Zehn Jahre nach Missbrauchsskandal

Mehr Geld für Missbrauchsopfer: Bistum Augsburg zahlt bis zu 75.000 Euro

Das Bistum Augsburg will künftig bis zu 75.000 Euro an die Opfer sexuellen Missbrauchs zahlen. Das gab das Bistum am Dienstag bekannt.

  • Das Bistum Augsburg zahlt bis zu 75.000 Euro an Opfer sexuellen Missbrauchs. 
  • Das Bistum kommt damit einer geplanten Regelung der Bischofskonferenz zuvor. 
  • Vor rund zehn Jahren war der Missbrauchsskandal bekanntgeworden. 

Augsburg - Das Bistum Augsburg zahlt bis zu 75.000 Euro für Opfer sexuellen Missbrauchs. Das gab das Bistum am Dienstag bekannt. Der ernannte Bischof Bertram Meier unterschrieb hierzu eine „Anerkennungs- und Unterstützungsordnung der Diözese Augsburg für Betroffene sexuellen Missbrauchs oder körperlicher Gewalt im kirchlichen Kontext“. Damit kommt das Bistum einer geplanten, gemeinsamen Regelung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz* (DBK) zuvor. 

„Ich wollte hier nicht länger zuwarten und die betroffenen Personen vertrösten“, wird Meier in der Mitteilung zitiert. „Mein Anliegen ist es, dass wir zu diesem Thema ein klares Signal setzen und Verantwortung zeigen.“ Augsburg sei nach dem Erzbistum Freiburg erst das zweite Bistum in Deutschland, das nun konkrete Vorgaben für Zahlungen an Missbrauchsopfer hat. 

Missbrauchsskandal betraf vor allem männliche Minderjährige 

Vor rund zehn Jahren hatte Klaus Mertes, Schulleiter des Berliner Canisius-Kollegs, mit einem Schreiben an ehemalige Schüler den Missbrauchsskandal losgetreten. Esf olgte eine Lawine weiterer Enthüllungen über sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen. Der Prozess der Aufarbeitung läuft bis heute, 2018 war in einer Studie von mindestens 3677 sexuellen Übergriffen von mindestens 1670 Priestern und Ordensleuten in den Jahren 1946 bis 2014 die Rede. Die Opfer seien überwiegend männliche Minderjährige gewesen, mehr als die Hälfte jünger als 14 Jahre. 

Die nun verkündete Augsburger Regelung sieht Einmalzahlungen vor, die - je nach Schwere des Falles - bis zu 25.000 Euro betragen. Auch eine monatliche Unterstützungszahlung bis zu einem Gesamtbetrag von maximal 75.000 Euro sei möglich. Die Finanzierung soll ausdrücklich nicht aus Kirchensteuern erfolgen. Es werden den Angaben zufolge „ausschließlich die Mittel des Bischöflichen Stuhls herangezogen“. 

Im März hatten die deutschen Bischöfe bei der Frühjahrsvollversammlung in Mainz neue Leitlinien für Zahlungen an Betroffene von sexuellem Missbrauch beschlossen. Ein zentrales unabhängiges Gremium soll künftig die Höhe der Zahlungen festlegen. Die Details der Umsetzung sollen bis Herbst feststehen. Von Einmalzahlungen bis zu einer maximalen Höhe von 50.000 Euro war die Rede - in Einzelfällen auch mehr. 

Das Bistum Regensburg will nun auch den Opfern von Missbrauch und Gewalt* höhere Ausgleichszahlungen zukommen lassen.

fmü mit dpa

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Rubriklistenbild: © dpa / Karl-Josef Hildenbrand

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