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Leihen statt Kaufen: Mit der „Bibliothek der Dinge“ können Sie viel Geld sparen

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Von: Anna Heyers

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Weltweit steigt der Konsum immer weiter an. Gleichzeitig landen dabei zahlreiche Produkte im Müll. Durch bestimmte Bibliotheken könnte sich das ändern.

Wussten Sie, dass Bibliothek nicht immer nur Bücherei heißt? In Deutschland gibt es immer mehr „Bibliotheken der Dinge“. Hier können Küchengeräte, Schlitten oder Werkzeuge verschiedenster Art ausgeliehen werden. Und das nur zu einem Bruchteil des Anschaffungspreises, der in den letzten Jahren zum Teil deutlich gestiegen ist. Ein Konzept, das gerade in der heutigen Zeit vermehrt Anklang findet.

Sparpotenzial: Leihen statt Kaufen in der „Bib der Dinge“

Eine Bibliothek der Dinge, wie zum Beispiel die „Bib“ in Bochum, ist besonders dann interessant, wenn es um nicht alltägliche Gegenstände geht. Jetzt, wo etwa Weihnachten und Silvester immer näher rücken, werden etwa besonders viele Fondue- oder Raclette-Sets gekauft. Die aber stehen, abgesehen vielleicht von ein, zwei Wintermonaten, bei den meisten Menschen ungenutzt im Regal.

Käsefondue mit Brot von oben fotografiert.
Ein gemeinsames Fondue, ganz egal, ob mit Käse (s. Foto), Brühe oder Öl, hat für viele Familien Tradition. Nur, ob das Fondue-Set wirklich immer das eigene sein muss? © Dream79/Imago

Auch das neue Hobby macht vielleicht nicht von Anfang an so viel Spaß wie gedacht. Aber das muss man erst einmal herausfinden: Wer beispielsweise Nähen lernen möchte, braucht eine Nähmaschine. Die kann durchaus ins Geld gehen – selbst gebraucht. Warum also nicht einfach leihen, ausprobieren und anschließend wieder zurückgeben? So spart man sich nicht nur den Anschaffungspreis, sondern auch Platz in Schränken oder dem Keller.

Wie funktioniert eine Bibliothek der Dinge?

Das Prinzip dieser besonderen Bibliotheken ist bundesweit sehr ähnlich und unterscheidet sich kaum von den üblichen Büchereien. Für einen Monatsbeitrag bekommt man einen Mitgliedsausweis und mit diesem lassen sich verschiedenste Dinge der Bibliothek der Dinge ausleihen. Der Monatsbeitrag unterscheidet sich bei den unterschiedlichen Standorten.

In der Bochumer „Bib der Dinge“ gibt es zum Beispiel verschiedene Abo-Varianten, von denen das Monatsabo mit 15 Euro das günstigste ist. Damit lassen sich alle Gegenstände des Inventars ausleihen, Lieferungen nach Hause sind möglich und man kann einmal online die Ausleihe verlängern. Für die meisten Artikel gilt eine maximale Ausleihdauer von sieben Tagen. Wird aber etwas länger benötigt, etwa eine Campingausrüstung, kann man das vor Ausleihe durchaus besprechen und anpassen.

Gegen den ewigen Konsum: Trend zum Leihen statt Kaufen

Die Geschäftsführerin der Bib der Dinge in Bochum, Dr. Najine Ameli, sagte gegenüber RTL: „Es gibt Quellen, die behaupten, dass ein Gerät wie der Akkuschrauber sich in seiner gesamten Lebensdauer elf Minuten lang dreht. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist eigentlich absurd.“

Werkzeuge im Baumarkt ausleihen

Es muss nicht immer eine Bibliothek der Dinge sein. Auch im Baumarkt kann man sich diverse Werkzeuge und Großgeräte gegen eine Gebühr leihen. Zwar nicht im Bücherei-Prinzip, aber immer noch um ein Vielfaches günstiger, als die eigene Anschaffung.

„Leihen und Reparieren ist immer da gewesen, aber es gibt jetzt neue technologische Möglichkeiten“, auch der Konsumsoziologe Kai-Uwe Hellmann von der Technischen Universität Berlin sieht den Trend zum Leihen statt Kaufen laut der Deutschen Presseagentur (dpa). Eine Bewegung zu mehr Nachhaltigkeit, die sich auch schon 2018 in einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Yougov abzeichnete. Hier gab bereits jede zweite befragte Person an, Dinge zu reparieren. Kleidung zu mieten, konnte sich jede fünfte Person vorstellen. 39 Prozent sagten, allgemein weniger zu kaufen, der Nachhaltigkeit zuliebe.

Was ist nachhaltiger Konsum?

Durch die Herstellung von Spielzeug, Kleidung, Technik oder andere Verbrauchsgüter werden wertvolle Umweltressourcen benötigt. Diese sind nicht unendlich und auch die Bevölkerung der Erde wächst stetig weiter. Im Rahmen des nachhaltigen Konsums achten deshalb immer mehr Menschen darauf, auf alternative Materialien, neue Konsummodelle und insgesamt umweltfreundlichere Rohstoffe zu setzen.

Konsumieren wie im 20. Jahrhundert, das wird nicht mehr hinhauen. Wir müssen unsere Lebensstile ändern. Die Frage ist: Wie geht das, ohne den gewohnten Lebensstandard aufzugeben?

Dr. Najine Ameli, Geschäftsführerin der Bib der Dinge in Bochum gegenüber RTL

Reparieren statt Wegwerfen

Auch das Thema Reparatur wird unter anderem in der Bochumer Bib aufgegriffen. Regelmäßig finden Veranstaltungen in Form von Repair-Cafés oder auch Workshops (z.B. Siebdruck, Holzwerkstatt) statt. Dazu gehören außerdem offene Werkstätten, wo ehrenamtliche Helferinnen und Helfer Besuchern bei Problemen zur Seite stehen. Angebote wie Repair-Cafés sind bundesweit vertreten und gerade für jüngere Generationen sehr interessant. Einen Überblick über die verschiedenen Angebote gibt zum Beispiel die Seite der Netzwerk Reparatur-Initiativen.

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