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Geringverdienend trotz Vollzeitjob: Diese Branchen sind betroffen

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Von: Carina Blumenroth

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Wenig Lohn trotz Vollzeitarbeit – das trifft auf fast ein Fünftel der Beschäftigten in Deutschland zu. Sie gehören zu den Geringverdienenden.

„Fast ein Fünftel der Beschäftigten kommt trotz Vollzeit nur auf einen niedrigen Monatsverdienst“, das geht aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Diese untersuchte, in welchen Branchen und Regionen der Anteil der geringverdienenden Menschen mit Vollzeitstelle besonders hoch ist.

Geringverdienend trotz Vollzeitstelle – 2020 waren das knapp 19 Prozent der Beschäftigten

Geringverdienend sind laut Hans-Böckler-Stiftung Menschen mit einem Bruttoarbeitsentgelt unter 2284 Euro im Monat. Das betraf im Jahr 2020 knapp 19 Prozent der Beschäftigten. Damit verdienen sie trotz Vollzeitarbeit „weniger als zwei Drittel des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten“.

Eine Geldbörse mit ein paar Scheinen.
Wenig Lohn trotz Vollzeitarbeit – das trifft auf fast ein Fünftel der Beschäftigten in Deutschland zu. Sie gehören zu den Geringverdienenden. ©  Frank Hoermann, Sven Simon/Imago

Geringverdienend trotz Vollzeitstelle: Frauen und junge Vollzeitbeschäftigte besonders betroffen

Bei der Studie ist herausgekommen, dass es bestimmte Bevölkerungsgruppen gibt, die besonders häufig mit niedrigem Lohn trotz Vollzeitarbeit auskommen müssen. Dazu zählen Frauen, junge Vollzeitbeschäftigte, solche mit ausländischer Staatsbürgerschaft und Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland ist ebenfalls ein Unterschied erkennbar, so gibt es in Ostdeutschland einen höheren Anteil an Geringverdienenden.

Geringverdienend trotz Vollzeitstelle: graduelle Verbesserungen

Mit knapp 19 Prozent an geringverdienenden Menschen trotz Vollzeitstelle im Jahr 2020 sank die Zahl der Betroffenen. Im Jahr 2011 galten 21,1 Prozent als geringverdienend, im gleichen Zeitraum stieg die Zwei-Drittel-Verdienstgrenze um zehn Prozent. In Ostdeutschland war ein stärkerer Rückgang erkennbar, das liege laut Verantwortlichen aber daran, dass Ostdeutschland ein höheres Ausgangsniveau als Westdeutschland gehabt habe. Die Studie zeigt, dass der Unterschied zwischen den geringverdienenden Menschen in Ost- und Westdeutschland weiterhin deutlich bleibt. In ostdeutschen Städten und Landkreisen seien die Quoten der Geringverdiendenen häufig bei 30 Prozent. Städte im Westen blieben unter dieser Marke, wenn teilweise nur knapp, heißt es in der Studie.

„Unsere Analyse zeigt einerseits einige positive Tendenzen: In den letzten Jahren ist es gelungen, den unteren Entgeltbereich zurückzudrängen“, sagt Helge Emmler, ein Forscher des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Weiter heißt es: „Die geplante Anhebung des Mindestlohnes auf 12 Euro ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Um hier weiterzukommen, ist darüber hinaus eine Stärkung der Tarifbindung erforderlich.“ Der Mindestlohn soll zum 01. Oktober auf 12 Euro angehoben werden.

Geringverdienend trotz Vollzeitstelle: Diese Branchen sind betroffen

Die Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass 2020 besonders folgende Branchen von Niedriglöhnen betroffen waren:

Auch die jeweilige Ausbildung und Qualifikation spiele eine Rolle: Besonders Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind gefährdet, geringverdienend zu sein. 40,8 Prozent von ihnen galten als Geringverdienend, bei Menschen mit Berufsabschluss lag die Quote bei 17,8 Prozent. Bei Menschen mit Hochschulabschluss verringerte sich die Quote noch einmal auf 4,9 Prozent.

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