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Russland stiehlt angeblich Getreide aus der Ukraine: Neue Satellitenbilder sollen Szenen zeigen

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Von: Janine Napirca

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Ukraine-Krieg: Ein Traktor ist am 27. April 2022 auf einem Getreidefeld in der Umgebung von Kiew zu sehen.
Ein Traktor ist am 27. April 2022 auf einem Getreidefeld in der Umgebung von Kiew zu sehen. © MIGUEL GUTIERREZ/Agencia EFE/Imago

Neue Satellitenbilder vom Hafen Sewastopol auf der Krim sollen beweisen, dass Russland im Ukraine-Krieg auch systematisch Getreide stiehlt.

Sewastopol – Mit der Annexion der Krim 2014 nahm Russland auch den Hafen Sewastopol im Schwarzen Meer ein. Durch die Angriffe auf die Häfen in Mariupol am Asowschen Meer und Odessa am Schwarzen Meer kann die Ukraine (alle Infos zum Ukraine-Konflikt im Überblick) auf diesen Wegen nichts mehr exportieren, was Auswirkungen auf die gesamte Nahrungsmittelversorgung weltweit hat.

Jetzt sollen außerdem Satellitenbilder beweisen, dass Russland Getreide aus der Ukraine stiehlt. Denn die von Russland annektierte Krim produziert selbst nur wenig Getreide, im Gegensatz zu den nördlichen ukrainischen Regionen Cherson und Saporischschja. Ukrainische Beamte und Industriequellen behaupten gegenüber dem Nachrichtensender CNN, dass die russischen Streitkräfte in den besetzten Gebieten mehrere Silos geleert und das Getreide per Lastwagen nach Süden transportiert hätten.

Ukraine-Russland-News: US-Außenminister Blinken beschuldigt Moskau, eine Nahrungsmittelkrise herbeizuführen

In den Silos in der Ukraine sollen Schätzungen zufolge 22 Millionen Tonnen Getreide gelagert werden, die aufgrund des Ukraine-Kriegs nicht exportiert werden könnten. „Die Russische Föderation behauptet fälschlicherweise, die Sanktionen der internationalen Gemeinschaft seien schuld an der Verschärfung der weltweiten Nahrungsmittelkrise“, sagt US-Außenminister Antony Blinken.

Die Sanktionen blockieren nicht die Häfen im Schwarzen Meer, halten nicht die mit Lebensmitteln beladenen Schiffe auf und zerstören nicht die ukrainischen Straßen und Eisenbahnlinien – Russland tut das.

Antony Blinken, Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika

Außerdem ergänzt er: „Die Sanktionen blockieren nicht die Häfen im Schwarzen Meer, halten nicht die mit Lebensmitteln beladenen Schiffe auf und zerstören nicht die ukrainischen Straßen und Eisenbahnlinien – Russland tut das.“

Getreide aus der Ukraine: USA will neue Transportwege suchen, Kiew will die besetzten Häfen zurück

Die USA wolle laut Bericht gemeinsam mit Verbündeten sichere Transportwege für das Getreide aus der Ukraine entwickeln. Vor dem Krieg machten die Weizenlieferungen aus Russland und der Ukraine fast 30 Prozent des Welthandels aus. Zudem ist die Ukraine nach Angaben des US-Außenministeriums der weltweit viertgrößte Exporteur von Mais und der fünftgrößte Exporteur von Weizen.

Die Weltgemeinschaft muss der Ukraine helfen, ihre Häfen freizugeben, sonst wird auf die Energiekrise eine Nahrungsmittelkrise folgen, die viele weitere Länder treffen wird. Russland hat fast alle Häfen blockiert und somit alle maritimen Möglichkeiten, Lebensmittel – Getreide, Gerste, Sonnenblumen – zu exportieren.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Anstatt neue Transportwege zu finden, wünscht sich die Ukraine Unterstützung, damit die besetzten Häfen wieder für den Export genutzt werden können. „Die Weltgemeinschaft muss der Ukraine helfen, ihre Häfen freizugeben, sonst wird auf die Energiekrise eine Nahrungsmittelkrise folgen, die viele weitere Länder treffen wird. Russland hat fast alle Häfen blockiert und somit alle maritimen Möglichkeiten, Lebensmittel – Getreide, Gerste, Sonnenblumen – zu exportieren“, beschreibt Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, die aktuelle Situation.

Ukraine-Russland-News: Neue Satellitenbilder sollen zeigen, wie Getreide aus der Ukraine gestohlen wird

Auf Satellitenbildern von Maxar Technologies vom 19. und 21. Mai sollen laut CNN die beiden unter russischer Flagge fahrenden Schiffe Matros Pozynich und Matros Koshka an einem Getreidesilo am Hafen Sewastopol auf der Krim angedockt zu sehen sein. Womöglich wurden die russischen Schiffe mit angeblich gestohlenem ukrainischem Getreide beladen, denn zu sehen sei Getreide, das von einem Band in einen offenen Laderaum fließt.

Selenskyj hatte Russland bereits früher beschuldigt, ukrainische Lebensmittel zu stehlen und zu verkaufen. Die beiden Schiffe haben laut CNN eine Kapazität von 30.000 Tonnen. Das ukrainische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass Russland seit dem Angriff rund 400.000 Tonnen Getreide aus der Ukraine gestohlen hat. Der ukrainische Minister für Agrarpolitik und Ernährung Mykola Solsky spricht von einer organisierten Vorgehensweise: „Das ist ein großes Geschäft, das von Leuten auf höchster Ebene beaufsichtigt wird."

Getreidediebstahl in der Ukraine: Russland soll bereits zuvor Korn gestohlen haben

Anfang dieses Monats soll die Matros Pozynich eine ähnliche Mission durchgeführt und mit Getreide aus der Ukraine vollbeladen in Richtung Mittelmeer gefahren sein. Nachdem die ukrainischen Behörden laut Bericht gewarnt hatten, wies Ägypten das russische Schiff ab. Als es auch in Beirut nicht einlaufen durfte, legte es schließlich in Syrien an. Die beiden nun auf Satellitenbildern entdeckten russischen Schiffe sollen laut der Schiffsverfolgungsseite MarineTraffic.com Sewastopol inzwischen verlassen haben. Während die Matros Pozynich durch die Ägäis segelt und dem Bericht zufolge behauptet, auf dem Weg nach Beirut zu sein, soll die Matros Koshka noch im Schwarzen Meer unterwegs sein.

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