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FDP sieht „schmerzlichen“ Corona-Expertenbericht: „Die Folgen für unsere Jüngsten sind fatal“

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Von: Andreas Schmid

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Gesperrte Sportstätten wegen Corona: „Das war falsch“, findet FDP-Politiker Philipp Hartewig
Gesperrte Sportstätten wegen Corona: „Das war falsch“, findet FDP-Politiker Philipp Hartewig, sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion. © Bernd Thissen/dpa/Robert Michael/dpa (Montage)

Der Corona-Expertenbericht ist da. FDP-Politiker Philipp Hartewig kritisiert bei Merkur.de „fatale“ Maßnahmen beim Sport und in den Schulen.

Berlin - Auf 160 Seiten beschäftigt sich der Corona-Expertenrat mit der Corona-Politik. Die Wirkungen und Nebenwirkungen einzelner Regeln sind aus Expertensicht zwar kaum isoliert zu bewerten (Virologe Streeck: „Jede Maßnahme hat ihre Zeit“). Kritik gab es aber vor allem bei Lockdowns und Zugangsbeschränkungen wie 2G und 3G.

Die FDP hatte diesen Bericht maßgeblich gefordert, spricht nun von einer „Generalabrechnung mit der Politik und dem RKI“ (Bayern-FDP Chef Martin Hagen) und einem „erschütternden Bericht“, der die Entlassung von RKI-Chef Lothar Wieler zur Folge haben müsse (Bundesvize Wolfgang Kubicki). Der sportpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Philipp Hartewig, nennt bei Merkur.de von IPPEN.MEDIA vor allem „schmerzliche Erkenntnisse“ im Umgang mit dem Breitensport und den Schulschließungen.

FDP kritisiert Corona-Politik: „Die Sportstättenschließungen waren falsch“

Coronabedingt waren sportliche Aktivitäten in Deutschland lange stark eingeschränkt. In Hamburg musste mit Maske gejoggt werden. In Bayern war lange Zeit nur kontaktarmer Sport erlaubt. Das hatte Einschränkungen etwa für Fußballvereine oder den noch stärker betroffenen Hallensport zur Folge. Viele Vereine kamen zum Erliegen, durften phasenweise erst nur unter 2G-3G-Auflagen trainieren und spielen. Je größer die Infektionszahlen, desto weniger Sportveranstaltungen für Amateure.

Laut Deutschem Fußball-Bund waren etwa im Februar 2021 nur 0,07 Prozent aller 145.000 Mannschaften in Deutschland aktiv. Zurecht? „Die Sportstättenschließungen waren falsch“, konstatiert Hartewig, der Anfang 2021 vor dem Verwaltungsgericht Bautzen gegen sportbezogene Maßnahmen klagte. Ohne Erfolg. Wenig später wurden die Regeln allerdings in Sachsen wie in vielen Bundesländern gelockert. In der gerade geendeten Amateursaison im Fußball war der Spielbetrieb weitgehend problemlos möglich: ohne große Einschränkungen und ohne große Infektionsausbrüche.

Hartewig fühlt sich in seiner damaligen Einschätzungen bestätigt: „Sportstätten sind wie erwartet keine Infektionstreiber.“ Dieses Bild stützt die Gesellschaft für Aerosolforschung, vor allem bei Aktivitäten im Freien. „Fußball ist völlig unbedenklich. Bei Indoor-Sportarten muss man genauer hinschauen, aber auch hier ist Angst aus meiner Sicht unangebracht“, hieß es schon Anfang 2021, als viele Veranstaltungen verboten waren.

FDP-Politiker Philipp Hartewig
Philipp Hartewig, 1994 in Chemnitz geboren, sitz seit 2021 im Deutschen Bundestag. Der Generalsekretär der FDP Sachsen ist sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion. © Robert Michael/dpa

Corona-Expertenrat: Schulschließungen haben Folgen für Gesundheit der Jüngsten

Im Evaluationsbericht wird nicht direkt auf die Wirksamkeit von Sporteinschränkungen eingegangen. Es ist allerdings die Rede von Maßnahmen mit „zweifelhafter Sinnhaftigkeit“ wie zum Beispiel eine Maskenpflicht im Freien. Intensiver beschäftigt sich die Expertenkommission mit den physischen Auswirkungen von Schulschließungen.

Die Experten berichten von einer Studie aus den USA, wonach der Body Mass Index (BMI) von Kindern und damit das Gewicht in Folge der Schulschließungen anstiegen. „Eine Reihe von Studien konnte auch zeigen, dass aufgrund von Schulschließungen „Bildschirmzeit“ und Gewichtszunahmen zu- und sportliche Aktivitäten abgenommen haben“, heißt es weiter in dem Bericht. Längere Schulschließeungen wie in Lockdownzeiten würden sich „negativ auf die Gesundheit von Kindern auswirken“, schreiben die Experten um die Virologen Hendrik Streeck oder Klaus Stöhr. Christian Drosten hatte die Expertenkommission im April verlassen.

Die Mitglieder der Sachverständigenkommission von Bundestag und Bundesregierung

Jutta Allmendinger, Werner Bergholz, Michael Brenner, Anne Bunte, Katharina Domschke, Horst Dreier, Christian Drosten (bis 28. April), Stefan Huster, Andrea Kießling, Thorsten Kingreen, Heyo K. Kroemer, Rolf Rosenbrock, Helga Rübsamen-Schaeff, Christoph M. Schmidt, Britta Siegmund, Klaus Stöhr (ab 2. Juni), Hendrik Streeck, Jochen Taupitz, Ute Teichert

FDP zur Corona-Politik: „Die Folgen für unsere Jüngsten sind fatal“

Hartewig bewertet die Erkenntnisse als „schmerzlich“ und meint: „Die Auswirkungen hätten durch eine kluge und geschickte Corona-Politik durch viele mildere Maßnahmen vermieden werden können.“ Die vergangene Corona-Politik, die die FDP seit Herbst in der Ampel-Koalition mitgestaltet, habe vor allem einen Verlier: die Jugend. „Die Folgen für unsere Jüngsten, in den Bereichen Sport, Bewegung und Gesundheit sind fatal. Der Nutzen der vielzähligen Maßnahmen ist dagegen nicht belegt.“

Auf die negativen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf die Jüngsten der Gesellschaft hatten bereits mehrere Organisationen aufmerksam gemacht und dabei nicht nur die sportliche Aktivitiät, sondern auch das gestiegene Risiko an Depressionen genannt. Nun geht es laut Hartewig darum, eine Generation sportbegeisterter Kinder und gesunder junger Menschen nicht zu verlieren. „Es wird ein langer Weg, die Defizite wieder aufzuholen.“ (as)

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