Arbeitsrecht

Coronavirus: Darf mein Chef Urlaubsreisen verbieten?

Die Reise nach Italien ist schon lange gebucht, doch der Chef verbietet Ihnen wegen des Coronavirus dorthin zu fahren. Darf er das oder überschreitet er seine Kompetenzen?

  • Eigentlich dürfen Arbeitnehmer ihre Freizeit dort verbringen, wo sie wollen.
  • Kann der Arbeitgeber in Zeiten des Coronavirus vorschreiben, wo seine Angestellten Urlaub machen?

Die Osterferien stehen bald an und viele Arbeitnehmer planen momentan ihren Urlaub oder haben schon eine Reise gebucht. Wer nach Italien will, wird wegen des Coronavirus* wahrscheinlich von selbst auf einen Trip dorthin verzichten. Was ist aber mit Reisen in Ländern, in denen keine Reisewarnungen bestehen? Darf mein Chef den Urlaub in einem Land verbieten?

Darf der Chef Urlaub wegen des Coronavirus verbieten?

Die Antwort ist einfach: Nein. Jeder Arbeitnehmer darf dorthin reisen, wo er möchte. Der Arbeitgeber darf sich nicht in die Wahl des Urlaubsortes einmischen. Denn Urlaub* ist reine Privatsache. Das gilt auch, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnungfür ein bestimmtes Land ausgesprochen hat. Allerdings kann der Chef seinen Angestellten bitten, sich ein anderes Ziel zu suchen. Arbeitsrechtliche Konsequenzen kann er aber nicht androhen.

Zwar kann der Arbeitgeber nicht vorschreiben, in welchem Land Sie Urlaub machen dürfen, aber er kann eine Urlaubssperre verhängen. Dies geht allerdings nicht so einfach. Eine Urlaubssperre darf nur aus dringenden betrieblichen Gründen verhängt werden. Dazu zählt, wenn durch den Urlaub die betriebliche Organisation oder die technischen Arbeitsabläufe im Unternehmen gefährdet werden.

Dies ist der Fall, wenn in Betrieben personelle Engpässe bestehen und ein Auftrag fristgerecht erfüllt werden müssen. Auch wenn krankheitsbedingt ein Engpass entsteht, kann der Arbeitgeber Urlaubswünsche ablehnen.

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Dürfen Dienstreisen wegen des Coronavirus verweigert werden?

Wie sieht es bei Dienstreisen aus? Dürfen Arbeitnehmer diese aus Angst vor dem Coronavirus ablehnen? Liegt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vor oder leidet ein Angestellter unter Vorerkrankungen, ist es möglich, sich einer Dienstreise in ein vom Coronavirus betroffenem Land zu verweigern*. Wer keine Vorerkrankungen hat und in ein Land ohne Reisewarnung geschickt wird, muss die Dienstreise antreten. Am besten ist es aber, immer mit dem Chef über seine Bedenken zu sprechen. Eventuell findet sich eine andere Lösung.

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