Joe Biden, demokratischer Präsidentschaftskandidat und ehemaliger US-Vizepräsident, redet während einer Wahlkampfveranstaltung über das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.
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Joe Biden macht das TV-Duell vom Verlauf von Trumps Corona-Infektion abhängig.

Empörung nach Rückkehr ins Weiße Haus

Joe Biden: Keine Debatte, wenn Trump immer noch Covid hat

Joe Biden übt harsche Kritik an Trumps Umgang mit seiner Corona-Infektion. Ob er zur zweiten TV-Debatte antritt, lässt Trumps Herausforderer offen.

Update vom Mittwoch, 07.10.2020, 06.40 Uhr: Die erste TV-Debatte zwischen Joe Biden und Donald Trump war ein ziemlicher Reinfall. Ob die für den 15. Oktober geplante zweite Runde des Fernsehduells stattfinden wird, ist derzeit noch offen. Jedenfalls will Joe Biden nur daran teilnehmen, wenn Donald Trump nicht mehr mit dem Coronavirus infiziert ist. „Ich freue mich darauf, mit ihm diskutieren zu können, aber ich hoffe einfach, dass alle Vorschriften eingehalten werden“, sagte Biden vor Journalisten. „Wenn er immer noch Covid hat, sollten wir keine Debatte haben“, fügte der der frühere Vizepräsident hinzu.

Man werde auf jeden Fall „sehr strikten Richtlinien“ folgen müssen, betonte Joe Biden in Hagerstown im Bundesstaat Maryland. „Zu viele Leute wurden infiziert.“ Man müsse darauf hören, was Ärzte sagen. Er stelle sich weiterhin auf eine Debatte ein, „aber ich hoffe einfach, dass alle Vorschriften eingehalten werden“. Die Richtlinien der US-Gesundheitsbehörde CDC sehen für Corona-Infizierte eine häusliche Quarantäne von mindestens zehn Tagen ab Symptombeginn vor. Beim einem schweren Krankheitsverlauf sollen Infizierte sogar 20 Tage zu Hause bleiben.

Donald Trump selbst will von einer Verlegung nichts wissen. „Ich freue mich auf die Debatte am Donnerstagabend, dem 15. Oktober, in Miami“, schrieb Trump am Dienstag im Onlinedienst Twitter. „Es wird großartig!“

Joe Biden poltert gegen Donald Trump: „Selbst für Corona-Infektion verantwortlich“

Erstmeldung vom 06.10.2020

Washington - Seit Montag ist Donald Trump wieder zurück. Über das Wochenende hatte sich eine Spekulation rund um den Gesundheitszustand des US-Präsidenten mit der nächsten überschlagen. Trump ist an dem Coronavirus erkrankt. Also das Virus, das er zuvor selten ernst und noch häufiger als „China-Virus“ betitelt hatte. In Zuge seiner Infektion wurde Trump im Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Bethesda behandelt. Jetzt ist der US-Präsident zurück im Weißen Haus - und sorgt für Empörung.

Donald Trump spielt eigene Corona-Infektion herunter - Demokraten sind entsetzt

Denn wer gedacht hatte, bei Trump würde durch seine eigene Corona-Infektion ein Umdenken stattfinden, musste diese Hoffnung spätestens am Montag wieder in einer Kiste verstauen. Er fühle sich besser als vor 20 Jahren, twitterte Trump und mutmaßte, jetzt gegen das Coronavirus immun zu sein. Für die Menschen in den USA hatte der US-Präsident eine klare Botschaft parat: „Lasst es nicht Euer Leben beherrschen. Habt keine Angst davor. Geht raus, seid vorsichtig.“

Aussagen, die bei den Demokraten für reichlich Entsetzen sorgten. Schließlich rollt derzeit eine zweite Corona-Welle über die USA* hinweg. Senator Jeff Merkley sprach von der „Fortsetzung der furchtbaren und gefährlichen Ratschläge eben jenes Mannes, dessen Missmanagement die Krise so schlimm gemacht hat“. Der demokratische Abgeordnete Ilhan Omar sprach Trump gar die Eignung für das Präsidentenamt ab.

Joe Biden schießt gegen Donald Trump: „Selbst für Corona-Infektion verantwortlich“

Und Joe Biden? Der Präsidentschaftskandidat hatte seine ganz eigene Verbal-Keule dabei. Im Gespräch mit „NBC“ in Miami betonte Biden am Montagabend, dass Donald Trump selbst Schuld an seiner Ansteckung mit dem Coronavirus ist. „Jeder, der der Meinung ist, Masken spielen keine Rolle und Abstand sei unwichtig, ist meiner Meinung nach selbst dafür verantwortlich, was mit ihm passiert, wenn er sich dann ansteckt“, polterte der demokratische Präsidentschaftskandidat. So sei er nicht überrascht, dass sich Trump angesteckt hat. Schließlich habe er nicht die Regeln befolgt.

Biden selbst nannte das Tragen einer Schutzmaske „patriotische Verantwortung“. Trumps Tweet, man solle das eigene Leben vom Coronavirus nicht beherrschen lassen, beäugte der Präsidentschaftskandidat mit Sorge. „Es ist ein ernstes Problem. Es handelt sich um eine internationale Pandemie“, bekräftigte er. Bidens Angst: Die Menschen könnten das Virus als Lappalie abtun. Seine Hoffnung: Die Amerikaner ziehen aus Trumps Erkrankung die richtige Botschaft, tragen Masken und halten die Distanz ein.

Corona-Infektion? Donald Trump setzt Wahlkampf fort

Trump hingegen lässt seine Corona-Infektion scheinbar nicht an sich ran. Rund vier Wochen sind es noch bis zur US-Wahl 2020*. Schwäche ist da fehl am Platz. Und so möchte der US-Präsident so schnell wie möglich seinen Wahlkampf fortsetzen.

„Werde bald wieder auf Wahlkampftour sein“, beschwor er am Montag auf Twitter. In die gleiche Kerbe schlug auch Tim Murtaugh, ein Sprecher des Wahlkampfteams, der im Sender „Fox News*“ mal eben klarstellte, dass Trump am zweiten TV-Duell mit Biden am 15. Oktober teilnehmen wird. Corona, wer? nc mit dpa *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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