Risiko extrem hoch

Coronavirus in Asyl-Unterkünften: RKI schlägt jetzt Alarm - und fordert Änderungen

Das Robert-Koch-Institut prangert indirekt die Verhältnisse in großen Flüchtlingsunterkünften an. Es gibt klare Hinweise zum Umgang mit dem Coronavirus.

Berlin - In Sammelunterkünften besteht aus offensichtlichen Gründe ein extrem hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Die Forderung zum Beenden der Unterbringung Geflüchteter in Mehrbettzimmern besteht seit Beginn der Corona-Pandemie

Das Robert-Koch-Institut hat nun ein Papier verfasst, in dem sich Hinweise zum Umgang zum Virus in großen Wohnheimen finden. Sie sind deckungsgleich mit den Forderungen vieler Bewohner. Aus dem Schriftstück zitierte am Freitag taz.de

Coronavirus in Flüchtlingsunterkünften: RKI gibt dringende Empfehlungen

Unter dem Arbeitstitel „Hinweise zu Prävention und Management von COVID-19-Erkrankungen in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete“ erläutert das Institut, die Gefahren seien hier besonders hoch. Viele Menschen leben auf engem Raum zusammen, teilen sich Wohn-, Ess- und Sanitärräume. Die Belegung müsse merklich entzerrt werden, mahnen die Experten. 

Ganze Unterkünfte unter Quarantäne zu stellen, ist für das RKI keine Option. Schon bevor es zu einer Infektion mit dem Coronavirus kommt, müssen Bewohner die Möglichkeit haben, sich an die Abstandsempfehlungen* zu halten. Sie sollen „so untergebracht sein, dass eine physische Distanzierung (mindestens 1,5 Meter Abstand) und Kontaktreduzierung auch innerhalb des Gebäudes möglich ist.“ Idealerweise wird eine Unterbringung in Einzelzimmern empfohlen. 

Coronavirus: Szenen wie hier im St. Augustiner Flüchtlingsheim sollen sich nicht wiederholen.

Seife, Desinfektionsspender, Mundschutz* sowie Information müssten in ausreichendem Maße zu Verfügung gestellt werden. Die Massennutzung von Wohneinheiten müsse durch kleinere Unterkünfte mit maximal zehn Bewohnern ersetzt werden. Persönliche Sanitärbereiche seien unverzichtbar. 

Coronavirus: RKI-Hinweis erinnert an Verfehlungen der Behörden - Massenquarantäne vermeiden

„Eine Quarantäne der gesamten Gemeinschaftsunterkunft sowie das Errichten von physischen Barrieren (Zäunen) sind zu vermeiden. Durch eine Massenquaratäne wird eine vermeidbar hohe Exposition mit daraus resultierenden Risiken für alle BewohnerInnen in Kauf genommen, die den RKI-Empfehlungen zu Infektionsmaßnahmen widerspricht“, prangern die Mediziner mögliche Fehler der Behörden im Ernstfall* an. Die Abschaffung der Massenunterkünfte sei „notwendig, um lange und immer wieder zu verlängernde Quarantänedauern zu verhindern.“

Allerdings gibt es genau diese Quarantänen für ganze Unterkünfte immer wieder. Zuletzt in Bayern nach einem Corona-Fall in einer Gemeinschaftsunterkunft in Weiden in der Oberpfalz.

Robert-Koch-Institut in Prozess mit Bund und Ländern: Experten schließen sich Pro-Asyl-Forderung an

Das Robert-Koch-Institut befindet sich aktuell in einem Stellungnahmeprozess zwischen Bund und Ländern, wie die Einrichtung auf Anfrage von taz.de erklärte. Auch einige Landesminister haben das Papier schon gelesen. 

Den Forderungen von Pro Asyl, Sammellager aufzulösen, schließt sich das RKI an und bezeichnet sie als grundsätzlich richtig. Pro Asyl appelliert nun an die Regierung, sofort Konsequenzen aus der Beurteilung der Experten zu ziehen.

Das bayerische Innenministerium habe das schon getan, heißt es. In Abstimmung mit dem RKI seien erste Maßnahmen ergriffen worden. Die Belegung haben man dadurch bereits etwas entzerren können. Seit Beginn der Corona-Krise ist der Zugang von Asylbewerberinnen massiv zurückgegangen, deshalb ist das möglich, erklärte das Ministerium, unter den etwa 90.000 Geflüchteten in Bayern gebe es aktuell 160 Corona-Fälle und 1.473 Menschen seien mittlerweile wieder genesen.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Marcel Kusch

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