Auf dem Bau, im Geschäft

Körperliche Arbeit: Hält sie fit oder schadet sie der Gesundheit? Studie mit erstaunlichem Ergebnis

  • Andrea Stettner
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Wer körperlich hart arbeitet, den tröstet der Gedanke, dass er dadurch zumindest fit bleibt. Dänische Wissenschaftler kommen nun jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis.

Ob auf dem Bau, in Kliniken oder im Ladengeschäft – körperliche Arbeit kann ganz schön anstrengend sein. Wer den ganzen Tag schwere Dinge hebt, Ware verräumt oder ältere Menschen pflegt*, der hält sich aber zumindest körperlich fit und spart sich die Joggingrunde. Oder etwa doch nicht? Dänische Wissenschaftler kommen tatsächlich zu einem anderen Ergebnis.

Studie: Körperliche Arbeit hält nicht fit, sondern schadet eher der Gesundheit

Ein Forscherteam des „National Research Centres for the Working Environment“ in Kopenhagen (Dänemark) hat die Auswirkungen von körperlicher Arbeit auf die Gesundheit mit denen von Freizeitsport verglichen. Doch statt eines positiven Effekts von Arbeit auf den Körper festzustellen, war tatsächlich das Gegenteil der Fall: Körperliche Arbeit schade sogar der Gesundheit, während Freizeitsport sich positiv auf den Organismus auswirke. So stellten die Wissenschaftler während ihrer Vergleichsstudie fest, dass körperliche Arbeit

  • die Sterberate bei hoher körperlicher Belastung im Beruf um 13 Prozent erhöhe, bei sehr hoher Belastung sogar um 27 Prozent,
  • die Häufigkeit von kardiovascularen Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Bluthochdruck) steige – bei hoher körperlicher Belastung im Beruf um 15 Prozent (im Vergleich zu niedriger Belastung), bei sehr hoher körperlicher Anstrengung sogar um 35 Prozent.

„Viele Menschen mit manuellen Jobs glauben, dass sie durch ihre körperliche Aktivität bei der Arbeit fit und gesund werden und sich daher entspannen können, wenn sie nach Hause kommen. Leider legen unsere Ergebnisse nahe, dass dies nicht der Fall ist“, kommentierte Studienautor Professor Andreas Holtermann das Ergebnis. Stattdessen „fühlen sich die Menschen nach 10.000 Schritten beim Reinigen oder sieben Stunden Stehen in einer Produktionslinie müde“, so Holtermann.

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Paradox: Nicht jede Bewegung gesund

Das Paradoxe daran: Während sich körperliche Bewegung bei der Arbeit mit zunehmender Intensität negativ auf die Gesundheit der Arbeitnehmer auswirken soll, ist bei Bewegung in der Freizeit genau das Gegenteil der Fall – Sport rettet sogar Leben! So senke Freizeitsport laut der Studie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 23 Prozent und verringere das Sterberisiko um bis zu 41 Prozent. Die Gründe dafür wurden in der Studie nicht untersucht.

Ein bisschen Bewegung in der Freizeit sollten sich also auch körperlich hart arbeitende Menschen angewöhnen. „Ein flotter 30-minütiger Spaziergang wird Ihrer Gesundheit zugute kommen, indem Sie Ihre Herzfrequenz erhöhen und Ihre kardiorespiratorische Fitness verbessern, während arbeiten die Herzfrequenz nicht ausreichend erhöht, um die Fitness zu verbessern“, erklärt der Studienleiter weiter. „Darüber hinaus erhöht eine Arbeit, bei der mehrere Stunden am Tag gehoben wird, den Blutdruck für viele Stunden, was mit dem Risiko von Herzerkrankungen verbunden ist, während kurze Ausbrüche intensiver körperlicher Aktivität in der Freizeit den Blutdruck nur kurzzeitig erhöhen.“

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So wurde die Studie durchgeführt

Für die Studie, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde, wurden 104.046 Frauen und Männer zwischen 20 und 100 Jahren befragt. Sie waren Teil einer dänischen Bevölkerungsumfrage zwischen 2003 und 2014. Dabei mussten die Teilnehmer Fragen zu ihrer Aktivität in der Freizeit und während der Arbeitszeit beantworten. Anhand dessen wurde ihr Bewegungsgrad in beiden Kategorien als niedrig, moderat, hoch oder sehr hoch eingestuft. Anschließend folgte eine mediane Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren. In der Analyse wurden laut der Wissenschaftler verschiedene Faktoren ausgeglichen, sodass man die Ergebnisse nicht mit Lebensstil, Gesundheitszustand oder sozialem bzw. wirtschaftlichem Status erklären kann. (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Weitere Quelle: Pressemitteilung European Society of Cardiology (ESC)

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Platz 10: Berufskraftfahrer/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 28.775 Euro. © dpa
Platz 9: Zahnarzthelfer/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 28.664 Euro.
Platz 9: Zahnarzthelfer/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 28.664 Euro. © dpa
Platz 8: Koch / Köchin mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 27.089 Euro.
Platz 8: Koch / Köchin mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 27.089 Euro. © dpa
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Platz 2: Küchengehilfin / Küchengehilfe mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 21.342 Euro. © dpa
Platz 1: Zimmermädchen / Roomboy mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 20.641 Euro.
Platz 1: Zimmermädchen / Roomboy mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 20.641 Euro. © dpa

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/imago-images

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