Einstweilige Verfügung

Netflix-Satire über Jesus von Gericht abgewatscht - Bischof empört sich über "Gotteslästerer"

Eine Netflix-Satire versetzt die christliche Glaubensgemeinschaft in Aufruhr.
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Eine Netflix-Satire versetzt die christliche Glaubensgemeinschaft in Aufruhr.

Ein Gericht in Brasilien verbietet es Netflix, eine Satire über Jesus weiter anzubieten. Der Film, der den Gottessohn als Witzfigur darstellt, sorgte für erregte Gemüter.

  • Der brasilianische Film "The First Temptation of Christ" ("Die erste Versuchung Christi") stieß der christlichen Glaubensgemeinschaft sauer auf.
  • Ein Richter in Rio de Janeiro erließ deshalb am Mittwoch (8. Januar 2020) eine einstweilige Verfügung gegen die Netflix-Satire, die seit Anfang Dezember auf der Streaming-Plattform abrufbar ist.

Brandanschlag und Petitionen: Aufschrei unter Katholiken über Netflix-Satire ist groß

In dem Weihnachtsspecial der Satiregruppe "Porta dos Fundos" wird Jesus als homosexuelle Witzfigur dargestellt - eine Charakterisierung, die der katholischen Vereinigung "Centro Dom Bosco" gar nicht schmeckte und deshalb Klage einreichte. Die Empörung war sogar so groß, dass nach einer Protestwelle zu Weihnachten ein Brandanschlag gegen die Produktionsfirma in Rio de Janeiro verübt wurde. Dahinter steckt womöglich eine rechtsextreme Gruppe, die sich in der Tradition von nationalsozialistischen Bewegungen der 30er-Jahre in Brasilien sieht, wie die Polizei vermutete.

Der texanische Bischof Joseph Strickland empörte sich auf Twitter: "Habe gerade Netflix abbestellt. Hatte eh keine Zeit, es zu nutzen - aber Gotteslästerer verdienen nicht einen Penny Unterstützung."

Zudem haben zahlreiche Petitionen auf Change.org Millionen von Unterstützer gefunden, die die Entfernung des "blasphemischen" Films fordern.

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Kritik an einstweiliger Verfügung: Oberstes Gericht hebt sie auf

Mit der einstweiligen Verfügung hofft Richter Benedicto Abicair nach eigenen Aussagen, die Gemüter der Katholiken zu beruhigen. Diese Entscheidung fällte er aus "gesundem Menschenverstand heraus". Bis zu einem endgültigem Urteil sollte der Film deshalb aussetzen. Von Brasiliens Anwaltskammer und in den sozialen Medien hagelte es dafür jedoch Kritik. Vorsitzender Felipe Santa Cruz erklärte gegenüber dem brasilianischen Nachrichtenportal G1: "Unser Verfassung garantiert künstlerische Entfaltung. Jede Art der Zensur bedeutet einen Rückschritt und kann von der Gesellschaft nicht hingenommen werden."

Offensichtlich hat sich das Blatt aber nun gewendet. Einige Medien berichten, dass das oberste Gericht die einstweilige Verfügung am Donnerstag wieder aufgehoben hat: "Es ist nicht davon auszugehen, dass eine Satire die Macht hat, die Werte des christlichen Glaubens zu untergraben, die mehr als 2.000 Jahre alt und in der Überzeugung der Mehrheit der Brasilianer verwurzelt sind", begründete Gerichtspräsident José Antonio Dias Toffoli die Entscheidung.

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Weder Netflix noch "Porta dos Fundos" äußerten sich bisher zu dem Wirbel um die Jesus-Parodie. Allerdings war die Satire auch am Mittwochabend nach der einstweiligen Verfügung noch auf dem Streaming-Dienst verfügbar. Auch in Deutschland lässt sich der Film aufrufen.

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