Bedenkliche Entwicklung

Donald Trump: Biden gibt ihm Mitschuld an Gewalt bei Protesten - und spielt Trump damit sogar in die Karten

Nach dem Tod eines Protestlers in Portland, gibt Biden Donald Trump die Schuld an der Gewalt. Doch die Entwicklung könnte Trump sogar nützen.

  • Bei den Protesten in Portland wurde am Wochenende ein Mann erschossen.
  • Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten Joe Biden gibt Donald Trump die Schuld für die Gewalt.
  • Doch Beobachter warnen, dass eine solche Richtung des Diskurses Trump sogar helfen könnte.

Portland - Bei Protesten in Portland an der Westküste der USA ist am Wochenende ein Mann erschossen worden. Als mehrere hundert Fahrzeuge von Trump-Fans in einem Autokorso durch die Stadt fuhren, gerieten sie mit Black-Lives-Matter-Demonstranten aneinander. Auf Videos von dem Vorfall ist zu sehen: Mindestens ein Trump-Anhänger griff die Protestler mit einem Paintball-Gewehr an.

Erst am Dienstag vergangener Woche kamen bei Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt in der Stadt Kenosha im Bundesstaat Wisconsin zwei weitere Opfer zu Tode. Der Tatverdächtige ist ein 17-jähriger Weißer. Er war mit einem Schnellfeuergewehr bewaffnet und hatte sich offenbar einer Gruppe von Männern angeschlossen, die nach eigenen Angaben Gebäude vor Angriffen durch Demonstranten schützen wollten. Der 17-Jährige wurde festgenommen.

In Kenosha hatte am 23. August ein weißer Polizist mit sieben Schüssen in den Rücken den Schwarzen Jacob Blake schwer verletzt. Die Tat war die Ursache für neue Empörung und Proteste mit Gewalt-Ausschreitungen, nachdem der Fall um George Floyd* bereits vor einigen Wochen die Black-Lives-Matter-Demonstrationen* auf der ganzen Welt ausgelöst hatten.

Am Dienstag ist ein Besuch Trumps in Kenosha geplant, wobei er Vertreter der Sicherheitsbehörden treffen und die bei den Protesten verursachten Schäden begutachten möchte. Ein Treffen mit Blakes Familie war zunächst nicht geplant.

Joe Biden gibt Donald Trump die Schult für Gewalt bei Protesten

Wie der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden am Montag in Pittsburg sagte, trägt Amtsinhaber Donald Trump* seiner Meinung nach eine Mitschuld an der tödlichen Gewalt am Rande der Proteste. „Es brennen Feuer, und wir haben einen Präsidenten, der die Flammen anfacht“, sagte Biden am Montag in der Stadt Pittsburgh. „Er kann die Gewalt nicht stoppen, weil er sie seit Jahren schürt.“

„Glaubt irgendjemand, dass es in den USA weniger Gewalt geben wird, wenn Donald Trump wiedergewählt wird?“, fragte Biden, im Hinblick auf die Wahl am 3. November. „Er mag glauben, dass ihn die Worte Recht und Ordnung stark erscheinen lassen. Aber sein Unvermögen, seine eigenen Anhänger aufzurufen, nicht weiter wie eine bewaffnete Miliz in diesem Land aufzutreten, zeigt, wie schwach er ist.“

Biden verurteilte die Ausschreitungen am Rande von Anti-Rassismus-Protesten und kritisierte sie scharf: „Krawalle sind kein Protest. Plünderungen sind kein Protest. Brandstiftung ist kein Protest. Das ist schlicht und ergreifend Gesetzlosigkeit.“ Die Täter müssten dafür verantwortlich gemacht werden. „Gewalt wird keinen Wandel bringen“, sagte der 77-Jährige. „Sie wird nur Zerstörung bringen.“

Donald Trump's Wahlchancen: Diskurs um Gewalt spielt ihm in die Karten

Was eigentlich als willkommene Angriffsfläche für Biden wirkt, um Trump zu kritisieren, könnte dem aktuellen Präsidenten* aber sogar im Wahlkampf helfen. Denn Beobachter gehen laut tagesschau.de davon aus, dass Trumps Chancen auf eine Wiederwahl sich verbessern, je weniger die Corona-Pandemie Teil der öffentlichen Debatte ist. Trump selbst scheint sich dessen bewusst zu sein, denn er vermeidet es, über die Pandemie zu sprechen.

Über die Sicherheitslage im Land hingegen spricht er häufig. Und gibt Biden die Verantwortung dafür zurück: Die Vorkommnisse bei den Protesten zeigten schon jetzt, wie es im gesamten Land aussähe, sollte Biden zum Präsidenten gewählt werden. Die Demokraten hätten in den von ihnen regierten Städten angesichts von „verrückter Gewalt“ die Kontrolle verloren. Trump hingegen symbolisiere „Recht und Ordnung“. *Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © ALEX WONG/AFP

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