"Wenn dein Haus brennt ...“

Von der Leyen stolz auf EU-Klimagesetz - Greta Thunberg liest ihr gewaltig die Leviten

Räumlich ganz nah, aber sonst weit auseinander: Ursula von der Leyen (l.) und Greta Thunberg.
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Räumlich in Brüssel ganz nah, aber sonst weit auseinander: Ursula von der Leyen (l.) und Greta Thunberg.

Mit dem Klimagesetz übernehme die EU eine führende Rolle, ist sich Kommissionschefin Ursula von der Leyen sicher. Greta Thunberg bemüht dagegen das Bild eines „brennenden Hauses“.

  • Die EU-Kommission hat ihr Klimagesetz präsentiert und will bis 2050 klimaneutral werden.
  • Ursula von der Leyen lobt die Pläne ihrer EU-Kommission.
  • Umweltaktivistin Greta Thunberg* kontert in einem offenen Brief.

München - Zwei Generationen an einem Tisch in Brüssel - und trotz der Nähe liegen die Sichtweisen weit auseinander. Während Kommissionschefin Ursula von der Leyen glaubt, dass die EU mit ihrem Klimagesetz „Partner in aller Welt inspirieren“ werde, erntet sie von Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hernach in einem offenen Brief vor allem eins: harsche Kritik. 

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Greta Thunberg nennt EU-Klimagesetz eine „Kapitulation“

"Wenn dein Haus brennt, wartest du nicht noch ein paar Jahre, bevor du es löschst", kommentiert Thunberg das EU-Klimagesetz. Doch genau das tue die EU-Kommission. "Das macht überhaupt keinen Sinn.“ In Brüssel werde offensichtlich nicht darauf gehört, was die Wissenschaft sage. Für die Klima-Pläne der EU hat die 17-Jährige vor allem ein Wort übrig: Diese seien eine „Kapitulation“ vor der Herausforderung der globalen Erwärmung.

Dazu wird deutlich: Greta Thunberg versteht einfach nicht, wie "nach wie vor Infrastruktur für fossile Energieträger gebaut und subventioniert" werden könne. Besonders Projekte zur Verwertung von Erdgas sollen der Kommission zufolge vorerst förderwürdig bleiben. Erdgas soll als "sauberster" der fossilen Brennstoffe eine wichtige Rolle in der Übergangsphase hin zur Klimaneutralität spielen.

Greta Thunberg: CO2-Budget reicht nur noch für acht Jahre

Ein Klimagesetz, das nicht streng auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und auf einem gerechten Interessenausgleich zwischen Arm und Reich in der Welt basiere, schade mehr als es nütze, argumentiert Thunberg in ihrem Brief. Entscheidend sei, dass für einen Stopp der globalen Erwärmung bei 1,5 Grad weltweit höchstens noch 340 Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen dürften - das sogenannte globale CO2-Budget. Gehe es weiter wie bisher, reiche dies nur noch für acht Jahre. Drastische Gegenmaßnahmen müssten sofort beginnen. „Wir brauchen nicht nur Ziele für 2030 oder 2050“, schrieb Thunberg. „Wir brauchen sie vor allem für 2020 und jeden Monat und jedes Jahr, das nun folgt.“

EU bleibt Klimaziel für 2030 schuldig

In der Tat formuliert der EU-Kommission in ihrem Vorschlag vorerst kein neues Zwischenziel für 2030. Die bestehende Zielvorgabe einer Verringerung der Treibhausgasemissionen von 40 Prozent im Vergleich zu 1990 würde Experten zufolge aber nicht ausreichen, um Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Die Kommission will zunächst bis September überprüfen und gegebenenfalls Optionen vorschlagen, das Zwischenziel auf 50 bis 55 Prozent zu erhöhen.

Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg stammt aus einer Familie bekannter Persönlichkeiten. Das gilt für Mutter, Vater und auch Großeltern*.

Das musste er schnell wieder geraderücken: Der EU-Außenbeauftragter Josep Borrell zweifelt an der Ernsthaftigkeit der jungen Klimaaktivistin* - um kurz darauf zurückzurudern.

Greta Thunberg hat mit einer emotionalen wie bemerkenswerten Wutrede den UN-Klimagipfel in New York eröffnet. Hier gibt es die Rede im Wortlaut*.

dpa/AFP/mb

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