Brexit-Debatte

Jacob Rees-Mogg, der Lümmel von der ersten Bank

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Jacob Rees-Mogg macht es sich gemütlich.

In Großbritannien wird um den Brexit und die Zukunft des Landes gerungen. Einer stellt während der Debatte seine elitäre Ignoranz zur Schau: der Erzkonservative Jacob Rees-Mogg.

Das britische Unterhaus gleich mitunter einem Tollhaus. Vor allem bei den derzeitigen Brexit-Debatten geht es drunter und drüber. Doch einen schien das so gar nicht zu berühren. Jacob Rees-Mogg machte es sich mittendrin so richtig gemütlich und stellte seine ganze elitäre Ignoranz zur Schau.

Rees-Mogg ist der konservative Abgeordnete für North East Somerset. Das Unterhaus aber ist praktisch einhellig der Meinung, er sei „das ehrenwerte Mitglied für das 18. Jahrhundert“. Der 50-Jährige, als „Leader of the House of Commons“ offizieller Regierungsrepräsentant im Haus, inszeniert sich schon sein ganzes Leben lang eher als Reaktionär denn als Tory.

Jacob Rees-Mogg genießt Erziehung in Eton und Oxford

Tatsächlich stammt der vermögende Investor aus der oberen Mittelklasse. Der Sohn des früheren Chefredakteurs der altehrwürdigen „Times“ genoss die klassisch-elitäre Erziehung von Eton und Oxford. Verheiratet ist er mit der Aristokratin Helena de Chair, deren Familienvermögen allein auf etwa 45 Millionen britische Pfund geschätzt wird. Die beiden haben sechs Kinder, deren jüngste die wunderschönen Namen Alfred Wulfric Leyson Pius und Sixtus Dominic Boniface Christopher tragen. 

Nun, der strenggläubige Katholik wird sich sicher etwas dabei gedacht haben. Es ist ja kein Geheimnis, dass Rees-Mogg ein großer Fan von Papst Pius IX. ist, genauso wie von Papst Benedikt XVI., der ein „wunderbar inspirierender Papst für die Kirche sowohl als Kardinal, als auch als Heiliger Vater“ gewesen sei.

Rees-Mogg ist der britische Über-Konservative

Rees-Mogg ist in der Tat so etwas wie der britische Über-Konservative, der als Abtreibungsgegner, Leugner der menschengemachten Klimaveränderung, Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe und der Entwicklungszusammenarbeit bekannt ist. 

Und natürlich ist er neben Nigel Farage der wahrscheinlich härteste Brexit-Hardliner in ganzen Vereinigten Königreich, der die Europäische Union quasi als Feind betrachtet und die europäische Integration als Angriff auf die nationale Souveränität ansieht. Kein Wunder, dass er darauf schaut, dass der Brexit* kommt - und wenn möglich, so hart wie nur irgend möglich. 

Während einer Brexit-Debatte gegen die Regierung von Boris Johnson* nun fläzte sich Rees-Mogg auf der Regierungsbank – quasi bis in die Anzugfalten das perfekte Bild des gelangweilten Snobs, der mal beim Pöbel im Unterhaus vorbeischaut. Das sorgte für reichlich Unmut, so beispielsweise bei der grünen Angeordneten Caroline Lucas, die ihm noch währen der Debatte die Leviten las: „Mit seiner Körpersprache an diesem Abend hat er seine Verachtung für dieses Haus und das Volk deutlich gemacht.“

Das alles aber passt zu seinem Image, ärgerte die Abgeordneten, verwunderte das Netz – und ist leider ein getreues Bild vieler Abgeordneter früherer Jahrhunderte.

Von Peter Rutkowski und Christian Stör

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