HVB würden mit einer kleinen Binnensee-Fähre gerne einem drohenden Verkehrsinfarkt entgegenwirken

Kreis erteilt Wassertaxi Absage

+
In den 60er-Jahren transportierte die Binnenseefähre „Seemöwe“ Badegäste aus der Stadt zum Strand auf dem Steinwarder.

HEILIGENHAFEN -ft- Vom Personenfährverkehr auf dem Heiligenhafener Binnensee, wie er in früheren Jahren bis zum Ende der Butterschifffahrt praktiziert worden ist, zeugen viele alte Postkarten. Er war damals das touristische Highlight in der Warderstadt. Die Badegäste wurden von der Brückstraße und dem Eichholzweg zum Strand übergesetzt. Eine Anfrage der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB), ein elektrisch angetriebenes umweltfreundliches Wassertaxi auf dem Binnensee zu betreiben, hat die Untere Naturschutzbehörde (UNB) jetzt abgelehnt.

Mit Unverständnis reagierten HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel und Gerhard Poppendiecker (SPD) als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses auf die Ablehnung des Kreises. Das Wassertaxi wäre eine gute Antwort auf einen drohenden Verkehrsinfarkt in Heiligenhafen, denn durch mehr Gäste wird zwangsläufig auch die Verkehrsbelastung in der Hafenstraße, Am Strande und auf dem Eichholzweg zunehmen. Angedachte Anlegestellen wären am Ferienpark im Westen, dem Parkplatz der Ameos-Klinik im Süden, am Nordufer des Binnensees in Höhe Abzweigung Graswarderweg und im Nordosten auf Höhe der Brückstraße. Überall gebe es schon feste Anleger, zum Teil als Schwimmbrücken, die ein leichtes Ein- und Aussteigen auch für mobilitätseingeschränkte Menschen möglich machen würden. Doch die Untere Naturschutzbehörde lehnt das Vorhaben, ohne Einzelheiten zu kennen, mit der Begründung des Vogelschutzes, der Biotopverbundfunktion und des Uferschutzes ab. Gerhard Poppendiecker hatte daraufhin an Landrat Reinhard Sager (CDU) geschrieben, der nicht selber antwortete, aber mitteilen ließ, dass man die Bedenken der UNB teile. 

Poppendiecker: „Für mich ist das purer Unsinn, den ich schon als Willkür bezeichnen möchte. Zum Vogelschutz: Auf dem Binnensee tummeln sich viele Enten und Schwäne, die sich hier wohlfühlen und sich durch nichts, auch nicht durch die schnellen Sicherungsboote der Segelschule, stören lassen. Punkt zwei: Biotopverbundfunktion. Der Binnensee ist ein durchfließendes Gewässer, das durch den Durchlass an der Dammbrücke mit der Ostsee verbunden ist und somit auch auf den Wasserstand der Ostsee reagiert. Der angeführte Uferschutz ist nicht gefährdet, denn ein Elektroboot, das circa fünf Stundenkilometer fährt, verursacht keine meterhohen Wellen.“ Was Poppendiecker aber besonders ärgert, ist die Tatsache, dass einem Gast auf dem Steinwarder eine Genehmigung erteilt wurde, mit seinem Boot privat und zum Ver- gnügen den Binnensee in der Zeit von April bis September zu befahren. In diesem Zeitraum würden die HVB auch nur das Wassertaxi einsetzen, da der Individualverkehr auf der Straße in der Nachsaison nachlasse. Wie der SPD-Kommunalpolitiker betonte, gebe es noch zwei Fischer, die den Binnensee mit ihrem Boot mit Motor befahren dürfen. „Woanders geht alles, aber wenn in Heiligenhafen etwas Neues geplant wird, meint man beim Kreis, jetzt geht die Welt unter.“ Das erlebe er, seitdem er Politik mache. 

Wie Joachim Gabriel der HP sagte, sei der Gedanke für ein Wassertaxi auf dem Binnensee bei der Landesgartenschau in Eutin entstanden, wo ein Wasserfahrzeug eingesetzt war. Die HP sprach auch den stellvertretenden Landrat Timo Gaarz (CDU) auf die Sache an. Gaarz will sich in Eu- tin über die Anfrage der HVB nach einem Wassertaxi informieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.