Symbolbild Ferienwohnungen.
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Die Vermietung von Ferienwohnungen und ganzen Ferienhäusern in Wohngebieten ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Trend geworden.

Durchmischung eindämmen

Neue Ferienwohnungen in Wohngebieten: Heiligenhafens Politik will klare Regeln

  • Patrick Rahlf
    VonPatrick Rahlf
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Heiligenhafens Politik hat lebhaft über den Schutz der Wohngebiete diskutiert. Den Anstoß hat ein Antrag der BfH-Fraktion gegeben. Der Tenor: die Wohngebiete vor einer weiteren Durchmischung mit Ferienwohnungen schützen. 

  • Aus Erstwohnsitzen werden in Heiligenhafen nach einem Immobilienverkauf zunehmend Ferienhäuser.
  • Sämtliche Bebauungspläne zu überarbeiten, hält die Verwaltung zeitlich für nicht stemmbar.
  • Neue Arbeitsgruppe soll alle Wohnviertel untersuchen und Prioritätenliste erstellen.

Heiligenhafen – „Wir dürfen keine weitere Zeit verlieren. Hier wechseln Häuser für 800.000 Euro den Besitzer und gehen im Anschluss in die Ferienvermietung. Heiligenhafener, die solche Häuser suchen, aber schlichtweg nicht bezahlen können, schauen schon lange in die Röhre“, erklärte der BfH-Fraktionsvorsitzende Simon Schulz. Die Forderung seiner Wählervereinigung, sämtliche B-Pläne in Wohngebieten  zu überarbeiten und im Vorfeld mit einer Veränderungssperre zu überziehen, ging vielen Kommunalpolitikern aber etwas zu weit. 

Kuno Brandt: „Das kann ich meiner Verwaltung kaum zumuten“

Auch Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos) intervenierte. „Das kann ich meiner Verwaltung kaum zumuten. Zeitlich wäre es ein riesiger Aufwand, wir sprechen hier immerhin von 20 Bebauungsplänen“, so Brandt. Bekanntlich hat die Stadt Heiligenhafen ein derartiges Vorgehen bereits für den Innenstadtbereich auf den Weg gebracht, „deshalb haben wir da etwas Erfahrung und wissen, wie aufwendig so etwas ist“, erklärte Heiligenhafens Bürgermeister. 

Wir wollen doch alle, dass Heiligenhafen eine lebenswerter Ort bleibt. Jetzt liegt es an uns, Heiligenhafen zu schützen.

Florian Kinnert, BfH-Stadtvertreter

Florian Kinnert (BfH) sprang Simon Schulz im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss zur Seite: „Das Thema ist zu wichtig, als dass man sagen könnte, es sei zu aufwendig und zu teuer, um etwas zu verändern. Wir wollen doch alle, dass Heiligenhafen eine lebenswerter Ort bleibt. Jetzt liegt es an uns, Heiligenhafen zu schützen.“ 

Die restlichen Kommunalpolitiker stimmten der BfH prinzipiell zu, gemeinsam mit der Verwaltung wurde im Anschluss ein Kompromissvorschlag gefunden. „Aus jeder Fraktion wird ein Mitglied in eine Arbeitsgruppe entsandt, die sich intensiv mit den einzelnen Wohngebieten der Stadt auseinandersetzt. Wo ist das Problem gravierend, wo ist es kaum spürbar? So soll eine Prioritätenliste erstellt werden“, fasste die Ausschussvorsitzende Monika Rübenkamp (SPD) zusammen. 

Zudem soll in einer nicht öffentlichen Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses untersucht werden, auf welchen Flächen zukünftig neue Wohngebiete ausgewiesen werden könnte. „Die Nachfrage ist weiterhin riesig“, heißt es in einem weiteren BfH-Antrag.

Keine Mehrheit für Mobilitätskonzept

Nicht gereicht hat es unterdessen für einen Antrag der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung, die gerne ein Mobilitätskonzept für das gesamte Stadtgebiet auf den Weg gebracht hätte. Rund 80000 Euro würde dieses kosten und sei als Ergänzung zum Verkehrskonzept im Stadtkern zu sehen. „Wir wollen doch alle, dass Heiligenhafen eine fahrradfreundliche Stadt wird und auch der Autoverkehr sinnvoll geführt wird“, erklärte Monika Rübenkamp. Doch die hohen Kosten wirkten für viele ihrer Stadtvertreterkollegen abschreckend. „Das wäre eine erhebliche Summe, die in den Nachtragshaushalt eingestellt werden müsste. Wir haben große Projekte wie die Feuerwehr und einen neuen Kindergarten vor der Brust, deshalb plädieren wir dafür, im Herbst erst mal einen Kassensturz zu machen. Wo steht Heiligenhafen finanziell, was können wir uns leisten?“, erklärte der CDU-Fraktionssprecher Gerd Panitzki. Auch den Antrag auf Errichtung einer Boulebahn am Eichholzweg hätte die CDU aus Kostengründen mittlerweile wieder zurückgezogen. „Die Kommunalaufsicht hat uns angezählt“, erinnerte Panitzki. 

Auch eine zehnminütige Sitzungsunterbrechung brachte keine Mehrheit für den Antrag, obwohl sich einige BfH-Mitglieder von der sofortigen Notwendigkeit überzeugen ließen. Die Mehrheit sah es wie Manfred Ebken (Fraktion Zukunft 20): „Wir wollen ein Mobilitätskonzept, aber aufgrund der Kosten nicht sofort.“ Mit zehn Ja- und zwölf Neinstimmen (bei zwei Enthaltungen) wurde der SPD-Antrag abgelehnt.

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