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Nach Schlesinger-Affäre: ARD-Chef Buhrow entzieht RBB-Führung öffentlich das Vertrauen

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Von: Felix Durach

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Tom Buhrow, Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), sitzt in seinem Büro im Gebäude des WDR.
WDR-Intendant Tom Buhrow hat dem RBB öffentlich das Vertrauen entzogen. © Henning Kaiser/dpa/picture alliance

ARD-Chef Tom Buhrow hat dem RBB nach dem Skandal um Patricia Schlesinger öffentlich das Vertrauen entzogen. Es bräuchte nun einen Neuanfang.

Berlin – Als Reaktion auf die Affäre um die mittlerweile abberufene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger hat die ARD-Spitze nun dem Berliner Landesangebot das Vertrauen entzogen. „Wir, die Intendantinnen und Intendanten der ARD, haben kein Vertrauen mehr, dass der geschäftsführenden Leitung des Senders die Aufarbeitung der diversen Vorfälle zügig genug gelingt“, erklärte der ARD-Chef Tom Buhrow am Samstag in Köln. Der WDR-Intendant hatte den ARD-Vorsitz Anfang August für die Zeit bis zum Jahresende von Schlesinger übernommen. Sie hatte diesen noch vor ihrem Amt als RBB-Intendantin aufgegeben.

Schlesinger-Affäre: ARD-Chef Buhrow entzieht RBB öffentlich das Vertrauen

Der 63-Jährige kritisierte vor allem auch die Tatsache, dass die ARD-Führung von neuen Vorwürfen immer nur aus der Presse erfahren würde. Er betonte, der RBB brauche jetzt einen Neuanfang. „Dieser wird auch die amtierende Geschäftsführung des Senders betreffen müssen“, erklärte Buhrow weiter. Es sei fraglich, dass der RBB mit seiner bisherigen Aufstellung stabilisiert werden könne, betonte der ARD-Chef. Genau dies sei aber „im elementaren Interesse der ARD, der leidgeprüften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch der Menschen im RBB-Sendegebiet“.

Im Gespräche mit dem Focus bekräftige der WDR-Intendant Buhrow seine Position. „Aktuell ist unser Vertrauen erloschen“, so der 63-Jährige. Das habe auch zu Folge, dass Gremiensitzungen auf ARD-Ebene vorerst ohne Repräsentanten des RBB abgehalten werden würden. „Leider zeigen die Vorfälle in Berlin, dass einzelne Personen auch das große Ganze der Senderfamilie gefährden können“, erklärt der ARD-Chef weiter.

RBB vor Neuanfang: Auch Rundfunkratsvorsitzenden tritt zurück

Den Rücktritt der RBB-Rundfunkratsvorsitzenden Frederike von Kirchbach deutete Buhrow als wichtigen Schritt. Dieser setzte „das Signal für einen tiefgreifenden Neuanfang beim RBB“. Kirchbach hatte am Vormittag erklärt: „Der RBB steht vor einem Neuanfang. Nach zehn Jahren als Vorsitzende des Rundfunkrates möchte ich dazu einen Beitrag leisten und stelle mein Amt zur Verfügung.“

Gegen die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger wurden in den letzten Wochen quasi täglich neue Vorwürfe laut. Die 61-Jährige soll unter anderem private Abendessen als Spesen abgerechnet und eine luxuriöse Büroausstattung über den RBB bezahlt haben. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen sie, ihren Ehemann und Ex-Spiegel-Journalist Gerhard Spörl sowie gegen den zurückgetretenen RBB-Chefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf. (fd/afp)

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