe der Verfolgung wurden weitere Streifenwagenbesatzungen der umliegenden Dienststellen in den Einsatz eingebunden. Kurz vor der Anschlussstelle Jahnshof wechselte der flüchtende Mercedes auf den rechten Fahrstreifen. „Als der Streifenwagen diese Chance zum Überholen auf dem linken Fahrstreifen nutzen wollte, wechselte der Mercedes jedoch ruckartig zurück auf den linken Fahrstreifen und verhinderte damit dieses Überholmanöver“, teilte der Polizeisprecher mit. 

Mit 100 km/h auf der Bergstraße in Heiligenhafen

An der Anschlussstelle Heiligenhafen-Mitte verließ der Mercedes die A1 und der kurvige Abfahrtsbereich wurde mit einer Geschwindigkeit von circa 95 km/h befahren, wobei der Fahrer in einer Rechtskurve auf den Fahrstreifen des Gegenverkehrs geriet, wo sich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise keine anderen Fahrzeuge befanden. Der Fahrer des Mercedes befuhr anschließend die Bergstraße in Heiligenhafen mit einer Geschwindigkeit von circa 100 km/h, überholte dabei mehrere andere Autos, wobei der Gegenverkehr stark abbremsen und ausweichen musste, um Schlimmeres zu verhindern. „Die Verfolgung ging anschließend mit kaum verminderter Geschwindigkeit über die Schmiedestraße und den Kreisverkehr am Wilhelmsplatz weiter in den Sundweg“, so die Polizei. In der Zwischenzeit war an der Kreuzung Sundweg/Klaustorfer Weg (B 501) eine Straßensperre eingerichtet worden, die aus einem Streifenwagen und einer Nagelsperre bestand. 

Als der flüchtende Mercedesfahrer diese Stelle erreichte, versuchte er, mit einem Lenkmanöver die Straßensperre zu umfahren, wobei er nur knapp an dem abgestellten Streifenwagen vorbeifuhr. Trotz dieses Ausweichmanövers überfuhr der Mercedes mit Vorder- und Hinterrad der Beifahrerseite die Nagelsperre, was in der Folgezeit zum langsamen Luftverlust in den beiden Reifen führte. Aber auch dieser Umstand bewegte den Fahrer des Mercedes zunächst nicht dazu, anzuhalten. Auf dem Sundweg in Richtung Lütjenbrode geriet das Auto in einer Rechtskurve erneut in den Gegenverkehr, sodass zwei entgegenkommende Autos stark abbremsen und auf den Grünstreifen ausweichen mussten.

Auf Beifahrerseite nur noch auf den Felgen unterwegs

Kurz vor dem Ortseingang Lütjenbrode lösten sich bei den mittlerweile platten Reifen Teile des Mantels ab, sodass der Mercedes auf der Beifahrerseite nur noch auf den Felgen unterwegs war. Nach dem Erreichen des Ortseingangs geriet der Mercedes ein letztes Mal auf die Gegenfahrspur, bevor der Fahrer das Auto in der Bahnhofstraße in eine Bushaltestelle lenkte und dort schließlich stehen blieb. Der Mercedes wurde anschließend sofort mit mehreren Streifenwagen umstellt. 

Nach kurzer Zeit wurde die Schiebetür der Fahrerseite von innen geöffnet und es wurden nacheinander zwei Männer und eine Frau aus dem Innenraum herausgeholt. Noch vor Ort konnte aus dieser Gruppe ein 19-jähriger Hamburger als Fahrer des Mercedes ermittelt werden. Bei den Mitfahrern handelte es sich um einen 16-Jährigen aus dem Landkreis Stade in Niedersachsen sowie um eine 18-Jährige aus dem Landkreis Harburg in Niedersachsen. 

Hinweise auf Betäubungsmitteleinfluss

Da bei dem 19-jährigen Fahrer Hinweise auf Betäubungsmitteleinfluss vorlagen, wurde die Entnahme einer Blutprobe angeordnet. Es wurde außerdem ermittelt, dass der Fahrer nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war. Gegen den Hamburger wird nun wegen mehrerer Straftaten und Ordnungswidrigkeiten ermittelt.

In diesem Zusammenhang werden noch weitere Zeugen oder Geschädigte gesucht, die während der Verfolgungsfahrt von dem grauen Mercedes-Van gefährdet wurden. Diese Personen werden gebeten, sich telefonisch unter 04524/70770 bei der Polizei zu melden.

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