Schon zum Amtsantritt heftige Vorwürfe

Trump schickt Partei-Spenderin zur UN - ihre Meinung zum Klimawandel klingt eigentümlich

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US-Senat bestätigt Kelly Craft als neue UN-Botschafterin.

Die USA haben nach sieben Monaten endlich eine neue UN-Botschafterin: Die Industrielle Kelly Craft. Schon jetzt muss sich die bisherige Botschafterin in Kanada gegen heftige Vorwürfe verteidigen.

Washington - Den Demokraten ist sie ein Dorn im Auge, die Republikaner lieben sie, ihr Mann ist eine Größe in der Kohleindustrie, sie selbst eine wichtige Spenderin für die Republikaner. An Erfahrung mangele es ihr, kritisiert die Opposition. Und sie: Sie glaube in der Debatte um den menschengemachten Klimawandel beiden Seiten, sagte sie zumindest 2017 dem Sender CBS. Kelly Craft ist die neue UN-Botschafterin der USA.

Sieben Monate war der Posten unbesetzt. Der US-Senat hat nun Craft mit 56 zu 34 Stimmen als neue oberste US-Diplomatin bei der UNO bestätigt. Crafts Vorgängerin Nikki Haley war Ende 2018 überraschend aus persönlichen Gründen aus dem Amt ausgeschieden. 

Pikant allerdings: Sowohl Craft als auch ihr Mann sind Spender von Trumps Republikanern. Einen ähnlichen Vorgang gab es bereits: Auch die im Mai als Staatssekretärin für US-Luftwaffe nominierte Barbara Barrett und ihr Mann Craig sich wichtige Spender für die Partei.

UN-Botschafterin Craft: „Klimawandel ist ein echtes Risiko.“

Bei einer Anhörung im Senat musste sich Craft, die bisherige Botschafterin in Kanada, kritischen Fragen stellen. In ihren Antworten schlug Craft, selbst ehemals Unternehmerin, neue Töne an und betonte, Klimawandel stelle ein echtes Risiko für den Planeten dar. Maßnahmen dagegen müssten alle Länder ergreifen. Zugleich versprach sie, sich bei UN-Klimaverhandlungen wegen Befangenheit herauszuhalten, wenn es um Kohle gehe. „Dann verlasse ich den Saal“, sagte sie.

Auch Trump hat immer wieder Zweifel an der menschengemachten Erderwärmung geäußert. Er ist zudem ein Kritiker der Vereinten Nationen, unter der früheren Botschafterin Haley hatten die USA einen Sparkurs eingeläutet. 

USA-Wirtschaft darf unter Klimaschutz nicht leiden

Sie verstehe, dass fossile Energieträger eine Rolle beim Klimawandel gespielt haben, sagte Craft. Trumps Entscheidung aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, zog sie jedoch nicht in Zweifel. „Wir müssen nicht Teil eines Abkommens sein, um vorweg zu gehen", argumentierte sie. Den USA dürfe außerdem beim Klimaschutz keine übergroße Last aufgebürdet werden, die Jobs oder die Wirtschaft gefährden könnte. Craft sprach sich zudem für Reformen bei den UN und für eine fairere Lastenteilung bei der globalen humanitären Hilfe aus.

Zuerst hat Trump die Außenamtssprecherin Heather Nauert nominiert. Sie zog ihre Kandidatur aber zurück und nannte familiäre Gründe. Mehrere US-Medien sehen den wahren Grund für den Rückzug allerdings darin, dass sie vor Jahren eine Frau als Kindermädchen beschäftigt hatte, die keine US-Arbeitserlaubnis gehabt habe.

UN-Botschafterin Craft: Faul? Ohne Erfahrung? Oder harte Arbeiterin?

Craft ist also auch Trumps zweite Wahl. Trotzdem lobte er sie für ihre Leistungen als Botschafterin in Kanada. In ihre Zeit dort fielen die Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta sowie der G7-Gipfel in La Malbaie, bei dem es zum Eklat kam, weil Trump seine Unterstützung für die Gipfelerklärung im Nachhinein zurückzog.

Die Demokraten sehen das anders. So musste Craft Stellung zu einem Bericht des Magazins politico beziehen, das mit Verweis auf Aufzeichnungen des Außenministeriums von mehr als 300 Tagen Abwesenheit Crafts in ihrer bis dahin 20-monatigen Amtszeit berichtet hatte. Das wäre die Hälfte ihrer Amtszeit.

Craft beharrte darauf, dass sie hart arbeite und sich regelmäßig mit Kanadas Regierungschef Justin Trudeau treffen würde, um über die Neuauflage des nordamerikanischen Handelsabkommens zu diskutieren.

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