Debatte zu Forderung

„Ist die SPD noch zu retten?“ - Lafontaine fordert Fusion mit Linkspartei

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Fusion der SPD und Linke? Wagenknecht und Lafontaine sind sich uneinig. (Symbolbild)

Lafontaine wünscht sich die Fusion von SPD und Linkspartei. Wie ernst ist es ihm mit dieser Forderung? Ehefrau Wagenknecht stellt sich dagegen.

Oskar Lafontaine, ehemaliger SPD-Chef und Mitgründer der Linken, soll sich für die Fusion beider Parteien ausgesprochen haben. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf Lafontaines Personenumfeld. Ob es sich hierbei um einen Vorschlag oder vielmehr um die Kritik an den Sozialdemokraten handelt, ist unklar - die Meinungen gehen stark auseinander.

Lafontaine: SPD und Linke sollten fusionieren

Die Beziehung zwischen Lafontaine und seiner früheren Partei SPD ist seit seinem Austritt und dem Wechsel zu den Linken mehr als angespannt: Der 75-jährige Politiker lässt sich kaum eine Chance entgehen, seine Meinung zur Entwicklung der Sozialdemokraten kundzutun.

Zunächst hat Lafontaine versucht, mit der Bewegung „Aufstehen“ auf die Parteipolitik Einfluss zu nehmen. Jetzt soll jedoch eine Fusion die Lösung schaffen - ein Vorhaben, welches nicht nur von seiner Ehefrau und Linksfraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht kritisiert wird.

Wagenknecht bei SPD-Plänen gegen ihren Ehemann Lafontaine

„Wenn man die SPD, von der die Wähler aktuell nicht wissen, wofür sie eigentlich steht, mit der heutigen Linken, in der wichtige Strategiefragen ebenfalls ungeklärt sind, einfach zusammen wirft, kommt ganz sicher kein Erfolgsprojekt heraus“, teilte Wagenknecht dem RND mit.

Damit stellte sie sich gegen ihren Ehemann Lafontaine, der in beiden Parteien ein geeignetes Personal vermissen soll, ein solches Fusionsvorhaben umzusetzen.

Lafontaine: „Ist die SPD noch zu retten?“

Wenn es um die SPD und insbesondere um die Kritik an ihrer Parteipolitik geht, dann scheint Lafontaine stets vorne dabei zu sein. Auch in den sozialen Netzwerken positioniert er sich gerne gegen die Sozialdemokraten. „Ist die SPD noch zu retten?“, schrieb er am 3. Juni auf seiner Facebook-Seite und erhielt dort mehr als 500 Reaktionen aus dem Netz.

„Solange die SPD nicht begreift, was sie angerichtet hat, und kompromisslos dafür eintritt, dass alle Gesetze zurückgenommen werden, die diesen Absturz zur Folge hatten, gibt es keine Rettung“, fügte er hinzu.

Netz reagiert auf Lafontaine - Meinungen zu SPD-Linke-Fusion gespalten

Etwa 2.500 Likes erhielt Lafontaine auf seinen Facebook-Beitrag, der die Politik der SPD scharf verurteilte. Der „Rekordverlust für kleine Leute“ sei zu großen Teilen auf den SPD-Politiker Gerhard Schröder zurückzuführen, der von 1998 bis 2005 das Amt des Bundeskanzlers bekleidete.

Die Kluft zwischen Reich und Arm sei laut Lafontaine auf diese Kanzlerzeit zurückzuführen - dies behauptet er in seinem Facebook-Beitrag, der bei vielen Usern auf Zuspruch traf:

„Oskar bringt es mal wieder auf den Punkt!“

„Die SPD sollte über eine Fusion mit den Linken nachdenken, und umgekehrt: da kann für beide Parteien durchaus ein wählbares Ergebnis rauskommen.“

Forderung von Ex-SPD-Chef Lafontaine begeistert bei Die Linke nicht jeden

Ob Lafontaines Wunsch nach einer Fusion nicht bloß ein weiterer Ausdruck seiner SPD-Kritik ist, bleibt ungeklärt. Jedoch trifft er mit seiner scheinbaren Forderung auch auf viele Gegenstimmen. 

Heinz Bierbaum, ehemaliger stellvertretender Linken-Vorsitzender, erläuterte dem RND, er könne sich einen Zusammenschluss zwar "gut vorstellen", sehe aber "gegenwärtig noch nicht die politischen Bedingungen dafür". Eine solche Vereinigung käme "jetzt viel zu früh".

Auch in der SPD-Spitze kann man sich eine Fusion kaum vorstellen. „Das ist ein schlechter und verspäteter Aprilscherz“, erklärte der kommissarische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel dem Tagesspiegel.

Lafontaine - Kommt die Fusion?

Ex-Parteichef Lafontaine setzt der Politik ein klares Zeichen. Ob eine Fusion mit den Linken tatsächlich in Betracht kommt, bleibt abzuwarten. In naher Zukunft ist damit jedoch wahrscheinlich nicht zu rechnen. Zunächst muss sich die SPD um die Wahl des neuen Parteivorsitzes kümmern, nachdem Andrea Nahles nicht mehr zur Verfügung steht.

Felix Molchanov/ dpa

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