Zustimmung des Stadtentwicklungsausschusses wird begleitet von turbulenten Protesten und Zwischenrufen

Ferienpark-Vorhaben nimmt erste Hürde

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Dort, wo jetzt der Kursaal steht, könnte schon bald das zehngeschossige Gebäude seinen Platz finden.

HEILIGENHAFEN -ft- Mit neun Ja-Stimmen und vier Enthaltungen hat sich der Heiligenhafener Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstagabend, trotz massiver Proteste von Ferienparkbewohnern, für das vorgestellte Bünning-Bauvorhaben ausgesprochen. Auf dem Gelände der Kurhausgaststättenbetriebe sollen neue gastronomische Einheiten, eine Bowlingbahn, ein Kino, eine Apotheke und auch ein zehngeschossiger Gebäudekomplex mit Wohnungen und einer Skybar mit Dachterrasse entstehen (wir berichteten).

Folkert Loose von der CDU kündigte einen Ergänzungsantrag seiner Partei zum Bauvorhaben an, der die Möglichkeit von Ergänzungswünschen vorsehe. So möchte die CDU nicht, dass hier im Schnelldurchgang nach Paragraph 13 Baugesetzbuch die Sache „im vereinfachten Verfahren durchgepeitscht wird“, sagte Loose.

Das Abstimmungsergebnis war begleitet von einer aufgebrachten Stimmung im Saal. Mit Zwischenrufen wie „Wir sind das Volk“ und heftigen Diskussionsbeiträgen machten die Gegner des Bauvorhabens ihrer Verärgerung Luft. Das Publikumsinteresse bei dieser Ausschusssitzung war so groß, dass nicht alle Besucher einen Platz im Binnensee-Pavillon fanden und die Diskussion aus den Gängen verfolgen mussten.

Eine souveräne Moderation gelang der Vorsitzenden des Stadtentwicklungsausschusses, Monika Rübenkamp (SPD), die die hitzige Debatte couragiert leitete. Zu Beginn des Tagesordnungspunktes stellten Investor Hans-Jürgen Bünning und Architekt Jan F. Gollus das Projekt vor. Bünning sprach von einer „Bereicherung des Ferienparks“, der durch einige erfolgreich realisierte Projekte vom touristischen Geschehen abgekoppelt sei. So sollen im Bereich der heutigen Kurhausgaststättenbetriebe eine Kegelbahn, ein Kino, dessen Bühne auch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann, ein Restaurant, eine Pizzeria, ein Lebensmittelmarkt und eine Apotheke entstehen. Dort, wo jetzt der Kursaal steht, ist ein zehngeschossiges Bauwerk mit Ferienwohnungen vorgesehen. Im Obergeschoss hat der Architekt eine Skybar geplant, von der aus man einen weiten Blick über den Binnensee und die Ostsee haben wird. „Uns ist daran gelegen, so viel Aussicht wie möglich zu schaffen“, sagte Jan F. Gollus.

Diese gute Aussicht möchten aber auch die Wohnungseigentümer im Ferienpark behalten. Ihr Protest war auf der Versammlung unüberhörbar. Der Innenhof des Ferienzentrums werde durch die Bebauung zum Hinterhof, sagten Stadtplaner Gerold Krüger und Reinhard Denß von der „Initiative Ferienpark“. Wenn das zehngeschossige Bauwerk entstehen würde, ständen einige Bewohner des Ferienparks nicht nur mit dem Rücken, sondern mit dem Gesicht zur Wand, so die Initiative. Um das Bauvorhaben durchzusetzen, ist eine Änderung des gültigen Bebauungsplanes notwendig. „Keine B-Planänderung“ stand auf einem Banner, das im Saal gezeigt wurde und Beifallstürme auslöste.

Doch mit dem Mehrheitsbeschluss im Heiligenhafener Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstagabend ist die erste Hürde zur Projektrealisierung im Ferienpark genommen und die neue Richtung vorgegeben worden. Jetzt muss die Stadtvertretung am 27. September eine endgültige Entscheidung treffen.

Die „Initiative Ferienpark“ kündigte unterdessen an, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, um hier gegenzusteuern. Schließlich gehe es hier auch um eine Wertminderung der betroffenen Wohnungen im Ferienpark, so Gerold Krüger. Die Vertreter der „Initiative Ferienpark“ machten an Zahlen deutlich, dass die 1694 Wohnungen im Ferienpark ein großer Wirtschaftsfaktor für den Tourismus vor Ort seien. Krüger mahnte die städtebauliche Verträglichkeit an, die dann nicht mehr gegeben sei.

Wie die Ausschussvorsitzende Monika Rübenkamp (SPD) noch einmal deutlich machte, gehe es auf dieser Sitzung um einen Grundsatzbeschluss, erst danach komme die Feinplanung in einem vorhabenbezogenen B-Plan. So gebe der Grundsatzbeschluss dem Investor die Möglichkeit, weiter zu planen. Der B-Plan 12 sehe jetzt vor, dass hier wechselndes Wohnen möglich sei und Ferienwohnungen entstehen können. Das soll nicht geändert werden. Heute gehe es nur um ein klares Ja oder Nein, um die grundsätzliche Richtung weiterzuverfolgen, erklärte Rübenkamp. Danach werde es erst genauere Planungen geben. Auch Anträge dazu können dann eingebracht werden, sodass in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Dezember das Gleiche noch einmal besprochen werde, erst dann komme der Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan. Heiligenhafens Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) hatte im Vorfeld schon von einem „Glücksfall“ für den Ferienpark gesprochen. Für ihn gehe es darum, den Ferienpark aufzuwerten und erlebbar für die Zukunft zu machen, sagte Müller auf der Versammlung.

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