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Ukraine meldet „massiven“ Beschuss in Odessa-Region - Selenskyj zeigt Video: „Sie werden dafür bestraft“

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Von: Florian Naumann, Patrick Mayer, Franziska Schwarz

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Präsident Wolodymyr Selenskyj ersetzt einen Kommandeur. Der Süden des Landes steht unter Beschuss. Der News-Ticker zur militärischen Lage.

Update vom 26. Juli, 12.34 Uhr: Russland war vor gut fünf Monaten in die Ukraine einmarschiert und hat große Teile der Ost- und der Südukraine unter seine Kontrolle gebracht. Jetzt griff die russische Armee erneut Ziele im Donezker Gebiet an. Alle weiteren Entwicklungen in unserem neuen News-TIcker zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg.

Update vom 26. Juli, 10.25 Uhr: Wolodymyr Selenskyj hat laut Kyiv Independent ein Video in den sozialen Medien geteilt. Es soll das angegriffene Zatoka Hotel-Ressort in der Region Odessa zeigen. „Sie werden für alles bestraft werden. Jeder einzelne“, soll der ukrainische Präsident dazu geschrieben haben.

Trotz Getreide-Deal mit Moskau: Ukraine meldet „massiven“ russischen Beschuss an Odessa-Küste

Update vom 26. Juli, 9.09 Uhr: Im Zuge des Getreidedeals darf eigentlich auch nicht der beteiligte Hafen von Odessa angegriffen werden. Im Süden der Ukraine gibt es aber weiterhin „massiven“ Raketenbeschuss. Diese Infos gab der Kyiv Independent vom  „Operational Command South“, einem Teil der ukrainischen Armee dort, weiter.

Betroffen sei besonders die Küste in der Region Odessa. Die Geschosse hätten zivile Gebäude getroffen. Auch Infrastruktur des Hafens der Großstadt Mykolajiw sei beschädigt worden.

Ukraine-Krieg: Die Feuerwehr löscht ein Brand auf einem Schiff im Hafen von Odessa
Aufnahme vom 24. Juli: Feuerwehreinsatz am Hafen von Odessa © Odessa City Council Telegram channel/AFP

Ukraine-News: Russische Minderheiten lehnen sich gegen Putin auf

Update vom 25. Juli, 21.15 Uhr: Russische Minderheiten kritisieren offen hohe Verluste unter ihren Soldaten im Ukraine-Krieg. Währenddessen stellt ein ukrainischer Politiker einen heiklen Moskau-Vergleich zu den Gefallenen an. Die Hintergründe.

Angeblich 50 Munitionsdepots der Russen zerstört: Ukraine setzt verstärkt Himars-Raketenwerfer ein

Update vom 25. Juli, 20.50 Uhr: Nach Angaben von Verteidigungsminister Olexij Resnikow haben ukrainische Truppen mithilfe von hochpräzisen US-amerikanischen Raketen 50 russische Munitionsdepots zerstört. Die mobilen Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars hätten mittlerweile einen großen Einfluss auf die Kämpfe, erklärte Resnikow in einem TV-Interview.

„Das unterbricht deren Nachschub-Ketten und nimmt ihnen die Fähigkeit, Kämpfe aktiv zu führen und unsere Kräfte unter schweres Artillerie-Feuer zu nehmen“, erzählte der Minister weiter.

Wolodymyr Selenskyj ersetzt Kommandeur: Neuer Befehlshaber für die Special Operations Forces

Update vom 25. Juli, 19.30 Uhr: Präsident Wolodymyr Selenskyj ersetzt den Kommandeur der ukrainischen Special Operations Forces. Das berichtet das Medienprojekt The Kyiv Independent. Demnach hat er Hryhorii Halahan von seinem Posten entlassen und Viktor Chorenko zum neuen Kommandanten ernannt.

Die Special Operations Forces sind laut dem Bericht ein Zweig der ukrainischen Streitkräfte, die Aufklärungsmissionen und verdeckte Operationen hinter den feindlichen Linien durchführen.

Ukrainische Armee schlägt zurück: Verteidiger erzielen angeblich Gebietsgewinne im Süden

Update vom 25. Juli, 18.30 Uhr: Die ukrainische Armee konnte bei ihren kleineren Gegenoffensiven im Süden des Landes offenbar deutliche Gebietsgewinne erzielen. Das schreibt das US-amerikanische Institute for the Study of War (ISW) bei Twitter. Demnach konnten russischen Truppen offenbar vor der Großstadt Mykolaiv zurückgedrängt werden.

Laut ISW soll dafür stärkerer Artilleriebeschuss durch die ukrainischen Truppen verantwortlich sein. Insbesondere die gelieferten amerikanischen Himars-Raketen sollen den Angreifern zusetzen. Zuletzt hatten ukrainische Soldaten Waffen- und Munitionsdepots sowie Treibstofflager und Brücken nahe Cherson bombardiert. Die Großstadt war bereits in den ersten Kriegstagen an die Besatzer gefallen. Aus den mobilen Abschussvorrichtungen der Himars werden hochpräzise ballistische Kurzstreckenraketen abgefeuert. Sie sind bis zu 3000 Stundenkilometer schnell und können sehr tief fliegen, weswegen sie nur schwer zu verteidigen sind.

Slowjansk in der Ostukraine: Keine sichere Wärme- und Wasserversorgung für Großstadt im Winter

Update vom 25. Juli, 15.58 Uhr: In der umkämpften Ostukraine warnt der Bürgermeister der Stadt Slowjansk vor einem Ausfall der Wärme- und Wasserversorgung im kommenden Winter. „Sie werden Ihre Wohnung heizen können, wenn es denn Strom gibt, doch die Kanalisation wird einfrieren“, sagte der 49-jährige Wadym Ljach in der Nacht zum Montag der Nachrichtenseite Nowyny Donbassu. Seinen Angaben nach ist mit 22.000 Menschen noch etwa ein Fünftel der ursprünglichen Einwohnerschaft in der Stadt verblieben. Er forderte die Verbliebenen zur Flucht auf.

Bereits jetzt gebe es weder Gas noch fließend Wasser in der Stadt. Die Stromversorgung falle immer wieder aus. Ljach rechne mit dem Versuch der Eroberung der Stadt durch die russischen Truppen. „Vorbote wird starker Artilleriebeschuss sein. Dementsprechend wird die Zahl der Opfer in dieser Zeit steigen“, betonte er.

Einheiten der russischen Armee haben sich demzufolge unterstützt von den Hilfstruppen der Donezker Separatisten den Stadtgrenzen bis auf etwa zehn Kilometer genähert. Die Ukraine hofft allerdings, den zur Festung ausgebauten Ballungsraum Slowjansk - Kramatorsk halten zu können.

Slowjansk hat Russland im Ukraine-Krieg als Nächstes im Visier.
Slowjansk Anfang Juli. Die Stad hat Russland im Ukraine-Krieg womöglich als Nächstes im Visier. © Michal Burza/dpa

„Berkut“ im Krieg: Putin schickt offenbar berüchtigte Spezial-Einheit

Update vom 25. Juli, 14.12 Uhr: In der Region Cherson soll die berüchtigte Sondereinheit „Berkut“ wieder aktiv sein und die Einwohner terrorisieren – in Diensten der russischen Besatzer. Das berichtet Kyiv Independent und beruft sich dabei auf den ukrainischen Geheimdienst. „Die Betroffenen sind psychologischem Druck, Gewalt und Morddrohungen ausgesetzt“, so der Geheimdienst. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Der Spiegel nannte die Bereitschaftspolizei einst „Janukowitschs Sturmtruppen“ und schrieb: „Die schwer bewaffneten Männer in den dunklen Tarnanzügen standen wie kaum eine andere Einheit für das brutale Vorgehen der ukrainischen Regierung gegen das eigene Volk.“ Die Berkut-Truppen beteiligten sich 2014 an der Niederschlagung von pro-europäischen Protesten in der Ukraine. Nachdem der damalige pro-russische ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch geflüchtet war, löste die Übergangsregierung in Kiew sie auf.

Die Angaben erinnern an eine aktuelle Meldung von Human Rights Watch (HRW). Die Menschenrechtsorganisation wirft den russischen Streitkräften vor, Kriegsgefangene und Zivilisten in den Regionen Cherson und Saporischschja zu foltern. Befragungen hätten 42 Fälle offenbart. Von drei betroffenen Kriegsgefangenen seien zwei gestorben. „Russische Truppen haben die besetzten Gebiete der Südukraine in einen Abgrund der Angst und wilden Gesetzlosigkeit verwandelt“, sagte HRW-Forscherin Yulia Gorbunova laut dpa.

Ukraine-News: Kiew nennt Zahlen zu getöteten russischen Soldaten

Update vom 25. Juli, 12.55 Uhr: Nach ukrainischen Angaben sind seit Beginn des Ukraine-Kriegs fast 40.000 russische Soldaten bei den Kämpfen gestorben - westliche Experten gehen laut dpa aber davon aus, dass es deutlich weniger sind. Moskau hat zuletzt Ende März Angaben zu seinen eigenen Verlusten gemacht. Damals nannte das Verteidigungsministerium die Zahl von 1351 Toten.

Ukraine meldet „chaotischen“ Russland-Rückzug: Briten machen Putins nächstes „Dilemma“ aus

Update vom 25. Juli, 9.41 Uhr: Der britische Geheimdienst betont erneut ein „Dilemma“ des russischen Militärs. Die Kommandeure müssten weiterhin entscheiden, ob sie die Offensive in der Ostukraine mit Ressourcen versorgen oder die Verteidigung im Westen des Landes stärken.

Der Grund: Neben den bereits bekannten personellen Armee-Engpässen Russlands in der Ukraine fordere es Moskau auch heraus, Tausende im Ukraine-Krieg beschädigte Kampffahrzeuge zu reparieren und instandzuhalten, schätzen die Experten.

Am 18. Juli hätten Geheimdienste eine russische Reparaturwerkstatt rund zehn Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt entdeckt, in der mindestens 300 beschädigte Fahrzeuge gestanden hätten - darunter Panzer, andere bewaffnete Fahrzeuge und Lastwagen für die Versorgung.

Kreml verschärft Kriegs-Drohungen – Selenskyj beschwört nationale Einheit

Update vom 25. Juli, 6.26 Uhr: Auf den Schlachtfeldern in der Ukraine gab es in der Nacht keine großen Veränderungen - aber Wolodymyr Selenskyj reagierte auf die Drohungen aus Moskau. „Nur diejenigen, die die wahre Geschichte nicht kennen und ihre Bedeutung nicht spüren, konnten sich entscheiden, uns anzugreifen“, erwiderte der ukrainische Präsident auf den Vorwurf des „geschichtsfeindlichen Regimes“.

Jahrhunderte seien die Ukrainer unterdrückt worden und sie würden ihre Unabhängigkeit niemals aufgeben, so Selenskyj in seiner Videoansprache weiter. Die Bewahrung der nationalen Einheit sei nun die wichtigste Aufgabe der Ukrainer, um den Krieg zu gewinnen und Mitglied der Europäischen Union zu werden.

Zwei russische Soldaten patrouillieren in ihrem Einsatzgebiet in der Ukraine.
Moskau versammelte seine Streitkräfte offenbar nahe der Frontlinie für einen weiteren Vorstoß in Richtung Westen (Symbolbild). © Alexey Maishev/imago-images

Kreml verschärft Kriegs-Drohungen – Ukraine meldet unterdessen „chaotischen Rückzug“ russischer Truppen

Erstmeldung vom 24. Juli: Moskau/Kiew – Der Kreml hat am Wochenende noch einmal den Tonfall in seinem blutigen Angriffskrieg auf die Ukraine verschärft: Außenminister Sergej Lawrow kündigte bei einer Ägypten-Reise an, man werde den Ukrainern „auf jeden Fall helfen, sich von dem absolut volks- und geschichtsfeindlichen Regime zu befreien“ – eine offene Umsturz-Drohung gegen die Regierung von Wolodymyr Selenskyj. Schon am Mittwoch hatte Wladimir Putins Chefdiplomat mit der Eroberung von Gebieten außerhalb des hart umkämpften Donbass gedroht.

Doch wie sieht die Realität des Kriegsgeschehens aus? Unabhängige Berichte sind weiterhin rar. Ukrainische Stellen berichteten aber am Sonntag (24. Juli) von militärischen Erfolgen. Russland räumte unterdessen einen Angriff auf den Hafen von Odessa ein – verknüpft mit einer Erfolgsmeldung.

Ukraine-Krieg: News aus den Kampfgebieten – „chaotischer Rückzug“ der Russen bei Mikolajiw?

Ein neuralgischer Punkt in den Kämpfen scheint die Oblast Cherson zu sein: Russland will dort offenbar in Bälde ein Annexions-Referendum durchführen. Der Generalstab der ukrainischen Armee sieht die Kreml-Truppen allerdings in Schwierigkeiten beim zugleich beabsichtigten weiteren militärischen Vormarsch Richtung Odessa und Mikolajiw: Angriffe auf die Dörfer Sukhyi Stawok and Bilohirka an der Grenze zur Region Mikolajiw seien zurückgeschlagen worden, hieß es. Die russische Armee habe sich auf „chaotische Weise“ zurückgezogen. Diese Darstellung ließ sich nicht unabhängig verifizieren.

Gleiches gilt für die Meldung des Generalstabs, die Ukraine versuche selbst Geländegewinne bei Mikolajiw zu erzielen. Russland habe am Sonntag dutzende Siedlungen bombardiert, um ein Vorrücken zu verhindern, hieß es. Als Antwort auf Attacken auf die Oblast-Hauptstadt habe man ein im besetzten Cherson stationiertes S300-Raketensystem zerstört, zitierte das Portal Kyiv Independent.

Selenskyj sagte in der Nacht von Samstag auf Sonntag, die Armee werde „Schritt für Schritt“ Cherson zurückerobern. Ein Offizieller des Oblast nannte laut einem Bericht des britischen Guardian im ukrainischen Fernsehen den September als Zielzeitpunkt für die „Befreiung“ der Region Cherson. Allerdings habe ein AFP-Reporter gemeldet, die ukrainischen Kräfte seien derzeit vor allem damit beschäftigt, die aktuelle Frontlinie zu halten. Russland wiederum hatte zuletzt die Hafenstadt Odessa per Luftschlag angegriffen. Nach Kreml-Angaben vernichtete die Armee dabei „Harpoon“ Schiffsraketen aus US-Beständen.

Ukraine in Russlands Angriffskrieg: Neue Zahlen zu Verlusten

Unterdessen hat Kyiv Independent auch neue Zahlen zu den Verlusten der Ukraine an Mensch und Material publiziert. Das Medium bezog sich auf ukrainische Behördenangaben. Unabhängig verifizieren lassen sich die Daten nicht. Die Ziffern zu getöteten Zivilisten und Kindern hatte vor einigen Tagen das UN-Kommissariat für Menschenrechte veröffentlicht, jene zu nach Russland verbrachten Menschen stammen aus dem Kreml.

Das Gesundheitsministerium der Ukraine veröffentlichte unterdessen am Sonntag auch Daten zu Toten und Verletzten im Gesundheitssystem des Landes. In einem Facebook-Post war von 18 getöteten und 50 verletzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen die Rede. 123 Gebäude seien bei Angriffen komplett zerstört worden, 746 seien reparaturbedürftig. International Aufsehen erregt hatte im März ein mutmaßlicher russischer Luftschlag auf eine Geburtsklinik in Mariupol. Russland bestreitet absichtliche Angriffe auf Krankenhäuser und ärztliche Einrichtungen.

Die CIA hatte zuletzt auch Zahlen zu mutmaßlichen Verlusten Russlands bei der Invasion genannt. (fn)

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