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Vom Krieg aus dem Leben gerissen: Zwei Frauen aus Kamerun flüchten aus der Ukraine nach Heiligenhafen

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Von: Hans-Jörg Meckes

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Die beiden Kamerunerinnen Christelle Happi und Glory Gwemdjo flüchteten aus der Ukraine nach Heiligenhafen
Honorarkonsul Prof. Dr. Stefan Liebing (hinten, v.l.) und Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brandt empfingen Christelle Happi (v.l.) und Glory Gwemdjo in der Warderstadt. Gwemdjos Onkel Marius Tresors (r.) arbeitet im Ameos-Klinikum in Heiligenhafen als Gesundheits- und Krankenpfleger und hat die beiden in den ersten beiden Tagen in seinem Zimmer schlafen lassen. © Hans-Jörg Meckes

Zwei Frauen aus Kamerun, die in der Ukraine in der Ausbildung waren, mussten wegen des Krieges fliehen und sind nun in Heiligenhafen angekommen. Dabei begrüßten die der Honorarkonsul von Kamerun und Bürgermeister Kuno Brandt.

Heiligenhafen – Knapp zwei Millionen Menschen sind wegen des Krieges in der Ukraine bereits auf der Flucht. Über 120000 Geflüchtete aus der Ukraine hat Deutschland bis jetzt aufgenommen. Auch die beiden Kamerunerinnen Christelle Aimee Chimnie Happi und Glory Gwemdjo Fonkoeng, die in der Ukraine noch bis vor zwei Wochen in der medizinischen Ausbildung waren, sind vor der russischen Armee geflohen. Ihr Weg nach Deutschland gestaltete sich dabei schwieriger als der von ukrainischen Staatsbürgern.

Christelle Happi studierte in der ostukrainischen Stadt Dnipro Medizin und stand kurz davor, ihr Abschlusszeugnis in den Händen zu halten. Dann marschierte die russische Armee in das Land ein, und die 34-Jährige fasste am 27. Februar zusammen mit ihrer 25-jährigen Freundin Glory Gwemdjo Fonkoeng, die in der Ukraine in ihrer Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin im zweiten Lehrjahr war, den Entschluss, zu fliehen.

Unangenehme Erfahrung mit Rassismus

Sie fuhren zunächst von Dnipro nach Lemberg, um an die polnische Grenze zu kommen. Dort haben die beiden die unangenehme Erfahrung machen müssen, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe anders behandelt wurden als die ukrainischen Flüchtlinge, schildert Christelle Happi. Auch sie versuchen nur, zu überleben. Es habe sich schmerzhaft angefühlt, wie sie sich in getrennten Schlangen anstellen mussten, die zwischen hellen und dunklen Hautfarben getrennt waren. Die beiden hatten ihre kamerunischen Pässe mit ihren ukrainischen Aufenthaltstiteln dabei, aber hatten trotzdem Angst, dass sie ihnen in dieser Situation einfach abgenommen werden, erzählt die Ärztin weiter. Nachdem sie an der polnischen Grenze nicht weiterkamen, fuhren sie mit dem Bus in die slowakische Hauptstadt Bratislava, wo sie auf einer Luftmatratze schlafen mussten. Von dort ging es weiter nach Tschechien in die Hauptstadt Prag, wo sie einen Zug nach Berlin nehmen konnten. Von der deutschen Hauptstadt fuhren sie mit der Bahn nach Großenbrode, wo sie Glory Gwemdjos Onkel Marius Tresors empfing, der sie die ersten beiden Tage in seinem Zimmer in Heiligenhafen schlafen ließ. Er arbeitet in der Klinik als Gesundheits- und Krankenpfleger.

Mittlerweile hat das Ameos-Klinikum den beiden jungen Frauen ein Doppelzimmer zur Verfügung gestellt, erzählt der ärztliche Direktor Holger Jahn. Sie fühle sich momentan erst einmal ruhig in Heiligenhafen, sagt Christelle Happi, aber die Situation sei immer noch sehr schwierig für sie. Schließlich seien die Freundinnen von einem auf den anderen Tag komplett aus ihrem Leben gerissen worden und müssen jetzt wieder von vorn anfangen. Die Anerkennung ihres Studiums in der Ukraine sei in Deutschland mit viel Zeit und einer neuen Prüfung verbunden, erklärt Holger Jahn.

Unterstützung erhalten die Frauen vom Honorarkonsul der Republik Kamerun für Norddeutschland, Prof. Dr. Stefan Liebing, und von Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brandt, die sie in Heiligenhafen begrüßten. Wer für die beiden etwas spenden möchte in Form von Geld oder Sachspenden, kann sich an ihren Verwandten Marius Tresors per E-Mail an marius.vonemop@gmail.com wenden.

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