1. Fehmarnsches Tageblatt
  2. Politik

Russlands neuer Laser: Vieles spricht gegen einen Einsatz im Ukraine-Krieg

Erstellt:

Von: Julius Fastnacht

Kommentare

Im Ukraine-Krieg kündigt Russland an, feindliche Drohnen mit einer neuen Laserwaffe auszuschalten – Militärexperten äußern erhebliche Zweifeln an den Plänen.

Kiew – Russlands Ankündigung, ukrainische Drohnen künftig mit einem neuartigen Laser abzuschießen, schlägt in Fachkreisen große Skepsis entgegen. Das berichtet der britische Guardian.

Zuletzt hatte der russische Vize-Premier Juri Borissow im Staatsfernsehen mitgeteilt, eine neue Waffe mit dem Namen „Zadira“ könne bis zu fünf Kilometer entfernte Ziele vom Himmel holen. In einem Test habe sie eine Drohne innerhalb von wenigen Sekunden zerstört.

Israel absolviert erfolgreiche Tests mit Laserabfangsystem

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte indessen höhnisch auf das Statement. Bei „Zadira“ handele es sich um ein reines Propaganda-Konstrukt Russlands – was anzeige, dass die Invasion der Ukraine dabei sei zu scheitern. Selenskyj zog sogar Parallelen zu einer Nazi-Strategie im Zweiten Weltkrieg: „Je deutlicher wurde, dass sie [die Nazis] im Krieg keine Chance hatten, desto mehr Propaganda gab es über die Wunderwaffe.“

Auf ukrainische Bayraktar-Drohnen vom Typ TB2 hat es Russlands neue Laserwaffe abgesehen. Experten bezweifeln aber ihre Einsatzfähigkeit.
Auf ukrainische Bayraktar-Drohnen vom Typ TB2 hat es Russlands neue Laserwaffe abgesehen. Experten bezweifeln aber ihre Einsatzfähigkeit. © Ukrinform/dpa

Gemäß Guardian befinden sich Anti-Drohnen-Laser tatsächlich weltweit in Entwicklung. Allerdings handele es sich bislang meist um Prototypen, die noch nie in einem Konflikt getestet wurden. Auch der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall verkündete zuletzt, erste Versuche mit dem Funktionsmuster einer Laserwaffe für die Bundeswehr durchgeführt zu haben.

Fortschritte scheint es in dem Bereich also durchaus zu geben. Erst im April teilte Israels Premier Naftali Bennett mit, die Armee habe erfolgreiche Tests mit einem Laserabfangsystem durchgeführt. „Es mag wie Science-Fiction klingen, aber es ist Realität“, schrieb er auf Twitter. Der Einsatz von Laser sei dabei erheblich günstiger als die Nutzung teurer Raketensysteme – ein Schuss koste lediglich 3,50 US-Dollar.

Russland: Neue Laserwaffen gefährden eigene Armee

Gegen einen großflächigen Einsatz des neuen Anti-Drohnen-Lasers im Ukraine-Krieg sprechen dem Guardian zufolge dennoch verschiedene Faktoren. So sagte Dmitri Stefanowitsch, Forscher am Moskauer Zentrum für Internationale Sicherheit, dem Blatt: „Russland muss seine Produktion von Zadira-Lasern erhöhen, um sie wirksam einzusetzen. Im Moment gibt es einfach nicht genug, um einen wirklichen Unterschied zu machen.” Außerdem sei fraglich, ob Moskau überhaupt über eine transportierbare Energieversorgung für den Laser verfüge.

Laut einem zweiten, anonymen Analysten kann der Faktor Energie zudem zu einem weiteren Problem führen. So sei der Betrieb von kleinen Atom-Reaktoren abhängig: „Das Problem ist, dass die Laser mit Atomstrom betrieben werden. Ein ukrainischer Angriff auf die Anlagen würde zu einer kleinen nuklearen Katastrophe führen, bei der die russischen Soldaten radioaktivem Material ausgesetzt wären.“

Und der Fakt, dass Russland seine Laser-Systeme aufgrund ihrer geringen Reichweite in nur fünf Kilometern Entfernung von möglichen Zielen positionieren müsste, mache sie besonders verwundbar für Gegenangriffe. (juf)

Auch interessant

Kommentare