Extremer Vergleich im Weißen Haus

Trump: „Schlimmster Angriff, den wir je hatten“ - Corona schlimmer als Pearl Harbor und 9/11?

Der Ton zwischen den USA und China wird rauer: US-Präsident Donald Trump sieht die Schuld für die Ausbreitung der Corona-Pandemie klar beim Reich der Mitte und zieht Parallelen zu den US-Katastrophen Pearl Harbor und 9/11.

  • Die USA machen China heftige Vorwürfe aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus.
  • Die Beweislage über den Ursprung der Pandemie ist jedoch nach wie vor unklar.
  • US-Präsident Donald Trump* zieht einen Vergleich mit zwei verheerenden Ereignissen.
  • Neue Eskalationsstufe im Wirtschaftskrieg zwischen Vereinigten Staaten und China.

Washington - Zu den großen Bedrohungen der Menschheit zählen neben Klimakrise und Fluchtursachen auch geopolitische Machtspiele der Großmächte - nicht selten sind diese Probleme miteinander verwoben. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie stellen Nationen wie die USA oder China ihre Interessen nicht in den Hintergrund. Globale Aufrüstung, technologische Innovationen und nicht zuletzt medizinische Forschung spielen hierbei eine wesentliche Rolle.

Corona-Krise verschärft Wirtschaftskrieg zwischen USA und China

Der schon lange schwelende Wirtschaftskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China steuert aufgrund der Corona-Krise auf eine weitere Eskalationsstufe zu. Ob der Ursprung des Coronavirus Sars-CoV-2 tatsächlich aus einem Labor im chinesischen Wuhan stammt, darüber gibt es von US-amerikanischer Seite widersprüchliche Darstellungen. Zu Beginn dieser Woche sickerte aus Regierungskreisen durch, dass es „überwältigende Beweise“ für diese These gebe, ehe Vizepräsident Mike Pence kurz darauf zurückruderte. In der Nacht auf Donnerstag (MEZ) legte US-Präsident Donald Trump jedoch nach und torpedierte das angespannte Verhältnis zu China mit einem Vergleich, der Nordamerikaner an düstere Ereignisse der Vergangenheit erinnert: 

US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence.

„Das ist wirklich der schlimmste Angriff, den wir je hatten. Das ist schlimmer als Pearl Harbor. Das ist schlimmer als das World Trade Center. So einen Angriff hat es noch nie gegeben und er hätte niemals passieren dürfen. Es hätte am Ursprung gestoppt werden können. Es hätte in China gestoppt werden können“, sendet der 73-Jährige bei einer Rede im Weißen Haus Giftpfeile nach Asien. Auch Pence schlug am Mittwoch drastische Worte an: Es existieren zwar bislang keine Beweise, allerdings gebe es „deutliche“ Hinweise auf den Coronavirus-Ursprung in China. Die Weltgesundheitsorganisation müsse eine Untersuchung zum Umgang Chinas mit dem Virus einfordern, lautet der Appell des US-Vizepräsidenten, der sich in Bezug auf den Zahlungsstopp an die WHO an seinen deutschen Kollegen Heiko Maas wendete.

Corona-Virus aus Wuhan? Für Trump schlimmer als Pearl Harbor und WTC-Anschläge

Vergleicht man die Zahlen der Todesopfer, sagt der US-Präsident nicht die Unwahrheit: Japans Angriff auf den US-Militärstützpunkt Pearl Harbor im Pazifik 1941 kostete etwa 2.400 Menschen das Leben, bei den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center im Herbst 2001 kamen knapp 3.000 Personen ums Leben. Und Corona? Forderte alleine im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ bislang über 70.000 Tote.

Doch inwieweit kann man bei diesen Vorkommnissen die Opferzahlen miteinander vergleichen? Zum einen trifft die Verbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 nicht ausschließlich die USA. Zum anderen ist unklar, wie viele Verstorbene ohne lebensbedrohliche Vorerkrankungen der Corona-Pandemie zuzuschreiben sind. Maßgeblich ist jedoch die Frage, ob China tatsächlich Schuld an der Entstehung des Coronavirus Sars-CoV-2 hat. Ist die Beweislage nicht stichfest, gilt in demokratischen Ländern das Prinzip der Unschuldsvermutung.

Das bevölkerungsreichste Land der Erde bestreitet die Vorwürfe vehement. Fest steht indes: Die Entwicklungen in der Corona-Krise bilden einen weiteren Eskalationspunkt zwischen den Vereinigten Staaten und China, nachdem die asiatische Großmacht drauf und dran ist, den amerikanischen Rivalen wirtschaftlich zu überholen. 2019 warf China den USA gar vor, „Wirtschaftsterrorismus“ zu betreiben.

Ein Zeichen der Annäherung gibt es unterdessen auf anderer Ebene: Donald Trump dringt weiter darauf, China in Abrüstungsgespräche mit Russland einzubinden. Am Donnerstag früh (Ortszeit) telefonierte Trump mit Russlands Präsident Wladimir Putin, wie das Weiße Haus und der Kreml im Anschluss mitteilten. Der US-Präsident habe bekräftigt, dass die Vereinigten Staaten zu einer wirksamen Rüstungskontrolle stünden, die nicht nur Russland, sondern auch China einbeziehe, so eine Washingtoner Stellungnahme. Demnach wolle Trump ein kostspieliges Wettrüsten vermeiden.

Unterschiedliche Medien und auch der BND kommen zu dem Schluss, dass China zu Beginn der Corona-Pandemie wichtige Informationen zurückgehalten hat.

*Merkur.de ist ein Angebot des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © AFP / MANDEL NGAN

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