...und Böhmermann plant Film

Wie einst Haider? Strache schockiert FPÖ - trotz bizarrer neuer Anschuldigungen

Offiziell hatte Heinz-Christian Strache mit der Politik abgeschlossen. Doch der Vorsatz hielt nicht lange - neue Gerüchte um den skandalumwitterten Politiker schlagen in Österreich hohe Wellen.

  • Heinz-Christian Strache brachte mit der Ibiza-Affäre die Regierung in Österreich zu Fall.
  • Nach der Nationalratswahl zog sich der FPÖ-Politiker zurück - unter Verweis auf seine Familie.
  • Nun scheint Strache trotz heftiger Skandale mit der Rückkehr zu liebäugeln.

Wien - Kehrtwenden und (Ab-)Spaltungen sind für die „Freiheitlichen“ in Österreich kein neues Phänomen: In den 90er Jahren war Jörg Haider der Posterboy der rechtspopulistischen FPÖ in der Alpenrepublik. Und erprobte nach parteiinternen Streitigkeiten zunächst 2002 den Rücktritt, wenig später den „Rücktritt vom Rücktritt“ - und schließlich 2005 die Gründung einer neuen Partei.

Bisweilen scheint sich Geschichte zu wiederholen: Heinz-Christian, „H.C.“, Strache war lange Gallionsfigur der FPÖ - ehe er sie unter anderem mit der Ibiza-Affäre in schwere Probleme stürzte und sich nach der Nationalratswahl aus der Politik zurückzog. Von dieser Ankündigung ist mittlerweile nicht mehr viel übrig: Strache bot der FPÖ in den vergangenen Wochen erst seine Rückkehr an. Nun geht das Gerücht um, er wolle den Ex-Parteifreunden Konkurrenz machen.

Strache bietet Rückkehr an - FPÖ reagiert brüsk: „Ein Witz“

Vor wenigen Tagen hatte Strache seine Ex-Weggefährten überrascht - auf offenkundig unliebsame Weise: „Ich biete der FPÖ die Aufhebung meiner Suspendierung (diese war eine Anti-Freiheitliche Vorverurteilung), die Rücknahme des Parteiausschlusses und Rückkehr als Wiener Parteichef an. Die Parteibasis soll entscheiden“, schrieb Strache laut Kleiner Zeitung in einem mittlerweile verschwundenen Facebook-Posting.

Anlass des Vorstoßes waren offenbar Vorwürfe, der skandalumwitterte Politiker spalte in seiner Abwesenheit die FPÖ. Auf große Gegenliebe stieß die Idee allerdings - gelinde gesagt - nicht. FPÖ-Fraktionschef Herbert Kickl sprach von einem „Witz“. Das Kapitel Strache in der FPÖ sei endgültig zu schließen, sagte er dem Magazin Österreich. Unterdessen veröffentlicht das BKA Österreich im Mai 2020 neue Aufnahmen von der Oligarchen-Nichte aus dem „Ibiza-Video“.

Strache zog sich aus Sorge um Familie zurück - wenige Wochen später die Kehrtwende?

Verwunderung gab es auch in Wiener Parteikreisen: Man habe Straches - einst mit Sorge um seine Familie begründete - Rückzugsbekundungen „nie bezweifelt“, erklärte Landesparteisekretär Michael Stumpf vielsagend der Nachrichtenagentur APA.

Die Ibiza-Affäre ließ zunächst die österreichische Regierung stolpern - und schließlich auch H.C. Strache (re.).

Übliche Mechanismen schienen auch parteiintern zu greifen: Auch in eine Debatte um Opfer- und Täterrollen schienen die Rechtspopulisten zu geraten. „Nicht die FPÖ“ habe Strache „zum Opfer gemacht, sondern er steht im Verdacht, als Täter die FPÖ geschädigt zu haben", betonte Sebastian Kurz‘ früherer Innenminister Kickl. Mittlerweile scheint ein Parteiausschluss Straches realistisch.

Comeback für Strache? Treffen mit Stronach schlägt in Österreich hohe Wellen

Wenig später setzte der Ex-Vizekanzler Österreichs praktisch ohne Worte einen drauf: Strache wurde mit dem ebenfalls rechtsgerichteten Milliardär Frank Stronach gesichtet. Der mittlerweile 87 Jahre alte Stronach hatte 2012 mit dem „Team Stronach“ den Einzug in den Nationalrat geschafft - sich aber 2016 wieder aus der Politik zurückgezogen. 2017 löste sich das kurzlebige Bündnis auf.

Schnell kursierten in Österreich Gerüchte, Strache und Stronach könnten an einem neuen Bündnis schmieden - der Anwalt des Unternehmers dementierte dies zwar. Das Meeting habe „keine politische Relevanz“ besessen, hieß es. Daran gibt es aber offenbar Zweifel. Wohl auch, weil Philippa Strache vor einigen Jahren für „Team Stronach“ gearbeitet hatte. Mittlerweile sitzt Philippa Strache im Nationalrat - zum Unwillen der FPÖ. Sie wurde bereits aus der Partei ausgeschlossen.

Neues Aufsehen um Strache: Computerspiel mit Parteikreditkarte gekauft?

Bemerkenswert sind die Rückkehrbemühungen auch, weil die Skandale um Strache noch lange nicht ausgestanden scheinen. Schlagzeilen machte am Freitag der Vorwurf, Strache habe über die Partei-Kreditkarte ein Computerspiel namens „Clash of Clans“ erworben. In einer Stellungnahme hieß es laut der Zeitung Kurier, es habe sich um ein „Versehen“ gehandelt, der offene Betrag sei beglichen worden.

Schwerwiegender sind andere Vorhaltungen, auch abseits der immer noch laufenden Ibiza-Ermittlungen: Die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Österreich hegt den Verdacht, dass ein Glücksspielkonzern in der Zeit der ÖVP-FPÖ-Regierung versucht hat, zusätzliche Glücksspiellizenzen im Tausch für eine FPÖ-freundliche Postenbesetzung zu erlangen. Konkret soll ein FPÖ-Lokalpolitiker durch den möglichen Deal einen Vorstandsposten im Konzern erhalten haben.

Strache und Kurz: Untersuchungsausschuss zu möglichem Postengeschacher in Österreich

Zahlreichen Medien wurden zudem mutmaßliche Ermittlungsunterlagen zugespielt - die darauf schließen lassen, dass die Regierung darüber hinaus wichtige Posten umbesetzen wollte. Inzwischen wird daher darüber diskutiert, welche Spitzenpolitiker beider Regierungsparteien von den Deals gewusst haben. Den Fall soll nun ein Untersuchungsausschuss klären.

Den Ermittlern soll bei ihrer Arbeit nicht zuletzt das beschlagnahmte Handy von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache geholfen haben, der im Mai über das Ibiza-Video gestürzt ist. Strache äußerte sich in dem Video auch zum Thema Glücksspiel und erklärte etwa, dass ein Glücksspielkonzern alle Parteien bezahle. Der in den Fokus geratene Glücksspielkonzern, Strache und alle weiteren Verdächtigen weisen die Vorwürfe der Bestechung und Bestechlichkeit vehement zurück.

Wenig Effekt scheint die Affäre auf den damals zuständigen Kanzler, Sebastian Kurz (ÖVP), zu haben. Ebenso wenig wie die vorangegangene „Schredder-Affäre“. Er verhandelt derzeit weiter mit den Grünen über ein neues Regierungsbündnis - und gilt auch in Deutschland so einigen Konservativen weiter als Vorbild.

Strache und Ibiza auch in Deutschland weiter Thema: Böhmermann plant Film

Thema ist Strache auch in Deutschland. Satiriker Jan Böhmermann arbeitet an einer Verfilmung der Ibiza-Affäre. Die Produktion habe bereits im November begonnen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Böhmermann werde das Projekt gemeinsam mit dem österreichischen Regisseur David Schalko umsetzen.

„In Österreich verdichtet sich aufs Komischste, was sich auch in vielen anderen liberalen Gesellschaften in Europa und der Welt vollzieht. Ibiza ist eine irre Parabel auf Politik in Zeiten des politischen Verfalls“, zitierte die APA Böhmermann. „Als Radikaldemokrat und Verehrer Österreichs halte ich es für meine heilige Pflicht, dass David und ich uns jetzt - Zack, zack, zack! - daran machen, Ibiza international zu erzählen und für die Nachwelt zu konservieren.“ Böhmermann kannte das Ibiza-Video bereits vor der Veröffentlichung. 

Heinz-Christian Strache plant sein Politik-Comeback: Er könnte sich an die Spitze einer neuen Partei stellen - am 15. Mai 2020 verkündete er die entsprechenden Pläne. Sein früherer Koalitionspartner Sebastian Kurz reist unterdessen nach Berlin zu Angela Merkel - und hat eine „Erwartung“ im Gepäck.

fn (mit Material von AFP)

Rubriklistenbild: © dpa / Hans Punz

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