Donald Trump steht bei der TV-Debatte mit Joe Biden an seinem Pult.
+
„Die am wenigsten rassistische Person im Raum“: Donald Trump verblüffte mit einer Antwort das US-TV-Publikum.

„Nur die mit dem geringsten IQ ...“

Skurriler TV-Duell-Moment: Trump preist sich mit Superlativ - verblüffte Beobachter sehen Gegenbeweis im Studio

Donald Trump neigt nicht zu Bescheidenheit. Doch eine Behauptung im TV-Duell mit Joe Biden überraschte viele Beobachter ganz besonders.

Nashville/Washington - Ohne größere Verbal-Ausfälle haben Donald Trump und Joe Biden die letzte TV-Debatte vor der US-Wahl* überstanden. Am meisten stach noch ein Hitler-Vergleich aus dem Munde Bidens aus dem ansonsten gesitteten Duell hervor. Das gilt zumindest, was den Umgang der beiden Präsidentschafts-Anwärter miteinander angeht. Beim heißen Thema Rassismus erntete Trump hingegen einmal mehr ungläubiges Erstaunen und einiges Entsetzen in den ersten Reaktionen auf den Abend.

Donald Trump erstaunt im TV-Duell Zuseher: US-Präsident weniger „rassistisch“ als die schwarze Moderatorin?

Für Spott in den sozialen Netzwerken sorgte Trumps Antwort auf kritische Fragen der schwarzen Moderatorin Kristen Welker. Sie wollte von Trump* wissen, was er auf Vorwürfe erwidere, er befeuere ein Klima von Rassengewalt in den USA. Die Antwort des US-Präsidenten: „Was meine Beziehungen zu allen Leuten angeht, habe ich großartige Beziehungen zu allen Leuten. Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum.“

Welker selbst setzte ungerührt die Befragung des Amtsinhabers fort. Auf Twitter wollten allerdings doch einige Beobachter auf diesen Moment hinweisen. Die Schauspielerin Yara Shahidi dankte Welker für die Frage - und fügte hinzu: „Des Weiteren: Können wir uns alle eine Sekunde nehmen um zu würdigen, dass Trump Kristen Welker... einer schwarzen Frau... erklärt hat, dass er die am wenigsten rassistische Person im Raum ist?“ Auch der schwarze TV-Moderator Eric Cox zeigte sich verblüfft. „Der denkwürdigste Moment der Debatte für mich“, erklärte er.

US-Wahl 2020: Trump wettert in TV-Duell gegen Immigranten - „Nur die mit dem niedrigsten IQ ...“

Zweifel an seiner Selbstpreisung säte Trump mit einer weiteren Aussage im Verlauf des TV-Duells. Im Streit um das Thema Migration erklärte der US-Präsident, unter den Einwanderern ohne Papiere seien unter der Ägide seines Vorgängers Barack Obama und dessen Vize-Präsidenten Joe Biden* nur jene mit dem „geringsten IQ“ zu Gerichtsanhörungen zu ihrem Aufenthaltsstatus erschienen.

Hintergrund der Äußerung ist die damalige Praxis, Immigranten ohne Ausweis bis zu einem Gerichtstermin auf freien Fuß zu setzen. Trump bezeichnete das als Desaster - und behauptete, weniger als ein Prozent der Betroffenen sei zu diesen Terminen erschienen. „Das ist nicht wahr“, entgegnete Biden. Tatsächlich scheint Trump in dieser Frage massiv übertrieben zu haben: Nach Angaben des Faktchecker-Portals politifact.com erschienen 60 bis 75 Prozent der Personen zu diesen Anhörungen.

TV-Duell mit Biden: Trump warnt erneut vor „Mördern“ und „Vergewaltigen“ - Biden gibt sich liberaler als die EU

Auffällig schien bei diesem Thema auch, zu welch drastischem Vokabular Trump griff: Er warnte, „Mörder“ und „Vergewaltiger“ kämen auf diesem Wege ins Land - möglicherweise ein Echo seiner ersten Auftritte als Präsidentschaftskandidat im Jahr 2015. Damals hatte Trump vor allem gegen mexikanische Einwanderer gewettert. Der US-Präsident betonte zudem an anderer Stelle, Kinder würden von „Koyoten“ - also Schleusern - und „Kartellen, vielen bösen Leuten“ in die Vereinigten Staaten gebracht. Biden widersprach auch hier - ebenso wie die Hilfsorganisation „Raices“.

Trumps Einwurf bezüglich der Migranten mit dem „niedrigsten IQ“ legten einige Beobachter zu seinen Ungunsten aus. Es handle sich um „klassische Trump-Logik“, urteilte der Washington-Post-Journalist Carlos Lozada in einem Tweet: „Nur dumme Leute folgen den Regeln“.

Biden kritisierte in der Debatte auch Trumps Einwanderungspolitik - und zeigte sich dabei trotz aufgeheizter Debatte in den USA liberaler als die Europäische Union. Trump sei „der erste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika“, der verlange, dass sich Asylsuchende in einem anderen Land um Aufnahme in die USA bemühen. Ein solches System wird derzeit auch in der EU debattiert. Teils scheint es mit der Aufnahme und Umverteilung von Asylsuchenden etwa in griechischen Lagern bereits in Kraft.

Als Sieger des Abends präsentierten die ersten Umfragen übrigens Biden - allerdings profitierte allem Anschein nach auch Trump von seinem gemäßigteren Auftreten. (fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.