Mit wenig Geld zum Aktionär

Trotz der Sorge vor einer weltweiten Konjunktureintrübung erreichen die wichtigsten Indizes der Aktienmärkte immer neue Höchststände.

Über eine Million Deutsche sind in den letzten Jahren Aktionäre geworden – auch weil die Zinsen immer weniger Gewinne abwerfen. Einsteigen ist sogar mit wenig Geld möglich. Der Schritt will aber gut überlegt sein: Manche Experten warnen vor einer Überhitzung des Aktienmarkts. Doch es gibt Alternativen.

Nachdem Aktionäre Ende 2018 sehr sorgenvoll auf ihr Depot geblickt haben, ist die Stimmung an den Börsen ein Jahr später ausgezeichnet. Das überrascht, weil durch den Zollstreit der USA mit China, dem ungeklärten Brexit und der sich eintrübenden Konjunktur in Deutschland viele Anleger im Sommer noch Angst vor einer globalen Rezession hatten. Doch gegen Ende dieses Jahres erreichen die wichtigsten Indizes der verschiedenen Märkte immer neue Höchststände. So kletterte zum Beispiel der US-Leitindex Dow Jones Industrial im November erstmals über die psychologisch wichtige Marke von 27.800 Punkten. Das verhalf auch dem deutschen Leitindex DAX zu einem neuen Jahreshoch. Damit hat der DAX seit dem Kurseinbruch Ende 2018 rund 25 Prozent zugelegt.

Woher das jüngste Hoch kommt, ist auch unter Experten umstritten. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank glaubt, die Handelskriege werden bald ein Ende haben. Deshalb würden Anleger die Kursrückgänge für Zukäufe nutzen. Betriebswirtschaftsprofessor Leef H. Dierks von der Fachhochschule in Lübeck vermutet, dass die Europäische Zentralbank zukünftig europäische Aktien kaufen wird – so wie es beispielsweise bereits die Zentralbanken in Japan oder in der Schweiz machen. Eine solche geldpolitische Maßnahme würde die Aktienkurse wohl zumindest kurzfristig in die Höhe treiben. Ein weiterer Grund für den DAX-Anstieg ist der außerordentliche Rückgang der Renditen am Bondmarkt.

Wer jetzt einsteigen und an der Börse mit Aktien handeln will, braucht auf jeden Fall starke Nerven: Die Aktienkurse schwanken oft heftig und neben hohen Renditen lauern natürlich nicht minder hohe Risiken. Viele Menschen haben ihr gesamtes Vermögen an der Börse verzockt. Dennoch steigt die Zahl der Börsianer. 2018 lag die Aktionärsquote laut Deutschem Aktieninstitut bei 16,2 Prozent – das entspricht einer Zunahme von über einer Million Menschen in Deutschland seit 2014. Hauptgrund dafür dürfte die DAX-Entwicklung seit 1998 sein. Seitdem ist der DAX um mehr als das Elffache auf über 13.000 Punkte gestiegen ist. Im Schnitt erwirtschaftet der DAX eine Rendite von über acht Prozent.

Schnell einsteigen kann sich also lohnen. Wer dafür nicht das nötige Kleingeld hat, kann bei der Bank einen Wertpapierkredit aufnehmen. Dabei handelt es sich um ein kurzfristiges Darlehen, das wie ein Dispo funktioniert. Dabei können die zu erwerbenden oder die bereits im Depot befindlichen Wertpapiere beliehen werden. Die Beleihungshöhe hängt davon ab, ob es sich um Fonds, Anleihen, Aktien, Zertifikate, Gold, et cetera handelt. Steigen die Kurse, muss sich der Kreditnehmer keine Sorgen machen. Wenn die Kurse fallen, muss dieser das Darlehen aber in der Regel innerhalb von zwei Wochen teilweise zurückzahlen. Wer keine Aktien besitzt, wird wegen der Nullzinspolitik kaum noch eine Möglichkeit haben, anderweitig ein Vermögen aufzubauen.

Andererseits sind Wertpapierkredite natürlich hochspekulativ. Nicht wenige Kreditnehmer haben die Hälfte ihres Depots an der Börse verloren. Zusätzlich verlangt die Bank die Kreditzinsen. Sollte der Kapitalverlust so hoch sein, dass das Depot nicht mehr zur Sicherung des Kredits herangezogen werden kann, verlangt der Broker den gewährten Kredit meistens sofort zurück. Am Ende droht der Totalverlust des mühsam ersparten Kapitals. Deswegen raten viele Experten insbesondere Anfängern, keine Aktien auf Pump zu kaufen. Vor jedem Investment sollten alle Kredite getilgt werden. Selbst wenn Geld auf dem Konto schlummert, sollte nur das investiert werden, was in den nächsten zehn Jahren nicht benötigt wird.

Denn ein weiterer Grund, warum die Aktien trotz der Konjunkturabkühlung so stark steigen, ist auch die Nullzinspolitik. Wenn Anleger keine Zinsen für ihr Erspartes mehr bekommen, für größere Vermögen sogar Strafzinsen zahlen müssen, bleibt fast nur der Weg an die Börse. Wie heiß die Märkte gelaufen sind, verrät ein Blick auf das sogenannte Shiller-KGV des Nobelpreisträgers Robert Shiller. Er setzt die Aktienkurse in Bezug zu den Durchschnittsgewinnen der Unternehmen in den letzten zehn Jahren. Der Shiller-KGV ist aktuell mit rund 31 etwa doppelt so hoch wie im langfristigen Mittel. Jedes Mal, wenn er über 25 stieg, das war der Fall 1930, in den 1960er- und 1990er-Jahre und 2008, gab es an den Börsen größere Abstürze.

Welche Alternative bleibt Sparern? Die Verbraucherzentrale rät zu ETFs, also Exchange-Traded Funds. Sie seien mit Kosten von null bis 0,8 Prozent des Fondsvermögens sehr günstig. Außerdem ließen sie sich in einer finanziellen Notlage oder bei einem Börsencrash schnell verkaufen. Des Weiteren sind ETFs laut Verbraucherzentrale zum einen relativ sicher, weil sie im Falle einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt sind. Zum anderen werde das Anlagerisiko durch die Risikostreuung gemindert. Wer zum Beispiel einen MSCI-World-ETF kauft, bekommt die Wertentwicklung von mehr als 1500 Aktien aus der ganzen Welt. Viele Direktbanken bieten sogar Fondssparpläne mit ETFs an. „Diese ermöglichen es Anlegern“, heißt es von der Verbraucherzentrale, „sogar dann in ETFs zu investieren, wenn sie nur 25 Euro im Monat ansparen wollen.“

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