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Schüsse auf Flüchtlingsunterkunft bei Hannover? Zahl der Anschläge auf Heime steigt erstmals wieder

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Die Mündung einer Luftdruckpistole (Symbolbild).
Die Mündung einer Luftdruckpistole (Symbolbild). © www.imago-images.de/Frank Sorge

In Niedersachsen soll ein Mann mit einer Luftdruckpistole auf eine Flüchtlingsunterkunft gefeuert haben. Nach aktuellen Zahlen ist solche Gewalt kein Einzelfall.

Hannover – In Niedersachsen soll ein Mann mit einer Luftdruckpistole auf eine Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine geschossen haben. Ein 34-Jähriger sei als Tatverdächtiger ermittelt worden, teilte die Polizei in Hannover am Montagabend mit. Demnach ereignete sich die Tat in Sehnde nahe der Landeshauptstadt bereits am 28. Oktober, vier Tage später wurde sie angezeigt. Verletzt wurde niemand.

Den Ermittlungen zufolge spielten am Abend des 28. Oktober zwei Jungen an einer Außentreppe der Unterkunft, als es einen Knall gab. Zwei erwachsene Bewohner, die sich außerhalb der Unterkunft befanden, nahmen diesen ebenfalls wahr. Einer der Bewohner habe die Jungen nach den Geräuschen gefragt. Diese sagten ihm, dass an der Grundstücksgrenze ein Mann gestanden und aus einer Waffe geschossen habe.

Im Zuge der Ermittlungen fiel der Verdacht auf einen 34-Jährigen, der nahe der Unterkunft wohnt. Am vergangenen Freitag durchsuchten die Ermittler seine Wohnung. Dabei entdeckten sie die mutmaßliche Tatwaffe - sie wurde beschlagnahmt. Der Tatverdächtige selbst war nicht vor Ort. Gegen ihn wird wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland: Zahl der Anschläge auf Heime steigt erstmals wieder

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland ist nach Jahren wieder gestiegen. In den ersten drei Quartalen dieses Jahr gab es 65 Anschläge auf Unterkünfte, wie die Neue Osnabrücker Zeitung am Dienstag unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion berichtete. Damit sei fast die Zahl des gesamten Jahres 2021 erreicht.

Im vergangenen Jahr verzeichneten die Behörden 70 überwiegend rechtsmotivierte Angriffe und Sachbeschädigungen. Die Zahl der in diesem Jahr bislang registrierten Anschlägen könnte dem Bericht zufolge in den kommenden Monaten noch deutlich steigen, da sich Berichte über Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte mehrten. Ein Zusammenhang sieht das Ministerium mit steigenden Zahlen von ukrainischen Kriegsflüchtlingen.

Flüchtlingsunterkunft abgebrannt - Politiker vor Ort
Gewalt: Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin vor der Ruine einer Flüchtlingsunterkunft in Größ-Strömkendorf. Die Ermittler gehen dort von Brandstiftung aus. © Jens Büttner/dpa

Trotz des Anstiegs der Angriffe sei das Niveau weiterhin niedrig, hieß es weiter. Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 wurden 1047 Übergriffe registriert. Seitdem wurden es jedes Jahr weniger.

Gewalt in Deutschland: Jeden Tag mindestens zwei Angriffe auf Flüchtlinge

Pro Tag komme es in Deutschland statistisch gesehen dennoch zu mindestens zwei Angriffen auf Flüchtlinge. Etwa jede fünfte Tat sei eine Körperverletzung. 711 Menschen wurden zwischen Januar und September 2022 außerhalb ihrer Unterkunft angegriffen.

„Kaum ein Tag vergeht momentan, an dem man nicht über Angriffe auf Geflüchtete oder Anschläge auf Geflüchtetenunterkünfte liest“, erklärte die fluchtpolitische Expertin der Linksfraktion, Clara Bünger. Die Situation sei „sehr gefährlich“. Durch rechte und konservative Politiker würden Ressentiments geschürt. Bünger forderte, sich rechter und rassistischer Gewalt klar entgegenzustellen. (AFP/fn)

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